Secondhand in der Modebranche In Massen verfehlt Kleidung aus zweiter Hand ihren Sinn
Gebrauchte Kleidung zu kaufen, kann umweltschonend sein – vorausgesetzt, die Kunden überdenken ihr Kaufverhalten generell, kommentiert Florian Dürr.
Gebrauchte Kleidung zu kaufen, kann umweltschonend sein – vorausgesetzt, die Kunden überdenken ihr Kaufverhalten generell, kommentiert Florian Dürr.
Stuttgart - Wer früher an ein Secondhand-Modegeschäft dachte, hatte schnell den muffigen Geruch von ausgelatschten Schuhen und alten Socken in der Nase. Secondhand war out – vor allem bei den Jüngeren. Inzwischen hat sich diese Sichtweise verändert. Mode aus zweiter Hand ist plötzlich hip, cool, umweltfreundlich. Und gerade die Jüngeren haben dem Trend mit Klimabewegungen wie Fridays for Future noch einmal mächtig Auftrieb verschafft. Nun ist es sogar so weit, dass große Mode-Player wie Zalando oder H&M auf den Second-Hand-Zug aufgesprungen sind. Aus dem muffig klingenden Begriff „gebrauchte Kleidung“ wurde „Pre-Owned“ oder „Second Love“.
Und dann schonen die Kunden beim Shoppen auch noch die Umwelt – mit diesem Argument werben die Händler gerne für ihre neuen Angebote. Für Konsumenten hat es sich noch nie besser angefühlt, sich Berge von Kleidung nach Hause zu bestellen. Und genau darin liegt das Problem.
Natürlich kann es umweltschonender sein, gebrauchte Mode zu kaufen, als neue produzieren zu lassen. Damit sich aber im Sinne der Nachhaltigkeit etwas verbessert, müssen die Menschen anfangen, ihren Konsum generell zu überdenken. Sie dürfen nicht da weitermachen, wo sie beim Shoppen von Neuware aufgehört haben: So viel bestellen, dass der Postbote die Menge an Paketen kaum tragen kann.
Und auch die großen Mode-Player sollten ihrer Verantwortung gerecht werden – und ihr Konzept noch einmal überdenken. Denn bisher kurbelt beispielsweise Zalando mit seinem Secondhand-Angebot eher den Kauf von noch mehr Kleidung im Internet an: Verkaufen die Kunden nämlich ihre aussortierten Kleider auf der Plattform, bekommen sie kein Geld ausgezahlt, sondern einen Gutschein, um gleich wieder neue Kleidung kaufen zu können. Dass dann nicht nur Secondhand-Kleidung, sondern auch Neuware im Warenkorb landet, ist nicht unwahrscheinlich. Von umweltschonendem Shoppen kann dann kaum mehr die Rede sein.
Die wirklich nachhaltige Lösung lautet daher: Lieber weniger und dafür langlebigere Kleidung kaufen. Dann kann der Handel mit Secondhand-Mode seinen Nachhaltigkeitsgedanken erfüllen.
florian.duerr@stzn.de