Drei Schwimmkurse gibt Achim Gall an diesem Tag. Den ersten gleich um 9 Uhr, den nächsten um 9.40 Uhr, nachmittags um 13.30 Uhr den dritten. Es ist immer Einzelunterricht. Jungs und Mädchen, die meisten sind zwischen fünf und sieben Jahre alt, lernen bei ihm schwimmen.
Gall weiß: „Ich fülle eine Lücke.“ Auch deswegen hat er auf eigene Kosten ein kleines Freibad in Uhingen gebaut. Und weil er Begeisterung fürs Schwimmen wecken will. Der Schwimmsportler ist noch heute, mit 69, jeden Tag im Wasser. Sieben Tage in der Woche hat er sein Schwimmsportzentrum mitten in Uhingen geöffnet. Und als Schwimmlehrer ist er immer gefragt. So drei, vier Anfragen bekommt er in der Woche, sagt er.
Seit Mai macht er das. 70 Schwimmschüler waren oder sind bisher bei ihm. „Von den 70 können sich schon 50 über Wasser halten“, berichtet er. Und jetzt, in den Ferien, gehen die Zahlen nach oben. Gall könnte eigentlich den ganzen Tag Schwimmunterricht geben. Er setzt sich eine Grenze. „Fünf Mal reicht mir. Manchmal mache ich auch sechs.“ Es sind immer 30 Minuten, und dies intensiv. Den Badebetrieb gibt’s daneben ja auch. So hat er die Schwimmkurse auf den Zeitkorridor 10 bis 14 Uhr gelegt, und morgens darf’s auch mal früher losgehen. Wenn da schon der eine oder andere Badegast da ist – sie kommen sich nicht in die Quere.
Wie gut, dass es Achim Gall gibt. Und all die anderen, die Schwimmkurse gaben und geben. Denn der Bedarf, der bei dem Uhinger sichtbar wird, ist ein allgemeines Problem. Schon seit Jahren schlägt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Alarm. „Die Zahl der Grundschulkinder in Deutschland, die nicht schwimmen können, hat sich verdoppelt.“ Das gab die DLRG auf Basis einer Forsa-Umfrage vor drei Jahren bekannt. In Zahlen hieß das: Im Jahr 2017 konnten zehn Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren nicht schwimmen. So gaben es die Eltern an. Im Jahr 2022 waren es 20 Prozent.
Das hatte wohl mit Corona zu tun. Da gab’s keine Schwimmkurse. Aber dahinter steht ein strukturelles Problem. Es gibt einfach zu wenig Schwimmkurse. Und zu wenig Schwimmbäder. Für Göppingen sagt Soja Paunowa, Unternehmenskommunikatorin der Stadtwerke: „Uns ist bekannt, dass viele Kinder und Eltern aktuell auf der Suche nach Schwimmkursplätzen sind.“ Aber da sei auch Bewegung drin, teilt die Sprecherin mit.
Stadt will Angebote schaffen
Als neues Angebot werde ab Herbst eine externe Schwimmschule in den Barbarossa-Thermen Kurse geben. Später sollen auch im Schulbad Göppingen, dem Bad am Hohenstaufen-Gymnasium, Schwimmkurse angeboten werden. Das Bad soll nach der Renovierung wieder in Betrieb gehen. Die Stadt wolle sicherstellen, dass möglichst viele Kinder die Gelegenheit bekommen, schwimmen zu lernen. Dies zusätzlich zu den Schwimmkursen, die von Vereinen und Institutionen wie dem Haus der Familie und der Volkshochschule angeboten werden.
Gruibingen hat seine DLRG-Ortsgruppe. Die gibt im gemeindeeigenen Schwimmbad in der Schule Schwimmkurse. Auch Marius Schweikert, der Vorsitzende der Ortsgruppe und Sohn von Bürgermeister Roland Schweikert, hat so als Kind schwimmen gelernt. Er weiß: Auch früher gab es schon Andrang auf die Schwimmkurse. Aber neu ist: Voriges Jahr hat die DLRG ihre Kurse aufgestockt und dafür zeitlich gekürzt. Mittwochs sind es jetzt vier Kurse, montags auch.
Auch in Gruibingen gibt es Kurse
Nicht nur Gruibinger Kinder lernen hier schwimmen: Das Gruibinger Bad ist ein Schwerpunkt im oben Filstal, hier wird auch Ausbildung angeboten. Die gibt es im Degginger Hallenbad auch, von der DLRG Wiesensteig. Aber es ist schon so: „Wir haben bei Anfängerkursen recht viel Andrang“, sagt Marius Schweikert, „auch viele, die man vertrösten muss.“ Das mache es einem schwer, weil man sie ja nicht wegschicken möchte. Man versuche, sie früher oder später aufzunehmen.
Auch der Förderverein für das Waldhöhenfreibad in Ebersbach gibt Schwimmkurse – für Vereinsmitglieder. Aber das sind viele im ganzen Umkreis von Ebersbach, bis nach Albershausen, Hochdorf und Schorndorf strahlt die Attraktivität des Ebersbacher Bades aus. „Wir haben jetzt 950 Mitglieder“, sagt der Vorsitzende Frank Weigele stolz. In diesem Jahr waren genau 50 Kinder angemeldet, das war das vorgegebene Limit. Aber: „Wir hätten auch 55 aufgenommen“, sagt Weigele. Kraulschwimmkurse gibt der Verein übrigens auch. Und für nächstes Jahr gibt’s die Überlegung, einen Grundkurs für ältere Erwachsene anzubieten.
Ringen um Zuschüsse
Appell versandet
Um Zuschüsse für das Voralbbad in Heiningen hatte sich schon der verstorbene Heininger Bürgermeister Norbert Aufrecht stark gemacht. „Wenn Baden-Württemberg will, dass Kinder in Zukunft noch schwimmen, muss uns das Land finanziell unterstützen“, lautete sein Argument. Er hatte an das Land appelliert und Politiker um Unterstützung gebeten. Die Initiative im Jahr 2021 versandete allerdings.
Unterstützung
Heute gibt es eine bundesweite Allianz aus 15 Verbänden, die mehr Geld für öffentliche Schwimmbäder fordert. Der Bund solle eine Milliarde Euro pro Jahr zuschießen, um die drohende Schließung von Bädern zu verhindern, so der Aufruf. Baden-Württemberg hat mittlerweile 60 Millionen Euro bereitgestellt.