Sechs Bühnen in Aspach Rietenauer Kulturhüpfen

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Beim ersten Kulturfeuer in der Nacht zum Sonntag pilgern rund 200 Gäste in Aspach-Rietenau von Bühne zu Bühne. Geboten werden Rock-Live-Lyrics und Wiegenlieder, eine szenische Lesung und manches mehr.

Die Band Nodding Heads und Rebecca Hart rocken in einer Scheune und sorgen für Begeisterung beim Publikum. Foto: Edgar Layher
Die Band Nodding Heads und Rebecca Hart rocken in einer Scheune und sorgen für Begeisterung beim Publikum. Foto: Edgar Layher

Aspach - Was für ein Auflauf in diesem kleinen Flecken. Der Aspacher Teilort Rietenau, der gerade mal rund 1100 Einwohner zählt, wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag zur Pilgerstätte von kulturell interessierten Besuchern aus nah und fern. Kurz vor 20 Uhr, es ist längst stockfinster. Vor den sechs Veranstaltungsorten brennen Kerzen, Fackeln und Lichter. Der örtliche Heimat- und Kulturverein hat alles getan, damit jeder bei der erstmals ausgerichteten Reihe Kulturfeuer blitzschnell die sechs Bühnen findet.

Auch die alte Scheune am Ortsrand, in der an diesem tollen Tag Rebecca Hart und die Nodding Heads auftreten, ist gut beleuchtet – und sie ist rappelvoll. Geschätzt 60 Männer und Frauen sind da. Der freundliche Herr hinter dem Tresen schenkt Rotwein aus und sagt augenzwinkernd, dass er auf die „Schwabenintelligenz“ setze. Er hoffe, dass sich die rund 200 Besucher – mehr Tickets wurden nicht verkauft – schon irgendwie arrangieren werden und nicht alle zugleich ein- und dieselbe Veranstaltung besuchen wollen. Er wird Recht behalten. Die Menschen pilgern von Bühne zu Bühne, immer zur vollen Stunde startet das Programm der sechs Interpreten von Neuem. Geboten werden Rock-Live-Lyrics, Wiegenlieder, eine szenische Lesung, mahnende Worte in der Kirche und manches mehr.

Rebecca Hart – was für eine Stimme!

Um Punkt 20 Uhr legen Rebecca Hart – was für eine Stimme! – und die Nodding Heads in der Scheune so richtig los mit ihren Live-Lyrics. Die Frau mit der wilden Mähne zitiert zunächst jeweils die Übersetzung des Songs, der wenig später dann gespielt wird. Zum Beispiel „Dear Mr. President“ von Pink, der Song von 2006 ist eine Anklage an den damaligen Präsidenten der USA, George W. Bush. Er kümmere sich nicht um die vielen Obdachlosen im Land und um die Mütter, die ihre Kinder im Irakkrieg verloren haben. Nach genau 30 Minuten ist erst mal Schluss. Applaus für Nodding Heads und Rebecca Hart. Jetzt haben alle Besucher genau 30 Minuten lang Zeit, um noch ein bisschen zu plaudern und dann um 21 Uhr die nächste Aufführung zu sehen und zu hören.

Die Kirchenglocke schlägt. Das Gotteshaus ist gut besucht. Gerald Koller erzählt eines der bekanntesten Märchen – auf seine Weise: „Frau Holle 4.0“. Der Österreicher nimmt seine Zuhörer mit auf eine Reise, auf eine Reise nach innen. Märchen, sagt er, „weisen den Weg zum Wohlbefinden“. Koller kritisiert, dass viele Menschen „in Blasen leben, in Blasen der asozialen Medien“. Der Mann aus der Alpenrepublik macht indes allen Mut, er sagt, die Menschen seien krisenresistent. Sie müssten Krisen aber als Chancen begreifen.

Zu jeder vollen Stunde wechselt das Publikum den Ort

So geht es weiter an diesem Abend in Rietenau. Zu jeder vollen Stunde wechselt das Publikum den Ort. Auf den Straßen und Wegen ist im winzigen Rietenau bis gegen Mitternacht mehr los als in mancher Stadt. Gegen 22 Uhr haben sich rund zwei Dutzend Männer und Frauen in einem älteren, schmuck renovierten Wohnhaus eingefunden. In einem größeren Raum im ersten Stock singt Simone Alex-Kummer eher unbekannte Wiegenlieder. Die Profimusikerin aus Rietenau, die früher mit dem Berliner Rias Kammerchor aufgetreten ist, erklärt, dass es nicht schlimm wäre, wenn der ein oder andere ein wenig einschlafe – was freilich nicht passiert.

Ein paar Schritte weiter tritt das Theater Rietenau mit einer szenischen Lesung auf. Im Gemeindehaus werden Fotos von Polarlichtern gezeigt. Und ganz zum Schluss pilgern ein paar jener Gäste, die bereits um 20 Uhr die Nodding Heads gehört haben, noch mal zur alten Scheune. Hier gibt es nach dem offiziellen Ende des Gigs noch eine kleine Zugabe. Und das Publikum ist wieder ganz aus dem Häuschen.




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