Schwer verletztes Pferd in Weissach im Tal Hund oder Wolf? Halter verunsichert nach Beißangriff auf Pferd

Jochen Beglau mit Jac: Der Backnanger ist froh, dass es seinem Pferd endlich besser geht. Foto: Gottfried /Stoppel

An einem Sonntag im Juli findet Jochen Beglau sein Westernpferd mit blutenden Wunden auf der Koppel in Weissach im Tal (Rems-Murr-Kreis). Laborergebnisse legen nahe, dass es ein Hundeangriff war – der Halter will auch einen Wolf nicht ausschließen.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Auch wenn die äußerlichen Wunden verheilt sind: die Beißattacke vom Sommer steckt Jochen Beglau und seinem Quarterhorse Jac noch immer in den Knochen. Wegen der Hitze sind seine beiden Pferde tagsüber im Stall, nachts dürfen sie allein auf eine eingezäunte Wiese im Weissacher Teilort Wattenweiler. Mit Schrecken erinnert sich der 54-Jährige, wie er an einem Sonntagmorgen im Juli auf die Koppel kam und dort sein verwundetes Westernpferd blutend auf ihn wartete: „Jac war apathisch und voller Blut, er hatte schwere Bissverletzungen von der Brust bis zum Halsansatz und auch an beiden Vorderbeinen, es hingen Hautfetzen weg und auch am Hinterbein hatte er zwei Löcher, aus denen das frische Blut austrat – er muss Höllenschmerzen gehabt haben und konnte kaum gehen“, schildert Beglau. Das jüngere Pferd Ken seiner Frau bleibt zum Glück unverletzt. Der Backnanger ruft die Tierärztin an, die das 500 Kilogramm schwere Tier drei Stunden lang versorgt, es sediert, die Wunden spült, reinigt, klammert und Antibiotika verabreicht, damit es zu keiner Blutvergiftung kommt.

 

Hund oder Wolf?

„Mein erster Impuls war, dass Jac von einem Hund angegriffen wurde, er hatte mehrere fünf Zentimeter breite Eintrittswunden von Fangzähnen, die sich tief bis ins Gelenk gegraben haben“, sagt Beglau.

Wurde das Westernpferd von einem Wolf attackiert? (Symbolbild) Foto: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Er erstattet bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt, meldet den Vorfall beim Wildtierbeauftragten des Landkreises Dominic Hafner und postet auf seiner Facebook-Seite Bilder von den Verletzungen seines Pferdes. „Dort habe ich andere Halter vor freilaufenden bissigen Hunden gewarnt und erwähnt, dass es möglicherweise auch ein Wolfsangriff gewesen sein könnte.“ Immerhin war gar nicht weit entfernt – in Rudersberg – im April ein Wolfsangriff auf Schafe bestätigt worden.

„Pferde gehören eigentlich nicht zum typischen Beuteschema der Wölfe, es kommt in Deutschland dennoch immer wieder zu Angriffen auf Pferde“, sagt Beglau. Seine Vermutung, es könne sich auch in seinem Fall um einen Wolf gehandelt haben, schlug im Internet hohe Wellen. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Wolfsgegner und -befürworter führen hitzige Debatten. „Ich habe die Seite dann geschlossen“, erzählt Beglau.

Um Klarheit zu schaffen, schickt er auf Anraten des Wildtierbeauftragten Dominic Hafner einen Teil des Verbandmaterials des Pferdes an das staatlich anerkannte Senckenberg-Institut nach Frankfurt. „Abstriche der Wunden haben wir leider keine genommen, es ging uns beim Verarzten um das Wohl des Pferdes und nicht um Speichelproben eines Caniden, aber wir hatten die getrockneten Wundsäuberungstupfer gesammelt, die wurden dann zu gleichen Teilen in die Labore gesandt.“ Auf eigene Rechnung und Empfehlung einer Bekannten schickt Beglau die andere Hälfte der Mullbinden an das Forgen-Institut nach Hamburg.

Die Ergebnisse sorgten eher für Verwirrung. „Das eine Laborergebnis aus Hamburg sagt: die Angreifer waren mindestens zwei Canidae, einer davon männlich, einer davon mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf“, sagt Beglau gestützt auf das Ergebnis. „Von mehr als 20 000 getesteten Canidae in dem besagten Labor, ist das gefundene Genmerkmal noch nie bei einem Hund vorgekommen.“ Aus forensischer Sicht sei auch ein Wolf-Hund-Mischling nicht ausgeschlossen, ergänzt das Institut im Bericht. Allerdings sei das untersuchte Genmaterial aufgrund der Umstände in schlechter Qualität und Quantität vorgelegen, was zu Veränderungen führen könne.

Landratsamt geht von Hund aus

Für das Frankfurter Institut Senckenberg hingegen handelt es sich bei dem Angreifer auf Jac nicht um einen Wolf, wie das Landratsamt auf Nachfrage erklärt: „Wir sind in den Fall informiert und wurden damals vom Pferdehalter hinzugezogen“, teilt eine Sprecherin der Behörde mit. „Die Probennahme erfolgte leider erst nach tierärztlicher Erstversorgung der Verletzungen, weshalb eine kontaminationsfreie Beprobung nicht mehr sichergestellt werden konnte.“ Die Analyse durch das Senckenberg-Institut habe als Ergebnis einen Hund „Canis familiaris“ ergeben. Bestätigte Wolfssichtungen im Landkreis habe es seit dem Angriff auf die Schafsherde in Rudersberg nicht gegeben.

Sicherheit im Fokus

Jochen Beglau selbst hätte sich ein eindeutiges Ergebnis gewünscht. Ob nun ein Hund oder ein Wolf hinter dem Angriff steckt, bleibt offen. Für den Backnanger ist mittlerweile eines gewiss: „Hunde, die nicht folgen, gehören an die Leine – und Wölfe gehören nicht in dicht besiedelte Gebiete, wo sie Schafen, Kühen und Pferden oder aber auch Menschen schaden können.“

Und was Jac angeht, so werde es noch einige Zeit dauern, bis auch dessen innere Wunden vollends verheilt sind, sagt Beglau. Ans Reiten, geschweige denn die gewohnten Ausritte sei nicht zu denken. „Sobald es dämmert oder es in einem Gebüsch raschelt, wird er nervös“, sagt Jochen Beglau. „Er ist noch lange nicht wieder der Alte.“

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