Schwimmmeister verzweifelt gesucht Betrieb im Leobad in Gefahr?

Eine Aufsichtsperson reicht nicht aus: Ausgebildete Schwimmmeister im Leobad und im Hallenbad müssen im Zweifelsfall Leben retten. Foto: Simon Granville

Die SPD Leonberg schlägt Alarm: Wegen Personalmangels könnte es in der kommenden Saison zu Einschränkungen kommen. Die Stadt verspricht Abhilfe.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Auch wenn es momentan nicht so aussieht: Der nächste Sommer kommt bestimmt. Und damit auch das Bedürfnis, an heißen Tagen kühles Nass zu genießen. Doch in Leonberg könnte das Badevergnügen im kommenden Jahr zu einer äußerst eingeschränkten Angelegenheit werden. Das befürchtet zumindest Ottmar Pfitzenmaier und begründet seine düstere Prognose mit einem akuten Personalmangel im städtischen Bäderbetrieb.

 

„Bereits jetzt schließt das Hallenbad mehrfach schon am frühen Nachmittag“, sagt der Chef der SPD-Fraktion im Leonberger Gemeinderat. Doch damit nicht genug: „Richtig sichtbar werden die Auswirkungen des städtischen Nichthandelns spätestens im Sommer werden, wenn das für 15 Millionen Euro sanierte Leobad – eines unserer größten Attraktionen – dann bei 30 Grad im Schatten wegen des sich jetzt bereits abzeichnenden Personalmangel stunden- oder tageweise geschlossen bleibt.“

Parallelaufgüsse in der Sauna

Zum Leonberger Bäderbetrieb gehören das Leobad mit seinen großzügigen Liegewiesen, das Hallenbad und eine Sauna mit Außenbecken. Dort herrscht derzeit Hochbetrieb. An Sonntagen ist der Andrang so groß, dass das Personal zuletzt Parallelaufgüsse in unterschiedlichen Saunen machen musste, um alle Schwitzfans zu bedienen.

Doch während in der Sauna keine ausgebildeten Schwimmmeister nötig sind, sieht das in den klassischen Bädern anders aus. Hier sind Rettungsschwimmergefragt, die im Ernstfall tatsächlich Leben retten müssen. Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt die Stadtverwaltung, dass drei Rettungsschwimmer und eine Fachkraft für Bäderbetriebe „in den kommenden Monaten“ gehen werden – „um ihre berufliche Zukunft neu auszurichten oder aus privaten Gründen.“

Eine vom SPD-Fraktionschef befürchtete Untätigkeit liege aber nicht vor: „Um den Fachkräftebedarf in diesem Bereich langfristig zu sichern, setzt die Stadt bereits seit geraumer Zeit verstärkt auf die Weiterbildung ihrer Beschäftigten“, erklärt ein Sprecher. „Die Stadt unternimmt zahlreiche Schritte, um Personal zu gewinnen und zu binden: Neben einer gezielten Werbekampagne zur Sommersaison 2025 und Arbeitsmarktzulagen werden Quereinsteiger zu Rettungsschwimmern qualifiziert und Anstellungen für internationale Bewerbende geprüft.“

Ob das reicht? Pfitzenmaier schlägt vor, auf Schwimmlehrer an Schulen und in Vereinen, etwa den Wasserfreunden, aktiv zuzugehen: „Das Angebot, ihnen die Rettungsfähigkeit beizubringen, ist für viele Schwimmlehrer attraktiv.“ Eine interessante Zielgruppe sind in den Augen des Sozialdemokraten auch die Studenten an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg. Auf jeden Fall reiche es nicht, „einfach nur eine Stellenanzeige auf die städtische Homepage zu stellen.“

In der Wintersaison wird das Leobad wieder fit gemacht. Foto: Simon Granville

Vom Rathaus bestätigt wird die von Ottmar Pfitzenmaier angesprochene frühzeitige Schließung des Hallenbads: Allerdings war es „aufgrund eines zwischenzeitlich hohen Krankenstands lediglich an vier Tagen erforderlich, den öffentlichen Badebetrieb ab 15 Uhr einzustellen“, betont der Sprecher. „Der Schul- und Vereinssport sowie der Saunabetrieb waren nicht betroffen. Seit der Eröffnung des Hallenbades 2024 sind insgesamt lediglich 21 Stunden des regulären Betriebs entfallen.“

Ein weiterer Kritikpunkt des SPD-Stadtrats ist, dass die Beschäftigen über die Konsequenzen eines anstehenden Tarifwechsels nur mangelhaft informiert worden seien: „Monatelang angemeldeter Gesprächsbedarf hierzu mit dem zuständigen Amt wurde einfach ignoriert.“ Dazu erklärt die Stadt, dass es am Montag eine interne Versammlung gegeben habe, „bei der die Kolleginnen und Kollegen des Bäderbetriebs ihre Anliegen einbringen konnten.“ Zum neuen Tarif, „der eine höhere Vergütung bietet“, sei in der kommenden Woche ein Informationstermin vorgesehen.

Warnendes Beispiel aus Friedrichshafen

Ottmar Pfitzenmaier hofft, dass mit „kreativen Wegen“ die Personalmisere in den Bäderbetrieben behoben werden könne. Um sich die Konsequenzen besser zu veranschaulichen, empfiehlt der SPD-Fraktionschef einen Blick nach Friedrichshafen. Die Stadt am Bodensee hat für 41 Millionen Euro ein modernes Sportbad mit Sauna gebaut. Das aber musste im Sommer geschlossen werden, da mehrere Mitarbeiter gekündigt und noch mehr sich krankgemeldet hatten. Der öffentliche Aufschrei war unüberhörbar. „Das sollten wir uns in Leonberg ersparen“, meint Ottmar Pfitzenmaier.

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