Die Bilanz des Schwörmontags in Ulm hat bedrückende Facetten. Menschen wurden gegen Absperrgitter gedrückt. Das Sicherheitskonzept steht auf dem Prüfstand. Die Ulmer Stadtverwaltung hat jetzt Analysen angekündigt.

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)

Ulm - Die Aufräumarbeiten nach dem Ulmer Schwörmontag waren noch überall im Gang, da verbreiteten die Stadt Ulm und die Polizeidirektion eine gemeinsame Erklärung mit der Überschrift: „Sicherheitskonzept ging auf“. Insgesamt, stand in der Mitteilung vom Dienstag zu lesen, seien weit weniger Straftaten und Ordnungsstörungen gemeldet worden als 2012. „Die Regelung der Stadt Ulm, nach 23 Uhr keinen Ausschank im Freien mehr zuzulassen, zeigte gute Wirkung“, hieß es. Insgesamt sei die Stimmung „auch am Münsterplatz friedlich und von Feierlaune geprägt“ gewesen.

 

Ganz so friedlich wie geschildert lief der Schwörmontag jedoch keineswegs ab. Auf dem Münsterplatz ließ am Abend ein Discjockey während der dort üblich gewordenen Großparty die Bässe wummern, geschätzte 10 000 überwiegend jugendliche Besucher waren herbeigeströmt. Ein privater Sicherheitsdienst hatte eine Zugangsschleuse zu dem mit sogenannten Wellenbrechern umzäunten Platz aufgebaut. Gegen 21 Uhr, als der volle Platz abgeriegelt wurde, kam zu einem gefährlichen Gedränge an den Gittern.

Fünf Verletzte an den Wellenbrechern

„Außen und innen wurden fünf Leute gegen die Wellenbrecher gedrückt“, schildert der Rettungsassistent Andreas Durner, der am Montag als Einsatzleiter für den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) arbeitete. Die Opfer erlitten teilweise gefährliche Quetschungen und Prellungen, mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Starke Polizeikräfte rückten an, weil der Sicherheitsdienst die Kontrolle zu verlieren begann. Laut der Ulmer Polizei seien Beamte massiv beleidigt und teilweise sogar angegriffen worden. 13 Straftaten, darunter acht Körperverletzungen, listet die Polizei auf.

Zur Bilanz des ASB gehört die Bergung und Behandlung von 85 Patienten innerhalb der gesamten Ulmer City. 51 von ihnen sind im Bereich des Münsterplatzes zu Schaden gekommen. 15 Menschen mussten mit teilweise schweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht werden. Mehrere Jugendliche hatten Alkoholvergiftungen, waren teilweise bewusstlos. Die heiße Witterung habe die Situation verschärft, sagt der Rettungsassistent Durner. „Dadurch wirkt der Alkohol noch stärker.“

Die Stadtverwaltung kündigt eine Analyse an

Die Ulmer Stadtverwaltung hat eine Analyse der Vorgänge angekündigt. Dabei wird es auch um Verantwortlichkeiten gehen. Das Konzert auf dem Münsterplatz am Schwörmontag ist, mit Billigung der Ordnungsbehörde, von einem privaten Veranstalter organisiert worden. Dieser ließ schon einmal wissen, Probleme an Absperrungen gebe es bei jedem Festival; es sei niemand wirklich zu Schaden gekommen.