Sechs vergebliche Versuche Hitlers Schleichwege zu einem deutschen Pass

Reichspräsident Paul von Hindenburg (rechts) und sein „böhmischer Gefreiter“ Adolf Hitler, damals schon Reichskanzler. Foto: www.imago-images.de/imago stock&people

Vor 100 Jahren wollte der Nazi-Führer erstmals Deutscher werden. Sechsmal versuchte er es vergeblich. Das ging alles nicht mit rechten Dingen zu.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Der vor 100 Jahren zum Reichspräsidenten gewählte Paul von Hindenburg hat Adolf Hitler lange als „böhmischer Gefreiter“ verachtet. Leider nicht mit der nötigen Konsequenz. Dass Hitler ihm „böhmisch“ vorkam, lag an einem Irrtum des greisen Feldherrn: 1866 war Hindenburg im Krieg durch ein böhmisches Dorf gezogen, das genauso hieß wie Hitlers Geburtsort – der allerdings in Österreich liegt: Braunau.

 

Der österreichischen Staatsbürgerschaft wurde Hitler früh überdrüssig. 1913 wanderte er nach München aus, diente in der reichsdeutschen Armee und entwickelte schließlich größten Ehrgeiz, Deutscher zu werden. Bei seinem Anspruch „Führer der Deutschen“ zu sein, handelte es sich mithin – anfangs zumindest – um Etikettenschwindel. Hitlers Weg zu einem deutschen Pass war lang und windungsreich. Er begann vor 100 Jahren.

Am 7. April 1925 beantragte Hitler die Entlassung aus der österreichischen Staatsbürgerschaft – eine Konsequenz seines Putschversuchs von 1923. Er wollte nicht nach Österreich abgeschoben werden. Hitler wurde staatenlos. Um allerdings für ein politisches Amt kandidieren zu können, benötigte er den deutschen Pass. Sechsmal haben er und Nazikumpane vergeblich versucht, diesen zu beschaffen. Die von zeitgenössischen Gazetten als „Köpenickiade“ verspottete Schmierenkomödie begann 1925 in Thüringen. Dort sollte Hitler zum Schein Professor, später Gendarmeriekommissar werden, um eingebürgert zu werden. Das klappte letztlich in Braunschweig – gerade noch rechtzeitig, um 1932 gegen Hindenburg für das Präsidentenamt kandidieren zu können. Hitlers Schleichwege zum deutschen Pass sind vielfach dokumentiert: eine 2014 erstellte Liste mit wissenschaftlichen Aufsätzen und Akten dazu umfasst 44 Seiten.

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