Schwenninger Wild Wings Das Epizentrum der Eishockey-Emotionen
Die Schwenninger Wild Wings fordern im Play-off-Viertelfinale die Kölner Haie – und haben gegen den großen Favoriten ihre stimmungsvollen Fans im Rücken.
Die Schwenninger Wild Wings fordern im Play-off-Viertelfinale die Kölner Haie – und haben gegen den großen Favoriten ihre stimmungsvollen Fans im Rücken.
Die finnische Wand blieb stabil. Sie stand so sicher, wie sie es in Schwenningen befürchtet hatten. Torwart Janne Juvonen, frisch gewählter „Spieler des Jahres“ in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und in der Hauptrunde mit einer Fangquote von gut 93 Prozent der beste Keeper, hielt auch in Spiel eins des Play-off-Viertelfinals bei den Schwenninger Wild Wings (1:0) alles, was auf sein Tor kam. Es steht aus Sicht der Schwäne nach den jüngsten Eindrücken zu befürchten, dass das in Partie zwei der Best-of-Seven-Serie an diesem Freitag in Köln (19.30 Uhr) wieder so passieren wird. Und die Wand damit wieder im Weg steht.
Dass nach einer Partie der Kölner Haie wie jener am Mittwochabend mal wieder über den Weltklasse-Keeper gesprochen wurde, führte schnell zum Fakt, dass die Außenseiter vom Neckarursprung gegen den Favoriten vom Rhein, dem Spitzenreiter der Hauptrundensaison nach 52 Partien, viel richtig gemacht hatten. Denn das Team des kanadischen Trainers Steve Walker war auf der berühmten Augenhöhe angekommen, es erspielte sich einige Großchancen – die Schüsse aber endeten entweder am Pfosten oder in den Fängen des famosen Finnen.
Zum dritten Mal stehen die Schwenninger in ihrer Geschichte im DEL-Viertelfinale, über das sie noch nie hinausgekommen sind – in den vergangenen beiden Jahren schafften es die Schwäne einmal ins Viertelfinale und einmal in die Pre-Play-offs. Die großen Duelle gegen die Kölner Haie sind nun also wieder als Erfolg zu werten. Erst recht mit dem Blick auf die jüngere Vergangenheit und damit auf die Jahre zuvor.
Denn da waren Teilnahmen an den Play-offs teils in weite Ferne gerückt. Trainer kamen und gingen in Schwenningen. So hatten die Wild Wings vor dem Amtsantritt Walkers vor etwas mehr als dreieinhalb Jahren in neun Jahren acht Übungsleiter. Nun ist der Schleudersitz zur Ruhe gekommen. Auch, als in der Hauptrunde in dieser Saison neun (!) Partien nacheinander verloren gingen. Kontinuität und ein klarer langfristiger Plan sind inzwischen Trumpf am Bauchenberg – mit dem Mann an der Spitze, der diese Prinzipien vorlebt und umsetzt.
Geschäftsführer Stefan Wagner beruhigte den in Krisenzeiten stets bebenden und aufgeladenen Traditionsstandort. Und entwarf im Doppelpass mit Coach Walker ein Erfolgskonzept. „Wir haben in Schwenningen die einzige Halle in der DEL, die eine kleinere Eisfläche hat“, sagt der Geschäftsführer, der sich auf diesen möglichen Vorteil konzentrierte: „Ich wollte einen anderen Spielstil haben, dass wir den Gegner also unter Druck setzen, aggressiv sind, dass wir einen Nutzen aus dem kleineren Feld ziehen.“ Dieser neue Stil sollte auch zum stets heißblütigen und emotionalen Publikum passen. Vollgas auf dem Eis, Vollgas auf den Rängen, krachend und laut: So ging es vorwärts.
5100 Zuschauer fasst die Helios-Arena – es ist die stimmungsvollste Eishalle der DEL, nur jene der Straubing Tigers kann da atmosphärisch nach einhelligen Expertenmeinungen noch mithalten. Die langgezogene Stehtribüne hinter einem Tor ist das Epizentrum der Emotionen. Und des Krachs. Wer am Mittwoch beim Viertelfinalspiel gegen die Haie etwa keine Stöpsel oder Ähnliches benutzte, dem dröhnte es auch Stunden später noch ein bisschen in den Ohren.
Mit einer Hallenauslastung von 94 Prozent in der diesjährigen Hauptrunde thronen die Wild Wings an der Spitze der DEL, die Karten für die Partie gegen Köln am Mittwoch waren innerhalb von zehn Minuten ausverkauft. Die Euphorie ist groß in Schwenningen, was wieder zu Trainer Walker und Geschäftsführer Wagner führt. Und damit zu deren Kaderzusammensetzung. So achten die beiden Väter des Erfolgs darauf, integre Typen im Team zu haben, die Mentalität mitbringen und der Stimmung in der Kabine guttun. Oder, wie es Coach Walker trocken sagt: „Wir wollen charakterstarke Spieler verpflichten.“ Diese Tugenden innerhalb der Mannschaft wiederum stiften Identifikation auf den Rängen, wo die Sehnsucht nach weiteren Play-off-Teilnahmen in den nächsten Jahren groß ist.
Noch vor ein paar Jahren war allein der Klassenverbleib das Ziel in Schwenningen – jetzt will man sich dauerhaft zwischen Platz sieben und zehn in der Liga positionieren (und damit zumindest die Teilnahme an den Pre-Play-offs sichern). Der Etat ist im Mittelfeld der Liga angesiedelt, es gibt auf Sicht einen so breiten wie verlässlichen Sponsorenpool aus regionalen Unternehmen – langfristig ist es nicht ausgeschlossen, dass die Wild Wings auch mal die Top sechs der Liga angreifen. Auch wenn die Top-Teams wie die Haie, die Adler Mannheim oder die Eisbären aus Berlin mit einem doppelt so großen Etat wirtschaften können.
Ruhe und Kontinuität auf den Führungspositionen und seit drei Jahren in der Kaderzusammenstellung (der Stamm des Teams um Kapitän Thomas Larkin wird auch in diesem Sommer größtenteils zusammenbleiben): So will man Schritt für Schritt nach oben. Und wer weiß – irgendwann steht in den Play-offs womöglich keine Wand mehr zwischen den gegnerischen Pfosten.