Science Fiction mit Bodenhaftung: „Der Marsianer“ Der findige Kot-Kolonist

Mark Watney (Matt Damon) kann auf Hilfe von der Erde nicht hoffen. Foto: 20th Century Fox
Mark Watney (Matt Damon) kann auf Hilfe von der Erde nicht hoffen. Foto: 20th Century Fox

So packend hat „Alien“-Regisseur Ridley Scott schon lange nicht mehr erzählt: in „Der Marsianer“ muss ein gestrandeter Astronaut ums Überleben kämpfen. Fantasiephysik gilt hier nicht. Der von Matt Damon gespielte Pechvogel muss nachvollziehbare Problemlösungen finden.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
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Stuttgart - Blühende Landschaften zu schaffen, daran ist schon mancher gescheitert. Aber große Projekte erfordern es eben manchmal, dass man entschlossen in die Hand nimmt, was man sonst nicht antippen würde. Und Mark Watney, Botaniker, Nasa-Astronaut und Teilnehmer einer Mars-Expedition, ist bereit für diese Herausforderung. Er schraubt die Toilette der Gruppenunterkunft auf, kramt die abgepackten Kotbeutel hervor, schlitzt sie auf und rührt sich aus dem Inhalt Dünger an.

Diese Sequenz aus Ridley Scotts Film „Der Marsianer“ wird gewiss in die Kinogeschichte eingehen, mit ganz unterschiedlichen Interpretationen. Die einen werden sagen, hier bekenne sich Hollywood endlich zu seinem Glauben, aus Kot ließe sich Gold machen, die anderen werden loben, so frei von Pathos sei menschlicher Erfindungsreichtum und Durchhaltewillen selten gefeiert worden.

Versehentlich zum Pionier

Der von Matt Damon gespielte Watney ist irrtümlich allein auf dem Mars zurückgelassen worden. Seine Kameraden hielten ihn für ein Opfer jenes Sandsturms, der die Evakuierung der Station nötig machte und den Notstart der Rakete zurück zur Erde. Die nächste reguläre Erkundungstruppe wird erst Jahre später eintreffen, die Funkeinrichtung der Station ist zerstört, und Watney hat nun von allem zu wenig: zu wenig Sauerstoff, zu wenig Wasser, zu wenig Nahrung. Er müsste kein besonders defätistisches Gemüt haben, um zu beschließen, sofort den Helm zu öffnen.

Watney aber nimmt die Robinson-Crusoe-Herausforderung an: alleine in einer fremden Umgebung zu überleben, mit einem lückenhaften Kleinbestand an Werkzeugen, als ginge es nun darum, den Aufstieg des Menschen zur Krone der Schöpfung am Einzelbeispiel nachzuvollziehen und zu rechtfertigen.

Ein Mars ohne Klischee-Aliens

Man nimmt wohl niemandem die Spannung, wenn man verrät, dass keine Aliens auftauchen werden, Watney auch keine Duplikate seiner selbst aus einem hochgeheimen Androiden-Programm, analog zum Plot von Duncan Jones’ „Moon“ aus dem Jahr 2009, entdecken wird. Er muss sich wirklich alleine und auf Grundlage der uns bekannten Naturgesetze und -verhältnisse durchschlagen.

„The Martian“ basiert auf einem Roman des Amerikaners Andy Weir, eines Software-Entwicklers, der jene Science-Fiction liebt, die mit dem Ernst einer Ingenieurfacharbeit künftige Lösungen für künftige Probleme ertüftelt. Vor solcher SF haben Filmemacher lange Reißaus genommen, aber der Erfolg von „Gravity“ hat gleich zweierlei gezeigt: man kann das Publikum für ein realistisches Bild der Raumfahrt begeistern, und ein Mensch alleine in Not kann die Aufmerksamkeit fesseln.




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