Schwierige Zeiten in Ditzingen Trumpf spart, die Volksbank investiert: Wie erklären sich die Gegensätze?

Das Unternehmen Trumpf und die Volksbank Leonberg-Strohgäu sind mit fast konträren Nachrichten an die Öffentlichkeit gegangen. Foto: Simon Granville

Die Ditzinger stecken finanziell in nie gekannten Schwierigkeiten. Und doch ist es nicht angebracht, die Situation nur in düsteren Farben zu beschreiben, meint unsere Autorin.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Gegensätzlicher hätte die Woche nicht sein können. Da meldet das Ditzinger Hochtechnologieunternehmen Trumpf zunächst am Mittwochvormittag, im abgelaufenen Geschäftsjahr unter dem Strich rote Zahlen geschrieben zu haben. Wenige Stunden später dann wird in der Nachbarstadt Gerlingen ein Bauprojekt in der Ortsmitte vorgestellt, von dem sich der Bürgermeister neue, weitreichende Impulse für den Ort verspricht.

 

Dies alles geschieht in einer politischen Großwetterlage, die von Unsicherheit geprägt ist. Man würde ja gerne bei den positiven, Zuversicht verbreitenden Nachrichten verharren wollen, die mit der Ankündigung der Volksbank Leonberg-Strohgäu einhergehen. Sie will ihre Filiale am Gerlinger Rathausplatz durch einen Neubau ersetzen, an einer Kundenbetreuung durch Mitarbeiter in der Filiale festhalten, darüber hinaus mit der Stadt ein Gesundheitshaus schaffen und Gastronomie ansiedeln.

Trumpf schwächelt in Ditzingen, Volksbank investiert in Gerlingen

Aber ist nicht das Gefühl der Unsicherheit viel stärker angesichts angekündigter oder umgesetzter Einschnitte im Job und steigender Lebenshaltungskosten? Und hat nicht selbst die Vorstandsvorsitzende von Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller, in Bezug auf Deutschland und die EU von einem Gefühl gesprochen, das sie derzeit so drückend empfinde wie nie in ihrer beruflichen Laufbahn? Die Gegenwart, so die christdemokratische Unternehmerin, erscheine oftmals wie gelähmt, was das Entwerfen einer guten Zukunft für viele Menschen anbelangt, „die wir als Industrie technisch realisieren könnten, indem wir ihnen zu Wohlstand und Selbstbestimmtheit verhelfen“.

Nicola Leibinger Kammüller Foto: Marijan Murat/dpa

Auch diese Worte zeitigen in der Region Wirkung. Zumal die Situation bei Ditzingens großem Gewerbesteuerzahler direkte Auswirkungen hat auf die Stadt – und zwar auf den kommunalen Handlungsspielraum. Das Bild von der gelähmten Gegenwart, von schwindendem Wohlstand und verloren gehender Gestaltungsfreiheit prägt daher schon jetzt Diskussionen im Gemeinderat. Zumal die Stadt – wie alle Kommunen im Land – angesichts immer neuer Aufgaben chronisch unterfinanziert ist. Haushaltssperre, Nothaushalt, Einschnitte – das ist das Vokabular mit dem der SPD-nahe Oberbürgermeister Michael Makurath die Bürger darauf vorbereitet, dass sich die Situation, anders als nach Corona, nicht so schnell wieder verbessern wird.

Selbstverständlich ist die Situation eines global agierenden Hochtechnologieunternehmens in politisch unruhiger gewordenen Zeiten nicht gleichzusetzen mit dem Wirken eines genossenschaftlichen Kreditinstituts in einem vergleichsweise stabilen regionalen Umfeld. Aber die positive Kraft, die von solch positiven Impulsen eines zentral gelegenen Bauprojekts in schwieriger Zeit ausgeht, sollte genutzt werden. Zum Beispiel, um genau hinzuhören. Nicola Leibinger-Kammüller sagte nämlich auch, dass man bei Trumpf überzeugt sei, die Talsohle erreicht zu haben, es gar „vorsichtige Anzeichen der Verbesserung“ gebe.

Und OB Makurath strich in seiner Funktion als Vizepräsident des Städtetags Baden-Württemberg dieser Tage ein Verhandlungsergebnis zwischen dem Land und den Kommunalen Landesverbänden heraus, durch das die Städte und Gemeinden finanziell gestärkt würden und Planungssicherheit bei der Ganztagesbetreuung erhielten. Natürlich seien nicht alle Probleme gelöst worden. Aber weil alle an ihre Grenzen gegangen seien, sei „in sehr schwierigen Zeiten ein tragfähiger Kompromiss erzielt“worden. Der Ditzinger Gemeinderat würdigte dies wohl.

Die Zeiten sind herausfordernd. Aber ein dunkles tristen Grau allein, taugt nicht, um die Situation in Ditzingen zu beschreiben. Einige Farbtupfer gehören auch ins Bild.

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