Sean Connery wird 90 Der Mann, der als erster James Bond war

Von Bernd Haasis 

Sean Connery hat die Figur des Geheimagenten James Bond geprägt und dazu beigetragen, dass die Filmreihe zum Kinomythos wurde. Nun wird er 90 und blickt auf eine bewegte Karriere zurück – weil er loslassen konnte.

Symbolträchtige Szene: Der Schurke Goldfinger (Gert Fröbe) will den auf einen Tisch geschnallten  James Bond (Sean Connery) mit einem Laser erledigen, der ihn zuerst im  Schritt trifft. Foto: imago images / United Archives 28 Bilder
Symbolträchtige Szene: Der Schurke Goldfinger (Gert Fröbe) will den auf einen Tisch geschnallten James Bond (Sean Connery) mit einem Laser erledigen, der ihn zuerst im Schritt trifft. Foto: imago images / United Archives

Stuttgart - Der erste zu sein, hat Vorteile: In „Dr. No“ (1962) stellt der Schotte Sean Connery sich als „Bond, James Bond“ vor, er sitzt am Spieltisch, erobert schöne Frauen, bekommt Wodka-Martini „geschüttelt, nicht gerührt“, reist an exotische Orte (Jamaika) und spielt locker mit Wunderwaffen herum, immer einen lässigen Spruch auf den Lippen. Connery ist das Original, „Dr. No“ die Blaupause.

Männer wären gern wie er, Frauen gern mit ihm zusammen: Spielerisch machte Sean Connery aus dem harten Geheimagenten James Bond, den der Romanautor Ian Fleming 1953 in die Welt gesetzt hatte, einen Mann mit Charakter und Stil. Filme wie „Dr. No“, „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) und „Goldfinger“ (1964) sind nicht nur als Action-Unterhaltung, sondern eine Projektionsfläche für Sehnsüchte und Träume. Von diesem Agenten können selbst Franzosen Savoir-vivre lernen, wenn er im silbernen Aston Martin die Côte d’Azur entlangrast.

Connerys Bond war ein Macho

Connerys sympathische Ausstrahlung relativierte lange, dass der frühe Bond ein übergriffiger Macho war: In „Goldfinger“ macht sich gewaltsam über eine Frau her, in „Feuerball“ (1965) zwingt er einer einen Kuss auf, in „Diamantenfieber“ (1971) würgt er eine mit dem Bikinioberteil, das er ihr heruntergerissen hat. Im Zuge der Metoo-Debatte kam all das auf den Tisch und fast schien es so, als hätte dieser Bond verdient, was Gert Fröbe als Goldfinger für ihn plante: Er schnallte ihn auf einen Tisch und ließ einen Laserstrahl ganz langsam auf seinen Schritt zulaufen.

So angekratzt Bonds Image ist, so intakt ist Connerys. Er wurde im Jahr 2000 vom „People Magazine“ zum erotischsten Mann des 20. Jahrhunderts gewählt, hat aber nie mit einer Affäre Schlagzeilen gemacht – er ist seit 1975 mit der französischen Kunstmalerin Micheline Roquebrune verheiratet. In Gus Van Sants „Finding Forrester“ (2000) spielte Connery, angelehnt an den zurückgezogenen J. D. Salinger, einen kauzigen Schriftsteller, der einem schwarzen Jungen Nachhilfe beim Schreiben gibt. Er stellte den Film bei der Berlinale vor und antwortete auf die Frage, welchen Ratschlag er dem Rest der Männer geben könne: „Ich fürchte, den muss ich mit ins Grab nehmen.“

Er pflegt gerne eine ironische Distanz

Connerys Filmfiguren, überwiegend starke Charaktere, umgibt eine Aura der Unbeugsamkeit. Sie sind Dickköpfe, die sich nicht von anderen sagen lassen, was und wie sie es zu tun haben. Und einige pflegen – wie Bond – eine ironische Distanz zum eigenen Tun. Der Regisseur Sidney Lumet, der den Schauspieler für Filme wie „Ein Haufen toller Hunde“ (1965) und „Familiensache“ (1989) engagierte, sagte über Connery: „Die Leute haben einfach nicht kapiert, dass die Bond-Rolle eine vollendete komödiantische Schauspielleistung war.“

