Schwulenbar in Stuttgart Tom’s Bar droht schon das Aus

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Die Gastronomin und Wirtin Laura Halding-Hoppenheit fürchtet um die Existenz ihres neuen Lokals an der Stuttgarter Pfarrstraße. Die Stadt beharrt auf Parkplätzen, sodass die Kneipe kein Platz für Außenbestuhlung bleibt.

Einige Monate ist es her, da feierte das neue Lokal an der Pfarrstraße in Anwesenheit von Politikern seine Eröffnung. Wie lange es die Bar für Homosexuelle geben wird, ist aber ungewiss. Foto: Andreas Engelhardt
Einige Monate ist es her, da feierte das neue Lokal an der Pfarrstraße in Anwesenheit von Politikern seine Eröffnung. Wie lange es die Bar für Homosexuelle geben wird, ist aber ungewiss. Foto: Andreas Engelhardt

Stuttgart - Sie wolle doch nur etwas Schönes für die Stadt machen, sagt Laura Halding-Hoppenheit, Wirtin und Stadträtin der Fraktion SÖS/Linke-plus. Aber die Stadt, oder vielmehr deren Verwaltung, würde nicht mitspielen, beklagt Halding-Hoppenheit. Die Gastronomin wird oft als Stuttgarter Clublegende bezeichnet. Sie eröffnete 1977 die Diskothek „Kings Club“ an der Gymnasiumstraße. Ein Nachtklub für Schwule und Lesben, in dem auch Prominente wie der Modedesigner Harald Glööckler oder der Schauspieler Helmut Berger feierten. Seit April diesen Jahres gibt es an der Pfarrstraße Halding-Hoppenheits neues Lokal mit dem Namen „Tom’s Bar“.

Hier soll ein besonderer Teil „ihrer Familie“, wie Halding-Hoppenheit die schwule Community nennt, sich zuhause fühlen: „Es soll ein Ort sein für ältere Schwule, die nicht mehr in eine Diskothek möchten“, sagt die Wirtin. Diese Männer wollten reden, reden, reden, meint Halding-Hoppenheit. Doch ob sie im kommenden Jahr dafür noch an der Pfarrstraße einen Ort haben, ist unsicher. „Ich wollte schon jetzt alles hinschmeißen“, sagt die Wirtin.

Vergebliche Anfragen bei der Stadt

Vier Parkplätze vor dem Lokal seien das Problem, erklärt die Gastronomin. Diese müssten weg, damit Halding-Hoppenheit an der Stelle Tische und Stühle vor dem Lokal aufstellen kann. So könnten mehr Gäste „Tom’s Bar“ besuchen und den Betrieb des Lokals rentabel machen. Sie versuche seit Frühjahr, mit der Stadt darüber zu sprechen – vergeblich. „Niemand will eine Lösung mit mir finden“, sagt Laura Halding-Hoppenheit. Diese könnte etwa darin bestehen, erst einmal nur zwei Parkplätze für ihre Bestuhlung zu opfern, schlägt Halding-Hoppenheit vor.

Die Gastronomin schildert, dass sie das Lokal für die Älteren aus der Homosexuellen-Community derzeit bezuschussen muss mit Einnahmen aus dem Betrieb des Kings Club. „Mir geht es nicht um Profit. Aber das Lokal sollte sich finanziell zumindest selbst tragen“, sagt sie. Alle anderen Lokale an der Pfarrstraße hätten auch eine Außengastronomie, sagt sie. „Nur uns wird es nicht genehmigt. Das ist nicht gerecht“, sagt die Wirtin.

Eine Mehrheit der Bezirksbeiräte des Bezirks Mitte stellte sich bei der Sitzung Mitte Juli hinter die Gastronomin. Der SPD-Bezirksbeirat Heinrich Huth unterstreicht auf Nachfrage die Bedeutung einer Außengastronomie für die Rentabilität eines Lokals. „Ohne Stühle und Tische draußen geht es heute kaum noch“, sagt Huth. Er arbeitet selbst in der Gastronomie. Für ihn gebe es auch noch ein anderes Motiv für seine Unterstützung als kollegiales Verständnis für die Lage Halding-Hoppenheits. „Ich bin immer dabei, wenn es darum geht, Platz für Menschen, statt für Autos zu schaffen“, sagt der SPD-Bezirksbeirat.

Stadt gewährt kein Sondernutzungsrecht

Die Verwaltung sieht derweil keine Möglichkeit, dem Wunsch Halding-Hoppenheits zu entsprechen. „Die Parkplätze vor den Gebäuden Pfarrstraße 11 und 13 stehen im Eigentum der Stadt, sind aber nicht für die öffentliche Nutzung gewidmet. Sie werden wie Privatparkplätze geführt und sind langfristig an Anlieger vermietet“, teilt eine Sprecherin der Stadt mit. Deshalb könne der Gastronomin kein Sondernutzungsrecht auf den Parkplätzen eingeräumt werden, erklärt sie weiter.

Halding-Hoppenheit appelliert an die Stadt, das Signal zu bedenken, das sie setzt. „Für Schwule ist es wichtig, dass sie in der Öffentlichkeit präsent sind und sich nicht in Hinterräumen treffen müssen“, sagt sie. Die Zeiten, wo Kneipen für Homosexuelle auf Außenbestuhlung verzichteten, damit die Gäste anonym bleiben konnten, hätten gerade ältere Homosexuelle noch gut in Erinnerung, meint Haldig-Hoppenheit.

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