Secontique folgt auf Schuhe Horsch Mietnachlass verhindert Leerstand in der Stuttgarter City

Wo bis Ende November Schuhe von Felix Horsch in Übergrößen verkauft wurden, gibt es künftig Second-Hand-Mode der Aktion Hoffnung von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Foto: /Andreas Rosar

Wenn Hausbesitzer bereit sind, in der City Mieten zu senken, wird Leerstand verhindert. Ein Beispiel dafür ist die Eberhardstraße. Dort folgt auf das Schuhgeschäft Horsch die Second-Hand-Boutique eines katholischen Vereins.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Fast Food wird schnell konsumiert und ist nicht immer von bester Qualität. Ähnlich verhält es sich mit Fast Fashion. Billigketten produzieren oft nur für eine Saison und schaffen ihre Trends schneller ab, als die Verbraucher die Kurzzeit-Mode kaufen können. Die Alternative ist Slow Fashion: Nachhaltig, fair, günstig im Preis und gleichzeitig attraktiv will sie sein.

 

Seit dreieinhalb Jahren ist der Future Fashion Store x Secontique im Gerber (Motto: „Mode spendet Hoffnung“) ein gutes Beispiel dafür, wie man Kunden für verantwortlichen Konsum und für global faires Handeln sensibilisiert. Früher sagte man Second-Hand-Laden dazu. Die neuen Versionen einer alten Idee klingen nach Zukunft – an Orten, an denen man mit gutem Gewissen einkauft.

Das soziale Projekt, hinter dem die Aktion Hoffnung, ein Verein der Diözese Rottenburg Stuttgart, und die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ) stecken, zieht nun um und vergrößert sich. Vom Gerber geht’s an die Eberhardstraße. Dort hat vor wenigen Wochen das Schuhhaus Horsch, das in der dritten Generation auf Übergrößen spezialisiert ist, geschlossen – erneut hat sich ein Traditionsgeschäft aus der City verabschiedet.

Grund dafür seien schlechte Bedingungen für den Einzelhandel in Stuttgart, erklärte Inhaber Felix Horsch beim Auszug. Künftig verlagert er seine Geschäfte auf den Online-Handel, wird sein Lager in Wangen samstags aber für die Stammkundschaft öffnen. Lange Zeit sah es so aus, als würden nun auch die früheren Horsch-Räume leer stehen. Die privaten Hausbesitzer konnten zunächst keine Nachmieter finden.

Secontique ist eine Wortschöpfung aus Second Hand und Boutique

Nun aber zieht im neuen Jahr der Future Fashion Store ein, der künftig nur noch Secontique (eine Wortschöpfung aus Second Hand und Boutique) heißen wird, und verlässt dafür das Einkaufszentrum Gerber, in dem die Besucherfrequenz oft nicht gut sei. Der Wechsel sei möglich geworden, sagt die Bereichsleiterin Regina Hagmann-Kuttruf von Diözese Rottenburg Stuttgart, weil der Hausbesitzer bereit gewesen sei, die Miete deutlich zu senken. „Das waren aber ganz zähe Verhandlungen“, berichtet sie.

Die bisher in dieser Lage übliche Miete kann das soziale Projekt nicht stemmen. „Die hohen Mieten in der City passen in den meisten Fällen ohnehin nicht mehr zur heutigen Zeit, in der die Probleme des Einzelhandels wachsen“, findet Hagmann-Kuttruf. Ob der Hausbesitzer wirklich bereit gewesen sei, die bisherige Miete um 40 Prozent nachzulassen, wie in Immobilienkreisen kolportiert wird, wisse sie aber nicht: „Ich kenne nicht den Mietpreis der Vormieters.“

Über Geld spricht man nicht. Doch eins steht fest: Wie Leerstand und heruntergelassene Rollläden verhindert werden können, zeigt das Beispiel Eberhardstraße. Neben dem künftigen Secontique auf zwei Ebenen befindet sich die Pop-up-Pizzeria Ciao Amore im früheren Blockhouse. Für die Zwischennutzung dort ist die Miete günstiger.

Läuft alles nach Plan, will der nachhaltige Modeladen Ende Februar 2024 eröffnen. Das Konzept sieht vor, dass man direkt im Geschäft seine Kleidung, gern auch Accessoires wie Handtaschen, zum Weiterverkauf abgeben kann. Sauber sollten die Textilien sein. „Wir waschen nicht“, erklärt Bereichsleiterin Regina Hagmann-Kuttruf.

Secontique will mehr sein als ein Modeladen – auch ein Ort für Begegnungen und Veranstaltungen. Gebrauchte Kleidung, die wie neu aussehen kann, oft von Designern stammt und mitunter nur einmal getragen wurde, soll ein zweites Leben erhalten.

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