In dem riesigen Krater parken zwei gelbe Bagger. Der Boden ist abschüssig, sodass es aussieht, als stünden die Baufahrzeuge auf einer überdimensionalen Rutsche. Das, was einfach nur nach Schutt und Staub aussieht, ist das Schwimmbecken des Gartenhallenbades in Filderstadt-Bernhausen. Oder was davon übrig ist. Denn die Bagger haben ganze Arbeit geleistet. Sämtliche Fliesen sind herausgebrochen, durch durchgeschlagene Beckenwände kann man in den einstigen Technikraum sehen.
Das Gartenhallenbad in Bernhausen, eröffnet 1972, wird momentan generalsaniert. Seit September 2023 ist es geschlossen, der Vereins- und der Schulsport wurden derweil in andere Bäder ausquartiert. Hinter Gerüsten und Schutztextilien ist kaum mehr als das Gerippe des Gebäudes übrig. „Der Rohbau ist noch da“, erklärt Markus Listl, der Geschäftsführer der Filderstadtwerke. Im Obergeschoss wurde die Sauna zugunsten von drei Multifunktionsräumen entfernt, die von Vereinen, der Volkshochschule und für den nicht vereinsgebundenen Sport genutzt werden sollen. Öffnungen für Fenster, die es vorher nicht gab, wurden in die Wände geschlagen. Die alte Fertigteildecke wird entfernt und durch eine Holzdecke ersetzt. „Das ist ein guter Werkstoff, der mit der chlorhaltigen Luft klarkommt“, erklärt Markus Listl. Zudem wird mehr Platz geschaffen, indem die Verglasung an der Südseite ähnlich wie bei einem Wintergarten ausgestellt wird.
Kurzum: Wirklich alles wird im Gartenhallenbad neu gemacht, vom gesamten Innenleben und der Technik bis zur Fassade. Einen neuen Imbissbereich gibt es ebenfalls, ebenso ein neues Kinderplanschbecken sowie Aufzüge, die Personen mit Handicap ins obere Stockwerk einerseits und ins Wasser andererseits befördern können. „Insgesamt haben wir auf Inklusion geachtet“, sagt Listl. Außerdem wird auf ein sparsames Energiekonzept gesetzt, mit Wärmepumpensystem und -rückgewinnung, mit Photovoltaik und Regenwassernutzung für draußen. Markus Listl spricht von einem „Bad der Zukunft“.
Mehr Asbest gefunden, als angenommen
Ganz rund läuft es bei den Arbeiten allerdings nicht. Laut Listl wurde deutlich mehr Asbest gefunden, als zunächst angenommen. Die Entfernung mithilfe von Spezialverfahren und die Entsorgung der Schadstoffe: Das alles habe die Bauzeit nicht nur in die Länge gezogen, sondern das ganze Projekt auch verteuert. Beim Baubeschluss 2023 war man noch von Nettokosten in Höhe von insgesamt 19,3 Millionen Euro ausgegangen, Finanzpuffer für Unvorhergesehenes inklusive. Mittlerweile liege man bei 20,6 Millionen Euro. Für die Bevölkerung, die Schulen und die sporttreibenden Vereine ärgerlicher dürfte jedoch der zeitliche Aspekt sein. Ursprünglich hatte es geheißen, die Arbeiten würden im Dezember 2025 abgeschlossen sein. „Doch jeder, der das sieht, weiß, dass wir nicht im Dezember fertig sein werden“, sagt Listl und lässt den Blick über die Baustelle schweifen. Derzeit geht er von einer Wiedereröffnung Mitte 2027 aus. Der Gemeinderat sei jüngst darüber unterrichtet worden, „die Vereine informieren wir jetzt“.