InterviewSchwieberdingens Bürgermeister im Interview "Das hätte so nie passieren dürfen"

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Schwieberdingens Bürgermeister Gerd Spiegel entschuldigt sich bei Wolfgang Schorlau, der bei einer Krimi-Lesung nicht über Stuttgart 21 sprechen sollte.

Schwieberdingens Bürgermeister Gerd Spiegel  Foto: factum/Archiv 2 Bilder
Schwieberdingens Bürgermeister Gerd Spiegel Foto: factum/Archiv

Stuttgart - Nach der Maulkorb-Affäre entschuldigt sich Schwieberdingens Bürgermeister Gerd Spiegel im Namen seiner Gemeinde.

Herr Spiegel, ihre Gemeinde wollte dem Krimi-Autor und Stuttgart-21-Kritiker Wolfgang Schorlau verbieten, bei einer Lesung in Schwieberdingen über das Bahnprojekt zu sprechen. Warum?

Das hätte so nie passieren dürfen, wir können uns bei Herrn Schorlau nur entschuldigen. Da hat einfach einer unserer Mitarbeiter einen Fehler gemacht.

Was genau ist passiert?

Diese Veranstaltungsreihe im Schwieberdinger Bürgerhaus wird von Ehrenamtlichen organisiert, und ein Mitarbeiter im Rathaus koordiniert das Ganze. Dieser Mitarbeiter hat Herrn Schorlau aufgefordert, das Thema Stuttgart 21 bei der Krimi-Lesung nicht anzusprechen.

Das klingt nach Zensur, und genau so wurde es von vielen S-21-Kritikern auch aufgefasst. Schließlich geht es in dem Krimi, den Schorlau in Schwieberdingen präsentieren wird, beiläufig auch um Stuttgart 21. Warum dieser Maulkorb?

Mit einem Maulkorb hatte das nichts zu tun. Letztlich hat der Mitarbeiter es gut gemeint, aber schlecht gemacht. Er wollte sicherstellen, dass die Lesung nicht zu einer politischen Veranstaltung wird - so kurz vor der Volksabstimmung. Er wollte dafür sorgen, dass die Neutralität gewahrt wird. Aber so darf man es natürlich nicht machen, und dafür übernehme ich als Bürgermeister die volle Verantwortung.

Sie gelten als Befürworter von Stuttgart 21. Hat das in irgendeiner Form eine Rolle gespielt?

Absolut nicht. Ich freue mich, dass Herr Schorlau zu uns kommt, und selbstverständlich kann er völlig frei reden. Ich habe mir schon sein Buch bestellt. Und ich habe dafür gesorgt, dass sich so etwas nicht wiederholen kann. Künftig gehen solche Themen direkt über meinen Schreibtisch.

Wie hat Wolfgang Schorlau reagiert?

Wir können nur hoffen, dass er uns das verzeiht. Er hat die Lesung nicht abgesagt, das finde ich gut. Und ich wünsche ihm ein volles Haus. Wie ich gehört habe, wurden diesmal mehr Karten verkauft als bei früheren Veranstaltungen - vielleicht hat diese ungute Angelegenheit also auch einen positiven Nebeneffekt.

Der Stuttgarter Autor Wolfgang Schorlau liest am Freitagabend im Schwieberdinger Bürgerhaus an der Bahnhofstraße 14 aus seinem neuesten Buch mit dem Titel "Die letzte Flucht". In dem Krimi geht es um einen Privatermittler, der kriminelle Machenschaften im Gesundheitswesen aufdeckt. In einer Nebenhandlung wird auch das Thema Stuttgart 21 angerissen. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr, der Eintritt kostet acht Euro. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

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