Connery hatte 1971 genug von dem Agenten, spielte ihn im inoffiziellen Bond-Film „Sag niemals nie“ (1983) dann aber erneut: nicht mehr als unbezwingbaren Helden und Herzensbrecher, sondern als alternden Kerl mit Bauchansatz, mangelnder Kondition und echten Gefühlen. In Steven Spielbergs „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989), eine Selbstpersiflage auf die Abenteuerreihe, sorgte Connery als schelmischer Vater des Protagonisten für viele vergnügliche Momente.

britischer Humor

Jean-Jacques Annauds Inszenierung von Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ (1986) lebt von Connerys Interpretation des britischen Franziskanermönchs William von Baskerville, der seinen Zeitgenossen Rätsel aufgibt. Der österreichische Novize Adson etwa fragt sich, wieso sein Meister oft das Gegenteil von dem sagt, was er zu meinen scheint, und dann schmunzelt – Connery, mit wissendem Grinsen und hochgezogener Augenbraue, wirkt in diesen Szenen wie die idealtypische Verkörperung des viel gepriesenen britischen Humors.

Was menschliche Hybris bedeutet, führte Connery in John Hustons Rudyard Kipling-Verfilmung „Der Mann, der König sein wollte“ (1975) vor: Danny und Peachy, zwei ehemalige britische Soldaten (Connery und Michael Caine) gehen im 19. Jahrhundert von Indien nach Afghanistan, scharen Truppen um sich und erobern Bergdorf um Bergdorf. Weil ein Pfeil Danny nicht tötet – er bleibt im Patronengurt stecken – halten die Bergbewohner ihn für einen Gott, was schleichend seine Persönlichkeit verändert.

Viele britische Mythen

Als Mitglied einer Polizei-Spezialeinheit in Brian De Palmas „Die Unbestechlichen“ (1987) sticht Connery neben Robert De Niro (als Al Capone) und Kevin Costner (als Leiter der Spezialeinheit) heraus. Dafür bekam er einen Oscar und einen Golden Globe.

Gerne näherte Connery sich britischen Mythen. In „Robin und Marian“ (1976) spielt er einen ausgezehrten Robin Hood, der loyal für den zum Tyrannen mutierten König Richard (Richard Harris) kämpft, statt ins Private abzutauchen mit Marian (Audrey Hepburn), die ins Kloster gegangen ist. Sein kurzer Auftritt als Richard Löwenherz in Kevin Reynolds‘ „Robin Hood“ (1991) mit Kevin Costner vergoldet das Ende des eher leichten Films, und in „Der 1. Ritter“ (1995) mit Richard Gere als Lancelot gibt Connery einen verwundbaren König Artus, der um seinen Thron und seine Frau kämpfen muss.

Die Rolle des Zauberers Gandalf hat er abgelehnt

Die Rolle des Zauberers Gandalf in der „Herr der Ringe“-Trilogie lehnte er ab, nicht nur, weil ihm ein 18-monatiger Dreh in Neuseeland zu lang erschien: „Ich hatte Tolkien nie gelesen und habe das Drehbuch nicht verstanden. Bobbits? Hobbits?“

Einmal griff Connery wirklich daneben: Die Comic-Verfilmung „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003) geriet zum billigen Thriller-Abklatsch und zeigt den damals 73-jährigen strauchelnd. Connery zog die Konsequenz: Er trat als Schauspieler zurück. Seinem Vermächtnis hat das nicht geschadet. Er wird für immer der Mann bleiben, der als erster James Bond war.

Sean Connery: Vom Model zum Filmstar

Leben: Geboren am 25. August 1930 in einem Armenviertel von Edinburgh, dient Connery drei Jahre bei der Royal Navy. Dann schlägt er sich als Druckergehilfe und Sargpolierer durch, steht für Kunststudenten Modell und führt Bademoden vor, ehe er bei der Wahl zum Mr. Universum 1953 Platz drei belegt.

Bond:
„Wir beobachteten ihn vom Fenster aus, als er über die Straße ging, und wir alle sagten: Das ist er!“, sagte der Produzent Harry Saltzmann. Connery hatte den wiegenden, maskulinen Gang bei einem Bewegungslehrer trainiert.

Patriot:
„Scotland Forever“ ist auf Connerys Arm ­tätowiert. Die Eröffnung des ersten schottischen Parlaments seit fast 300 Jahren am 1. Juli 1999 bezeichnete er als „wichtiger als den Gewinn eines Oscars“. Als die Queen ihn im Juli 2000 in Edinburgh zum Ritter schlug, erschien Connery im Schottenrock.

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