Sean Rainbird „Es ist Zeit für mich, weiterzuziehen“

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Sean Rainbird geht nach Dublin. In Stuttgart hat er als Direktror die Staatsgalerie wieder auf Kurs gebracht - aber manchem zu wenig Glanz.

Sean Rainbird in der Staatsgalerie mit der Skulptur „The Dead Egyptians“ von Richard Serra. Foto: ddp
Sean Rainbird in der Staatsgalerie mit der Skulptur „The Dead Egyptians“ von Richard Serra. Foto: ddp

Stuttgart - Die Stuttgarter Staatsgalerie braucht einen neuen Direktor. Am Mittwoch gab der Kunststaatssekretär im baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Jürgen Walter bekannt, dass Sean Rainbird , der das Museum seit dem 1. November 2006 leitet, im kommenden Jahr den Chefposten der irischen Nationalgalerie in Dublin übernehmen wird. Sean Rainbird, im Gegensatz zu seinen Vorgängern kein Beamter in Lebensstellung mehr, sondern mit einer Art Intendantenvertrag für sechs Jahre verpflichtet, hat um vorzeitige Auflösung seines Vertrages gebeten. Er wird, so steht zu vermuten, Stuttgart etwa ein halbes Jahr vor Vertragsablauf (31. Oktober 2012) verlassen.

An seinem Arbeitgeber liegt es nicht. Das Land hätte den Briten gern behalten. „Wir hatten Sean Rainbird eine Vertragsverlängerung um weitere fünf Jahre an­geboten“, erklärte der Kunststaatssekretär am Mittwoch in einer Pressemitteilung. So blieb Jürgen Walter nur, dem scheidenden Museumschef „schon jetzt für seine außer­ordentlich engagierte und kompetente Arbeit an der Spitze der Staatsgalerie“ zu danken. Über den konkreten Zeitpunkt von Rainbirds Weggang sei man aber noch im Gespräch.

Eine „Herzensangelegenheit“

Sean Rainbird selbst möchte, wie er am Mittwoch gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagte, die Ausstellung „Turner, Monet, Twombly“ – sicher ein Höhepunkt des kommenden Ausstellungsjahres in Stuttgart – noch persönlich eröffnen. Das sei ihm eine „Herzensangelegenheit“. Start der Schau ist am 10. Februar. Die Suche nach Rainbirds Nachfolger steht also unter erheblichem Zeitdruck. Übertragen wird sie einer Findungskommission unter Leitung des Staatssekretärs Jürgen Walter.

Was hat Dublin, was Stuttgart nicht hat? Das wird sich am Neckar nun mancher Kunstfreund fragen. Eine Antwort könnte lauten: Dublin hat Caravaggio, Vermeer und Velazquez – eine hoch­karätige Sammlung, mit anderen Worten, die historischer orientiert ist und bei den alten Meistern mehr glanzvolle Namen aufzuweisen hat als die Staatsgalerie mit ihrem Moderne-Schwerpunkt. Das weitläufige Haus wird gerade saniert und modernisiert, und Sean Rainbird bezeichnet es als „große Ehre“ als Leiter einer Nationalgalerie berufen worden zu sein. Dennoch sei es „keine einfache Entscheidung“ gewesen, Stuttgart nach knapp sechs Jahren den Rücken zu kehren. Vor allem wegen seiner engagierten Kollegen hier gehe er mit „einem weinenden Auge“. Er habe aber das Gefühl, es sei der richtige Zeitpunkt für ihn, „weiterzuziehen“.

Spezialgebiet: deutsche Kunst

Auf den Chefsessel der Staatsgalerie kam Rainbird aus London, wo er fast zwanzig Jahre lang Kurator an der Tate Gallery gewesen war, Spezialgebiet: deutsche Kunst. Dem englischen Publikum hat er die Augen für Beuys, Beckmann und Kandinsky geöffnet, dem deutschen brachte und bringt er in seiner Stuttgarter Zeit britische Künstler wie John Constable, Edward Burne-Jones , William Turner und daneben – in der aktuellen Sonderausstellung des Museums – den schottischen Architekten der Neuen Staatsgalerie, James Stirling, näher. Unter seiner Ägide hat eine gewisse Anglisierung des Programms stattgefunden, das zuvor eher französisch und amerikanisch akzentuiert war. Zugleich ist ihm die Präsentation der Sammlungsbestände immer ein Haupt­anliegen gewesen.