Ein propagandistischer Erfolg rechtzeitig vor dem CSU-Parteitag im November ist dem bayerischen Ministerpräsidenten nicht mehr vergönnt. Die Überschreitung der christsozialen Obergrenze ist kein Anlass, den nationalen Notstand auszurufen. Allerdings hat auch die Kanzlerin einsehen müssen, dass die Aufnahmekapazität Deutschlands begrenzt ist – erst recht die politische Akzeptanz ihrer Willkommenspolitik. Nachdem sie reumütig klargestellt hat, dass sie ihre Kardinalfehler von 2015 nicht zu wiederholen gedenkt, ist es an ­Seehofer, seine Rhetorik anzupassen. Eine fixe Obergrenze zu beziffern wäre politisch unklug. Dennoch bedarf es einer Verständigung, in welcher Dimension Zuzug zu ­verkraften ist – und mit welchen Mitteln dieser gebremst werden kann, wenn ein kritisches Maß erreicht ist.