Kim Herkle aus Oeffingen Vor dem Rückflug wartet noch eine OP
Die in den USA studierende Schwimmerin Kim Herkle ist mal wieder auf Heimaturlaub in Oeffingen, um von kommenden Donnerstag an bei den deutschen Meisterschaften in Berlin zu starten.
Die in den USA studierende Schwimmerin Kim Herkle ist mal wieder auf Heimaturlaub in Oeffingen, um von kommenden Donnerstag an bei den deutschen Meisterschaften in Berlin zu starten.
Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Kim Herkle das letzte Mal auf Heimatbesuch bei ihren Eltern in Oeffingen war. Seinerzeit war die Spitzenschwimmerin des SV Cannstatt für die Teilnahme an den deutschen Meisterschaften von ihrem USA-Studienort Louisville/Kentucky eingeflogen – und genauso ist es auch in diesem Sommer: Kim Herkle ist aus den USA gekommen, um an den nationalen Titelkämpfen teilzunehmen. Von kommenden Donnerstag an bis zum Sonntag werden im Europa-Schwimmzentrum in der Bundeshauptstadt Berlin die nationalen Titel in sämtlichen Lagen und auf sämtlichen Strecken vergeben. Viermal wird auch die 20-jährige Oeffingerin am Start sein. „Meine Erwartungen sind nicht die allergrößten. Ich will einfach mein Bestes geben und schauen, was mein derzeitiges Leistungsvermögen hergibt“, sagt Kim Herkle vor der Reise an die Spree.
Vielleicht ist es ja ein gutes Omen, dass die Europameisterschaftsteilnehmerin von 2021 – die Titelkämpfe wurden in Budapest ausgetragen – genau in Berlin ihren bislang größten nationalen Erfolg gefeiert hat. Im Juli vor zwei Jahren war es, als die Oeffingerin nach zuvor bereits mehreren deutschen Meistertiteln im Jugendbereich in der Hauptstadt auch erstmals die Schnellste der Republik bei den Frauen war. Und das auf ihrer Paradestrecke 200 Meter Brust. Die Siegerzeit damals lag bei 2:27,43 Minuten. Von dieser und noch mehr von ihrer persönlichen Bestzeit, die bei 2:25,40 Minuten steht, ist die einstige Schülerin des Untertürkheimer Wirtemberg-Gymnasiums aktuell ein ganzes Stück entfernt. Bei den nationalen Hochschulmeisterschaften in Schwäbisch Gmünd, bei der die Studentin der University of Louisville am letzten Juni-Wochenende als Gastschwimmerin am Start war, schlug sie nach 2:31,68 Minuten am Beckenrand an. Das reichte zwar souverän zum ersten Platz unter den besten schwimmenden Studentinnen im Land, wird aber in Berlin kaum zur angestrebten Endlauf-Teilnahme reichen. „Nach den Trainingsleistungen der vergangenen Wochen bin ich mit jeder Zeit unter 2:30 Minuten zufrieden. Das müsste ich schaffen“, sagt Kim Herkle.
Die Ergebnisse in den Übungseinheiten sind in jüngster Zeit stetig nach oben gegangen, was hauptsächlich daran lag, dass die Wahl-Amerikanerin seit dem Frühjahr endlich wieder normale Trainingsumfänge im Becken absolvieren kann. Zweieinhalb Jahre lang war das nicht möglich, weil seit Ende 2020 gleich drei größere gesundheitliche Probleme die Ausübung des Sports über Monate hinweg unmöglich gemacht hatten: Auf eine schwere Corona-Infektion mit langwierigen Folgesymptomen war die operative Entfernung eines Abszesses am Hals gefolgt. Dieser war lange Zeit nicht richtig diagnostiziert worden und hatte Schmerzen verursacht. Als Kim Herkle dann halbwegs wieder auf dem Weg zurück ins Unitraining war, folgte der größte Rückschlag im August 2022: Ermüdungsbrüche in beiden Beinen. Mehrere Monate lang schien sogar die Fortsetzung der Schwimmkarriere ganz in Gefahr. Vom Nationalen Universitäts-Sportverband (NCAA) der USA wurde Kim Herkle ein so genanntes „Medical Redshirt“-Jahr gewährt, was den Ausschluss aus dem Wettkampfbetrieb für ein Jahr bedeutete, im Anschluss an die regulären vier Collegejahre aber ein fünftes ermöglichen wird.
Einige Wettkämpfe nach gut einem Dreivierteljahr hat die 20-Jährige im Mai und im Juni als Einzelstarterin bereits in Chicago, Indianapolis und in Florida bestritten, zum Teil mit Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen als Rivalinnen. Die dort erzielten Zeiten reichten allerdings noch nicht für die angestrebte Qualifikation für die U-23-Europameisterschaften in Dublin (11. bis 13. August), sodass sich Kim Herkle jetzt voll und ganz auf das Geschehen in Berlin konzentrieren kann. Außer über 100 Meter und 200 Meter Brust wird sie in der Hauptstadt auch über 200 und 400 Meter Lagen ins Wasser springen. Auf den 200 Metern Lagen wurde sie jüngst ebenfalls deutsche Hochschulmeisterin, die doppelt so lange Distanz hat sich mittlerweile zu einer zweiten Lieblingsstrecke entwickelt. Auf den Meldelisten des Deutschen Schwimm-Verbands belegt die Oeffingerin die Ränge sieben (100 Meter Brust), vier (200 Meter Brust), sieben (200 Meter Lagen) und elf (400 Meter Lagen). Mit einer Ausnahme stammen diese erzielten Zeiten aber alle noch aus dem vergangenen Jahr vor den Ermüdungsbrüchen. „Ich denke, eine Medaille ist unrealistisch. Ich schaue einfach mal, was möglich ist“, sagt Kim Herkle, die am 7. August wieder in die USA fliegt.
Zuvor steht allerdings in der Heimat noch ein wichtiger Termin an, wieder einmal mit medizinischem Hintergrund. Nach der Rückkehr von den deutschen Meisterschaften wird sie sich alle vier Weisheitszähne ziehen lassen.