Schwieriger Schulstart So sorgt Ministerin Schopper für Lehrkräfte in Baden-Württemberg

Kultusministerin Theresa Schopper Foto: dpa/Christoph Schmidt

Am Montag geht in Baden-Württemberg die Schule los. Was die Unterrichtsversorgung erschwert und wie sie gesichert wird, hat Kultusministerin Theresa Schopper jetzt erklärt.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

1,5 Millionen Schüler und rund 130 000 Lehrkräfte kehren am Montag in die Klassenzimmer von 4500 Schulen in Baden-Württemberg zurück. Kultusministerin Theresa Schopper sprach in ihrer Pressekonferenz zum Schulstart davon, dass „ein herausforderndes Schuljahr“ vor ihnen liegt. Das liegt nicht nur an Corona und der Integration einer hohen Zahl von Flüchtlingskindern in den Unterricht, sondern auch an der generell immer schwieriger werdenden Versorgung mit Lehrkräften.

 

Lücken bei der Unterrichtsversorgung werden größer

Auch im neuen Schuljahr gibt es an den Schulen im Land zu wenige Lehrkräfte, um neben dem Pflichtunterricht auch Ergänzungsangebote und AGs sowie Krankheitsvertretungen zu gewährleisten. Unmittelbar vor Schulstart sind landesweit 890 Stellen noch nicht besetzt. 6065 Lehrkräfte mussten nach Schoppers Worten insgesamt ersetzt werden; Bei 5175 Stellen sei das bereits geschehen. Trotzdem bekannte Schopper sich beim Blick auf die Unterrichtsversorgung auf Sorgenfalten, die nicht weniger geworden sind.

Das liegt nicht nur am Unterrichtsangebot für Flüchtlinge oder am faktischen Arbeitsverbot für schwangere Lehrerinnen wegen Corona. Nach wie vor gibt es die Pensionierungswelle an den Schulen und der Ersatzbedarf ist hoch. In den vergangenen zehn Jahren hat das Land fast die Hälfte des landesweiten Lehrpersonals ausgetauscht. Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung Gerhard Brand schätzt, dass lediglich 85 Prozent der benötigten Stellen besetzt werden. Auch der Philologenverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sehen eine Verschlechterung der Personallage an den Schulen und rechnen mit vermehrten Unterrichtsausfällen wegen Krankheit. Die Krankenreserve sei bereits zu Schuljahresbeginn vollständig für laufende Unterrichtspflichten im Einsatz.

Regionale Unwuchten bei der Unterrichtsversorgung

Problematisch ist, dass der Lehrernachwuchs laut übereinstimmenden Aussagen der Kultusministerin, von Philologenverbandschef Ralf Scholl und GEW-Chefin Monika Stein mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz zunehmend wählerisch agiert. So ist es zunehmend schwer, offene Stellen in ländlichen Regionen oder im Großraum Stuttgart zu besetzen. Nach wie vor entschieden sich viele junge Lehrkräfte gegen eine feste Stelle in einer der unbeliebteren Regionen wie den Kreisen Rottweil oder Tuttlingen. Sie warten stattdessen auf eine Stelle als Krankheitsvertretung oder für den Unterricht mit Flüchtlingen in einer anderen Gegend. „In Heidelberg und Freiburg haben wir jeweils acht Stellen zu besetzen und 149 beziehungsweise 165 Bewerbungen“, erklärte Schopper. „Dagegen gibt es im Landkreis Waldshut 52 Stellen und 17 Bewerbungen.“

„Wir haben in allen Regionen Verantwortung für die Schüler und brauchen überall gut ausgebildete Lehrkräfte“, sagte Schopper und appellierte an den Nachwuchs, offener für alternative Regionen jenseits ihres Wunschgebiets zu sein. Der Chef des Philologenverbands Ralf Scholl, betonte, er habe „kein Verständnis“ für das wählerische Verhalten.

Wo der Lehrermangel am größten ist

Als absolut „haarig“ bezeichnete Ministerin Theresa Schopper die Situation an den Schulen mit sonderpädagogischem Profil. Dort könne es an einzelnen Standorten „zu einer Reduzierung des Unterrichts kommen“, räumte sie ein.

Was beim Stopfen der Lücken hilft

Um den Unterricht auch außerhalb der populären Regionen sicherzustellen – laut GEW-Chefin Monika Stein sind in ganz Baden-Württemberg nur noch die Städte Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg bei Junglehrern attraktiv – haben vor allem zwei Instrumente geholfen: Zum einen hat der Appell zur Aufstockung von Teilzeitdeputaten, den Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Schopper gemeinsam formuliert haben, gefruchtet: 2973 Lehrkräfte erhöhen ihre Unterrichtsverpflichtung. Außerdem wurden 2405 Lehrkräfte in benachbarte Regionen versetzt oder abgeordnet. Dass der Klassenteiler erhöht wird, schloss die Ministerin für das jetzt beginnende Schuljahr aus. Ob Referendare, wie von Kretschmann vorgeschlagen eine Stunde mehr unterrichten müssen, werde geprüft, sei aber noch nicht entschieden. Entlastung für das nächste Jahr verspricht Theresa Schopper sich davon, dass die Haushaltskommission 500 neue Lehrerstellen genehmigt hat. GEW und Philologenverband begrüßten den Beschluss, finden das Plus aber nicht ausreichend.

Was bei Corona anders ist

Weil die Impfquote in allen Schülergruppen deutlich gestiegen ist, geht Kultusministerin Schopper von einer verbesserten immunologischen Situation an den Schulen aus. Regelmäßige Tests gibt es nur noch an Sonderschulen und Schulkindergärten. Insgesamt startet die Schule ohne Maskenpflicht. Um für die Schnupfensaison ab Oktober gerüstet zu sein, gibt das Land an Schüler und Personal aller Schulen und Schulkindergärten vier Antigentests pro Person aus. „Damit können sie sich bei Symptomen zu Hause auf Corona testen.“

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