Schweizer Atommüllendlager Erste Bohrung unweit der deutschen Grenze

Von red/dpa/lsw 

Rund 20 Kilometer südlich der Grenze zu Baden-Württemberg haben die ersten Bohrungen begonnen. Dabei soll herausgefunden werden, ob sich der Ort als Atommüllendlager eignet.

Das Gebiet Nördlich Lägern bei Bülach wird auf seine Tauglichkeit als Atommüllendlager geprüft (Symbolbild). Foto: dpa-Zentralbild
Das Gebiet Nördlich Lägern bei Bülach wird auf seine Tauglichkeit als Atommüllendlager geprüft (Symbolbild). Foto: dpa-Zentralbild

Bülach/Hohentengen - Auf der Suche nach einem Atommüllendlager haben in der Schweiz rund 20 Kilometer südlich der Grenze zu Baden-Württemberg die ersten Bohrungen begonnen. Im Gebiet Nördlich Lägern bei Bülach südöstlich von Hohentengen am Hochrhein (Landkreis Waldshut) erkunden Wissenschaftler, ob sich der Untergrund für die Lagerung von radioaktivem Material eignet, wie die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) am Montag mitteilte.

Zwei weitere Standorte - Jura Ost und Zürich Nordost - sind in der engeren Auswahl. Dort beginnen die Bohrungen in den kommenden Monaten. Die Wissenschaftler erkunden das Gestein bis in etwa 2000 Meter Tiefe. Die Auswertung der Ergebnisse soll bis 2022 dauern, sagte ein Nagra-Sprecher. Wenn es zu einer Volksabstimmung käme, könne es aber noch zehn Jahre dauern, bis ein Standort feststehe.

Standort für radioaktiven Brennstäbe wird gesucht

Die Schweiz hat wie Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Die fünf Reaktorblöcke sollen in den kommenden 20 Jahren stillgelegt werden. Das Atomkraftwerk Mühleberg wird Ende dieses Jahres als erstes abgeschaltet. Für die Lagerung der radioaktiven Brennstäbe wird ein Standort gesucht.

Weil die drei möglichen Gelände teils so nah an der Grenze liegen, verlangt die deutsche Regierung ein Mitspracherecht. Vor einem Jahr monierten das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), dass die deutschen Interessen nicht ausreichend berücksichtigt würden und wandten sich deshalb an die Schweizer Behörden.