Schwimmen lernen in Stuttgart Stadt regelt Schwimmkurse neu – das schlägt hohe Wellen

Weiterhin muss mehr Schwimmunterricht angeboten werden Foto: dpa/Franziska Kraufmann
Weiterhin muss mehr Schwimmunterricht angeboten werden Foto: dpa/Franziska Kraufmann

Die Stadt hat den Wildwuchs bei den Schwimmkursen beendet – und ein Genehmigungsverfahren für Schwimmlehrer eingeführt. Prompt haben etliche Anbieter das Handtuch geworfen.

Lokales: Armin Friedl (dl)
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Stuttgart - Unser Leser Martin W. ist verärgert: Damit die Tochter gut, gerne und gründlich schwimmen lernt, haben sich seine Frau und er für einen privaten Schwimmlehrerentschieden, da dieser wohl am besten der komplexen Terminplanung der jungen Familie entsprechen kann. Doch der Schwimmlehrer informiert nun die Eltern, dass er mit Jahresbeginn keinen Unterricht mehr anbieten kann. Und nachdem die Eltern auf der Internetseite Schwimmfit Stuttgart waren, welche die Stadt installiert hat für Eltern auf der Suche nach Schwimmkursen, wissen sie nun, dass es dort mehr Lücken als Unterrichtsangebote gibt.

Hier scheint offensichtlich einiges auseinanderzulaufen, was eigentlich in gebündelter Form besser funktionieren sollte für alle Beteiligten. Seit dem 1. Juni 2019 schreibt die neue Nutzungs- und Badeordnung der städtischen Bäder vor, wer wo wann Schwimmkurse anbieten kann. Bis dahin wurde dies offensichtlich auf dem kurzen Weg mehr oder weniger unter der Hand zwischen den Leitern der einzelnen Bäder vor Ort und den Kursanbietern abgesprochen. Deshalb gibt es seit dem 1. Juni 2019 ein Genehmigungsverfahren, das für alle Anbieter in allen Bädern gilt. Da müssen Qualifikationen nun nachgewiesen werden wie Kenntnisse in Erster Hilfe. Es werden die Bäder selbst überprüft auf ihre Sicherheitsstandards hin. Es werden Nutzungsgebühren erhoben – und es gibt nun positive oder negative Bescheide mit der Folge, dass das Unterrichtsangebot jetzt offensichtlich um einiges geringer ausfällt als bisher.

Weniger Angebote als bisher

Von der städtischen Seite aus sind die Dinge so weit im Lot. „Als Stadt müssen wir ja schon wissen, wer wann wo was macht in unseren Einrichtungen“, so Jens Böhm, Sprecher der Bäderbetriebe, „und dazu zählt nun mal auch, dass für die Nutzung etwas bezahlt werden muss, sei es von Privatleuten, Schulen oder Vereinen.“ Konkret sind das 32,20 Euro pro reservierter Bahn für 45 Minuten. Der Eintritt für Lehrer wie Schüler ist darin enthalten.

Zu wenig Kapazität in der Stadt

Die Bündelung der Angebote in der Aktion Schwimmfit war auch in der Vergangenheit durchaus ein Erfolg. Darauf verweist Sören Otto, beim Sportamt zuständig für Bewegungsförderung: „2018 hatten wir etwa 200 Kursangebote, 2019 waren es etwa 300.“ 2020, befürchtet er, wird es wohl einige weniger geben. Beide, Böhm wie Otto, beschreiben das Dilemma so: Es gibt zu wenig Kapazitäten in den Bädern der Stadt, sprich: zu wenige Zeiten, in denen Platz im Wasser zur Verfügung steht für angehende Schwimmer. Denn in den Bädern sollen ja auch noch die üblichen Badegäste ihre Bahnen und Runden ziehen dürfen. Schließlich würden auch sie längere Öffnungszeiten und mehr Platz für sich im Rahmen der Neuordnung fordern. Auf der Anbieterseite sind die Dinge keineswegs im Lot. Michele Basta etwa hat fünf Jahre lang privat unterrichtet im Leo-Vetter-Bad im Osten. Mit dem Jahreswechsel hat er seine Aktivitäten eingestellt. Der Grund: „Eine Genehmigung fürs Unterrichten habe ich nicht bekommen. Und nun gibt es keine freien Zeiten mehr für Unterricht im Leo-Vetter-Bad“, sagt Basta.

Wohlfühlen im Wasser

Dabei gehört er zu jenen, die schon seit Längerem eine Genehmigung beantragt und bekommen haben. Basta: „Die habe ich seit 2015. Sie ist gültig bis in das Jahr 2020.“ ­Allerdings hat er dies eben nicht auf der vorgeschriebenen Ämterebene getan.

Vor dem 1. Juni 2019 war das ja auch noch gar nicht möglich, Basta hat die Sache also mit der Badleitung vor Ort geregelt. „Da gab es nie Probleme, auch nicht mit den Leuten, die einfach nur so zum Schwimmen da waren. Da gab es auch keine fest reservierten Bahnen.“ Es sei eben geschaut worden: „Was können die Kleinen, was wollen sie? Und was macht ihnen Spaß beim Schwimmen, beim Schwimmenlernen und beim Wohlfühlen im Wasser? Und wir haben geschaut, wo gerade Platz für uns ist, ohne anderen ins Gehege zu kommen“, so Basta. Er ergänzt: „Da waren wir mal im Nichtschwimmerbecken, mal beim Ein-Meter-Brett, mal im Schwimmerbereich, eben je nachdem.“

Basta glaubte also, in seinen Angelegenheiten sei so weit alles in Ordnung gewesen. Er fügt aber auch hinzu, dass dies wohl nicht überall der Fall war. Basta selbst hat für das Jahr 2020 zwei Terminangebote bekommen von der Stadt: zu ganz anderen Zeiten als bisher und in einem Bad in einem ganz anderen Stadtteil. Nichts, womit er seine Eleven locken konnte zum Weitermachen bei ihm.

Neue Bäder sind in Planung

Die Verwaltung wiederum verweist auf ihre Erfolge bei der Suche nach alternativen Schwimmmöglichkeiten. Da wurden in der Tat einige gefunden, etwa Lehrschwimmbecken, die in einzelnen Schulen in der Stadt untergebracht sind. Ansonsten wird auf den Neubau von Bädern gesetzt wie das geplante neue Sportbad auf dem Neckarpark-Areal oder ein neues Stadtbad für Zuffenhausen – wohingegen das Stadtbad Cannstatt wie die Traglufthalle im Inselbad etwa im Frühjahr 2022 ganz entfallen soll. Im Moment ist es bis Mai 2020 wegen Deckensanierung geschlossen, für den Betrieb über das Frühjahr 2022 hinaus müsste es grundlegend saniert werden. Die Bäderverwaltung und die Kommunalpolitik halten es jedoch für entbehrlich.




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