Schwieberdingen/Hemmingen Schulstreit beendet, Differenzen bleiben

Von und Daniel Völpel 

Schwieberdingen und Hemmingen raufen sich zusammen. Die Nachbarn wollen ihre Realschule zur Gemeinschaftsschule umbauen.

Welche Schüler werden künftig in Hemmingen unterrichtet? Foto: factum/Granville
Welche Schüler werden künftig in Hemmingen unterrichtet? Foto: factum/Granville

Schwieberdingen/Hemmingen - Einen Kuschelkurs haben die beiden Nachbargemeinden tunlichst vermieden. Dennoch haben Schwieberdingen und Hemmingen sich zusammengerauft. Beide Gemeinderäte haben sich dafür ausgesprochen, die gemeinsam betriebene Realschule in Schwieberdingen möglichst bald in eine Gemeinschaftsschule umzuwandeln – jedenfalls spätestens zum Schuljahr 2014/15. „Wir wollen es so früh wie möglich“, sagte der Schwieberdinger Bürgermeister Gerd Spiegel am Donnerstag.

Allzu viel Einigkeit mit den Nachbarn wollten die Schwieberdinger Räte derweil nicht demonstrieren. Die CDU hatte am Mittwochabend vorgeschlagen, den Wortlaut des Beschlusses der Hemminger Kollegen vom Vortag zu übernehmen. Der Bürgermeister Gerd Spiegel und die übrigen Räte sahen’s anders. „Wir wollten schon ein Zeichen setzen“, beteuerte Spiegel, „aber jeder sollte bei seinem Wortlaut bleiben.“ Nach einer Sitzungsunterbrechung waren sich doch alle einig, die kleinen Unterschiede zu belassen.

Das Tempo war den Lehrern zu hoch

Gerade bei diesen Feinheiten zeigen sich zwischen den Zeilen noch kleine kommunale Unterschiede. So plädierten die Hemminger Räte in ihrem Beschlusstext dafür, zwei Klassenstufen in Schulräumen in ihrer Gemeinde unterzubringen. Im Schwieberdinger Beschluss taucht hingegen ausdrücklich auf, dass man „nichts gegen den Willen der Schulkonferenz der Realschule“ beschließen wolle. Zuvor hatte sich nämlich – sehr zum Erstaunen des Schulleiters – das Kollegium gegen einen früheren Start der neuen Schule ausgesprochen. Dabei war es der Rektor Knut Wettern selbst gewesen, der die Kommunalpolitik mit der Bitte überrascht hatte, seine Realschule in eine Gemeinschaftsschule umzuwandeln – als eine der wenigen landesweit. „Das war den Lehrern offenbar ein zu hohes Tempo“, sagt Gerd Spiegel nach der Ratssitzung.

Dass die Beschlüsse inhaltlich so ähnlich sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Noch vor zwei Jahren hatten die Schwieberdinger sich standhaft geweigert, gemeinsam mit Hemmingen eine Werkrealschule einzurichten. Das hatte die Hemminger heftig erzürnt. Jetzt, bei der Diskussion über die Gemeinschaftsschule, hatte man in Hemmingen geunkt, dass Schwieberdingen nur mitmache, weil die Schülerzahlen in der Realschule stark rückläufig seien.

CDU lehnt neues Schulmodell ab

Bei der aktuellen Diskussion treibt die Hemminger vor allem eine Frage um: Bekommen sie einen Teil der gemeinsam betriebenen Gemeinschaftsschule ab? Ein Gutachter rechnete im Gemeinderat vor, dass diese Schule in der Regel pro Jahrgang vier Klassen haben wird. Dann würden die bisherigen Räume der Realschule in Schwieberdingen und die Fachräume der dortigen Hermann-Butzer-Hauptschule ausreichen. Werden es fünf Klassen pro Stufe, müsste man anbauen.

Für Hemmingen geht der Gutachter von zwölf Grundschulklassen aus bei 16 verbleibenden Räumen nach dem Einzug eines Kindergartens im kommenden Jahr. Da im Ort keine 50 Kinder mehr pro Jahr zur Welt kommen, könnten es so wenig Schüler werden, dass Räume leer stehen. Für diesen Fall, der in sechs Jahren eintreten könnte, hat der Gemeinderat nun bereits einen Passus verabschiedet, dass die Klassenstufen neun und zehn der Gemeinschaftsschule und die möglicherweise von 2020 an benötigte gymnasiale Oberstufe ans Hemminger Schulzentrum kommen.

Während in Schwieberdingen die Beschlüsse durchweg einstimmig fielen, ist das Hemminger Gremium in sich gespalten. Fünf der sieben CDU-Räte lehnten das neue Schulmodell ohnehin ab, weil sie am alten Typus Realschule festhalten wollen.