Der Baum ist weg, der Gedenkort für Merve und Selin soll jedoch bleiben. Foto: Simon Granville
Bei dem Raserunfall in Ludwigsburg wurde ein Baum so schwer beschädigt, dass er gefällt werden musste. Die Stadt und die Angehörigen haben sich auf eine neue Pflanzung geeinigt.
Vielen Autofahrerinnen und Autofahrern ist es in den vergangenen Wochen aufgefallen: Der Baum am Gedenkort für die verstorbenen Merve und Selin ist gefällt worden. Der Baum stand an jener Stelle, an der die beiden jungen Frauen am 20. März 2025 bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben kamen. Beim Ausfahren aus einer Tankstelle wurden sie von einem viel zu schnell fahrenden Mercedes erfasst. Ihr Fahrzeug schleuderte anschließend gegen den Baum auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Warum der Baum entfernt wurde, erklärt Stadtsprecherin Meike Wätjen auf Nachfrage dieser Zeitung: „Die Standfestigkeit des Baumes war durch den Unfall deutlich eingeschränkt.“ Aus Gründen der Verkehrssicherheit sei die Fällung letztlich unumgänglich gewesen.
Gleichzeitig habe die Stadtverwaltung Rücksicht auf den Ort des Gedenkens genommen. Aus Respekt vor der Gedenkstätte mit Fotos, Blumen und Kerzen habe man die Baumfällung so lange hinausgezögert, wie es aus Verkehrssicherungsgründen vertreten werden konnte. Letztendlich musste der Baum jedoch beseitigt werden.
Nach Angaben der Stadt stand man während des gesamten Prozesses in engem Austausch mit den Angehörigen der beiden jungen Frauen. Gemeinsam sei nun eine Lösung gefunden worden, die sowohl dem Bedürfnis nach Sicherheit als auch dem Wunsch nach einem würdevollen Erinnerungsort gerecht werde. „Wir haben gemeinsam einen Baum ausgesucht, den wir im Frühjahr auch gemeinsam pflanzen werden“, erklärt Wätjen.
Der Baum und das Unfallauto am 20. März 2025. Foto: KS-Images.de / Andreas Rometsch
Dabei handelt es sich um einen sogenannten Erguvan-Baum. Diese Baumart zeichnet sich durch eine besonders auffällige Blüte aus. Im Frühjahr – und damit ungefähr zum Todestag von Merve und Selin – entwickelt der Erguvan ein üppiges Blütenmeer in kräftigen Rosa- bis Purpurtönen. „Im Anschluss daran treiben herzförmige Blätter aus, die sich im Herbst gelblich verfärben“, beschreibt die Stadtsprecherin den Baum weiter.
Der Erguvan-Baum ist in der Türkei und anderen mediterranen Ländern beheimatet. Besonders in Istanbul spielt er eine bedeutende Rolle: Dort prägt er im Frühjahr mit seinen leuchtenden Blüten das Stadtbild und gilt dadurch als eines der Symbole der Stadt.
Bäume vor der Tankstelle eine Gefahr?
Die Fällung des Baumes hat jedoch auch eine weitere Diskussion neu entfacht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, entlang der Aral-Tankstelle, aus der Merve und Selin am Tag des Unfalls herausfuhren, steht eine Reihe weiterer Bäume. In sozialen Medien wird immer wieder die Vermutung geäußert, diese Bäume könnten beim Ausfahren die Sicht auf die Schwieberdinger Straße einschränken und möglicherweise zu dem Unfall beigetragen haben.
Diese Vorwürfe weist die Stadt zurück. „Der betroffene Bereich wurde nach dem Unfall von der Verkehrsbehörde sowie von Verkehrsplanerinnen und -planern intensiv überprüft“, teilt Meike Wätjen mit. Dabei seien unter anderem Fahrproben durchgeführt worden. Diese hätten bestätigt, dass während des Einfädelvorgangs eine gute Sicht bestehe. „Das Sichtdreieck ist frei von Bepflanzung. Die Bäume behindern das Einfädeln also nicht“, so Wätjen.
Unabhängig davon hat die Stadt auf die Situation reagiert. Auch mit Blick auf die Sorge um die Sicherheit beim Ausfahren wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Schwieberdinger Straße von Tempo 50 auf Tempo 40 reduziert. Diese Maßnahme soll das Einfädeln aus der Tankstelle erleichtern und die Verkehrssicherheit insgesamt erhöhen.