Nachtmanager in Stuttgart Darum bleibt Nils Runge weiterhin alleine im Amt

Der neue Nachtmanager Nils Runge während der Kandidatenkür Foto: Pop-Büro/Reiner Pfisterer

Der neue Nachtmanager Nils Runge bleibt vorerst ein Einzelkämpfer. Die zweite Stelle wird nach etlichen Turbulenzen zu Beginn wohl erst im Sommer besetzt.

Stuttgart - Der Start war schwierig. Das Wahlverfahren stand in der Kritik, schließlich die Auswahl selbst der beiden Nachtmanager. Warum zwei Männer? Warum kein Migrant? Man habe die besten Kandidaten ausgesucht, war darauf die Antwort. Schließlich ging mit Thorsten Neumann schon einer des Duos von der Fahne.

 

Immerhin, Nils Runge hat nun sein Amt angetreten. Der 33-Jährige wurde von einer Jury gekürt und hat sich gegen 33 andere Bewerber durchgesetzt. Er wirkt nun beim Pop-Büro und ist das offizielle Gesicht der Stuttgarter Nachtkultur. Er soll in die Öffentlichkeit wirken, Verständnis für die Belange der Clubbetreiber, Musikszene und Veranstalter wecken und für deren Anliegen werben, aber auch vermitteln, wo es in der Stadt Probleme gibt, etwa durch Lärm, Dreck und Drogen.

Zwei Menschen sollen sich die Aufgabe teilen

Die Aufgabe ist anspruchsvoll: Deshalb sollen sie sich zwei Menschen teilen. Die andere Stelle ist bei der Stuttgarter Wirtschaftsförderung angesiedelt. Thorsten Neumann wurde dafür ausgesucht. Er sollte als Lotse in der Stadtverwaltung dienen. Das hat manchen verwundert, ist Neumann doch als Macher bekannt, der mit dem Rocker 33, der Palermo-Bar stadtprägende Projekte gegen alle Widerstände aus dem Boden gestampft hatte, er veranstaltete Konzerte und Partys. Ein Typ mit durchaus eigenem Kopf. Nun sollte er sich in eine Verwaltungsstruktur einbinden lassen? Zwei Wochen nach der Ernennung zog er zurück, aus persönlichen Gründen. So teilte es die Wirtschaftsförderung mit.

Waren die Tweets der Grund?

Nun hatte sich Neumann vor Urzeiten via Twitter über Hipster und Volksfestbesucher ausgelassen. Was in sozialen Netzwerken viele empört hat. Darunter allerdings auch so manchen, der selbst nicht spart mit Hohn über Lederhosen- und Dutt-Träger. War diese Aufregung der Grund für seinen Rückzug? Was sagt Neumann dazu? Kaum hat man gesagt, dass man wegen des Nachtmanagers anrufe, unterbricht er: „Dazu sage ich nichts!“ – und legt auf. Eigentlich müsste die Wirtschaftsförderung mehr wissen. Man ruft dort an und bittet um Antworten. Kurze Zeit später ein Rückruf, man möge die Fragen bitte schriftlich an die Pressestelle der Stadt richten. So schmallippig war man nicht immer in den vergangenen Monaten, da hat man sich durchaus für die Coolness und Fortschrittlichkeit gefeiert, zwei Nachtmanager einzustellen. Also die Fragen: Warum muss die eine Stelle schon wieder neu besetzt werden? Hat man den falschen Bewerber ausgesucht? Haben Neumanns Tweets mit dem Rückzug zu tun?

Stelle wird neu ausgeschrieben

Einen Tag später kommt die Antwort, schriftlich. „Thorsten Neumann wird die Stelle als Projektleiter der Koordinierungsstelle Nachtleben aus persönlichen Gründen leider nicht antreten“, steht da. Diese Formulierung kannte man bereits. Ansonsten Schweigen. Immerhin erfährt man, dass die Stelle im Mai neu ausgeschrieben wird. „Als vorteilhaft wird dabei vor allem die Möglichkeit von erneuten persönlichen Gesprächen gesehen.“ Bewerbungsgespräche könnten im Juni stattfinden, „so dass ein möglicher Arbeitsbeginn im Juli möglich ist“.

Unterschiedliche Interessen und Ansprüche

Bis dahin muss Nils Runge als Einzelkämpfer zurechtkommen. Eine Schonfrist ist ihm nicht vergönnt, zu drängend sind die Probleme all jener, die ansonsten im Nachtleben arbeiten und nun seit mehr als einem Jahr ohne Arbeit und Einkommen sind. Der gelernte Betriebswirt entstammt der freien Szene, war etwa bei den Vereinen contain’t und Waltraud Lichter aktiv, hat aber wenig Berührungsängste. So arbeitete er als Projektmanager bei Sportveranstaltungen, etwa für den Europäischen Fußballverband (Uefa). Er ist also durchaus in verschiedenen Welten unterwegs gewesen. Was ihm jetzt zugutekommen könnte, sind die Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche doch breit gefächert.

So breit gefächert wie das Nachtleben eben ist. Man geht aus, essen, tanzen, ins Theater oder Kino. Aber man nutzt auch den Nahverkehr, fährt Taxi, isst einen Döner, trinkt ein Bier am Kiosk. Um eine Klammer für all das zu finden, spricht man von der Nachtökonomie oder griffiger von der „Stadt nach acht“. All diese Akteure haben unterschiedliche Aufgaben und Blickwinkel und daraus folgend „unterschiedliche Interessen“, sagt Runge. Manche bündeln sie, wie die Clubs oder die Veranstalter, die sich zusammengeschlossen haben, um mit einer Stimme zu sprechen. Andere ringen um Gehör. Deshalb baut Runge das „Netzwerk Nachtkultur“ auf, „damit sich alle mit ihren Anliegen einbringen können“. Runde Tische sollen so entstehen, um das Verständnis zu fördern, aber auch um gemeinsame Positionen zu entwickeln.

Näheres dann im Juli

Wie sich die Zusammenarbeit der beiden Nachtmanager gestaltet, „kann man natürlich erst klären, wenn die zweite Stelle besetzt ist“, so Runge. Im Juli also. Dann soll der schwierige Start vergessen sein.

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