Schloss und See. See und Schloss. Um sie dreht sich fast alles in Schwerin, auch die Bundesgartenschau 2009.

Fünf Flügel, elf Geschosse, 652 Räume, unzählige Erker, eine vergoldete Prunkkuppel: Mächtig thront das Märchenschloss auf einer Insel im Schweriner See. Fürs Disneyland hätte man es nicht besser erfinden können, doch es atmet Geschichte, die Geschichte eines einst mächtigen und wohlhabenden Geschlechts im deutschen Norden. Die Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin ließen nicht nur opulente Residenzen bauen, sie sammelten auch Kunst, Porzellan, Münzen und Waffen – ein Erbe, das heute der Landeshauptstadt Mecklenburg- Vorpommerns mit rund 97.000 Einwohnern zugute kommt. "Sie ist zwar die kleinste in Deutschland, aber die schönste", sagen die Schweriner stolz.

Die Lage jedenfalls ist einmalig. Das Wasser von sieben Seen macht ein Drittel der Stadtfläche aus, ein Drittel grünt als Wald, Wiese oder Park. Der Rest ist bebaut mit klassizistischer Pracht, herrschaftlichen Villen und hübschen Fachwerkhäusern in urigen Gassen. Da Schwerin im Zweiten Weltkrieg von zerstörerischem Bombardement verschont blieb, stehen die Plattenbauten der DDR-Zeit vorwiegend außerhalb der Altstadt. Der Turm des imposanten Backsteindoms ist einen halben Meter höher als der der Petrikirche in Rostock. Die Hansestadt an der Ostsee ist traditionell Schwerins große Konkurrentin. 1990 aber setzte sich die kleine Schöne durch und wurde Landeshauptstadt.

 

Legislative und Exekutive des armen Bundeslandes erfreuen sich bester Residenzen: Dem Landtag steht ein Drittel des Schlosses zur Verfügung, in Sichtweite residiert die Staatskanzlei in den ehemaligen Kollegiengebäuden, das Innenministerium im Arsenal am Pfaffenteich und das Justizressort im Neustädtischen Palais. Schwerin ist eine Stadt der kurzen Wege, für Touristen ideal.

Ziel Nummer eins ist natürlich das Schloss. Rechtzeitig zur Bundesgartenschau fielen die letzten Baugerüste der Restauratoren. Erhöht steht die bisquitfarbene Residenz auf den slawischen Burgwällen und Bastionen des 16. und 17. Jahrhunderts. Bereits 1018 erwähnt, war die Burg im Mittelalter Sitz des mächtigen Obotritenfürsten Niklot. 1160 wurde er vom Sachsenherzog Heinrich dem Löwen vertrieben, der im selben Jahr die Stadt Schwerin gründete. Niklots Nachkommen passten sich dem neuen Herrscher an, wurden als Lehensträger Sachsens eingesetzt und 1348 mit der Herzogswürde belohnt.

Durch mehrere Brände verwüstet und durch die Verlegung des Hofs 1756 ins Jagdschloss Ludwigslust vernachlässigt, begann für das Schloss mit Großherzog Paul Friedrich eine neue Epoche. 1837 erklärte er Schwerin wieder zur Residenz, sein Sohn Friedrich Franz II. ließ das Schloss unter anderen von den Schinkel-Schülern Friedrich August Stüler und Georg Adolph Demmler umgestalten. Nach 14-jährigen Bauarbeiten war der Märchenpalast mit einer prunkvollen Orangerie 1857 perfekt. Den barocken Schlosspark ergänzte Peter Joseph Lenné mit einem englischen Landschaftsgarten, der Burggarten auf der Schlossinsel trägt ebenfalls seine Handschrift.

Zur Bundesgartenschau (Buga) 2009 wurden die historischen Anlagen restauriert, neue hinzugefügt. Unter dem Motto "Sieben Gärten mittendrin" analog der sieben Seen des alten Schwerin legen sich die Gärten wie eine Perlenkette um Schloss und See. Alle sind am Wasser, eine schwimmende Fußgängerbrücke verbindet Schlossbucht und Ufergarten, wo der Flaneur mit Blick auf das Schloss tafeln kann. Den Postkartenblick auf die Residenz aber bietet das Ende der Blütenkaskaden, die von einer Anhöhe zur barocken Anlage hinabfließen.