Seen in Stuttgart-Möhringen Zwischen Gartenamt und Anglern gärt es

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Bei Baumschnittarbeiten fallen immer wieder Äste in den Probstsee und den Riedsee in Stuttgart-Möhringen. Das sei schlecht für die Wasserqualität, sagt der Anglerverein. Die Stadt sieht es anders.

Der Riedsee ist eine Idylle. Doch der Schein trügt. Die Angler beklagen seit Jahren, dass zu viel Geäst am Boden und zu viel Müll am Ufer liegt. Foto: Archiv Alexandra Kratz
Der Riedsee ist eine Idylle. Doch der Schein trügt. Die Angler beklagen seit Jahren, dass zu viel Geäst am Boden und zu viel Müll am Ufer liegt. Foto: Archiv Alexandra Kratz

Möhringen - Manfred Wörner ist richtig sauer. Jedes Jahr sei es das gleiche Spiel: Im Winter lässt das Garten- und Friedhofsamt die Bäume rund um den Probstsee und den Riedsee zurückschneiden. Dabei fallen Äste ins Wasser. Das allein sei nicht schlimm, sagt Wörner, wenn nachträglich jemand das Holz wieder heraushole. Doch genau das geschehe nicht. „Was vom Wasser zugedeckt wird, bleibt einfach drin“, sagt Wörner.

Für den Vorsitzenden des Möhringer Anglervereins ist das aus mehreren Gründen ein Problem. Zum einen sei die viele Biomasse im See nicht gut für die Wasserqualität. Denn die Äste verrotten, damit sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser. Zum anderen machen sich die Fischer ihre Angeln und Netze kaputt, wenn sich diese in dem Geäst verhaken. Und das wiederum sei zum einen ärgerlich für die Vereinsmitglieder, zum anderen aber auch ein Problem für den Verein als Pächter der Gewässer.

Beide Seen sind seit Jahren Sorgenkinder

„Wir haben die Aufgabe, die Fischbestände auf einem für die Seen verträglichen Level zu halten. Dazu müssen wir abfischen. Das können wir aber nicht, wenn unsere Netze dabei kaputtgehen“, sagt Wörner. Beim Riedsee sei es in diesem Jahr besonders schlimm. Schon vor Monaten, als die Seen nach der Frostperiode wieder aufgetaut waren, habe er die Stadt darauf hingewiesen, aber es habe sich nichts getan. „Die beauftragte Firma kommt aus dem Schwarzwald. Die schneidet die Bäume und ist weg“, schimpft Wörner. Jetzt sei es zu spät, um die Äste herauszuholen. Denn es sei Laichzeit, und es gibt viele Jungfische, die man stören würde. „Da macht man mehr kaputt als gut“, so der Vorsitzende.

Beide Seen sind seit Jahren Sorgenkinder. Die Wasserstände sind zu niedrig. Es fließt zu wenig Frischwasser ein. Wenn es im Sommer heiß ist, kippen die Seen immer wieder mal um. Das bedeutet, dass der Sauerstoffgehalt so weit absinkt, dass die Fische keine Luft mehr bekommen und sterben. Beim Probstsee sollte die Situation verbessert werden, indem das Regenwasser von den versiegelten Flächen im neu gebauten Wohngebiet Seepark in den See geleitet wird. Aber von dort kommt derzeit kein Tropfen. Der Grund: Der Zufluss ist zu. Das hatte das Umweltamt veranlasst, nachdem während der Bauarbeiten am Seepark Baumaterialien in den See geschwemmt worden waren. Inzwischen ist der Seepark fertig, der Kanal aber noch immer dicht. Das Umweltamt gibt an, dass nichts gegen eine Wiederöffnung des Kanals spreche. Geschehen ist aber nichts.

Die Firmen sind angehalten, alle Äste aufzuräumen

Für die Baumschnittarbeiten ist das Garten- und Friedhofsamt zuständig. Die Mitarbeiterin Anja Neupert kann Wörners Ärger nicht ganz nachvollziehen. „Grundsätzlich ist es kein Problem, wenn Äste im Wasser liegen“, sagt sie. So ergebe sich eine Strukturvielfalt. Jungfische können sich dort verstecken und kleines Getier, was den Fischen als Nahrung diene, siedele sich dort an. „Nur wenn es wirklich sehr viel Holz ist, kann es zu einem gewissen Sauerstoffmangel in dem Gewässer kommen“, sagt die städtische Mitarbeiterin.

Grundsätzlich seien die Firmen angehalten, alle Äste aufzuräumen. In diesem Jahr jedoch sei einiges an Holz auf den zugefrorenen See gefallen. „Die Eisdecke war aber zu dünn, um sie zu betreten“, sagt Neupert. Also blieben die Äste liegen. Jetzt – und zumindest in diesem Punkt sind sich die Stadt und die Angler einig – sei es zu spät, um sie rauszuholen. „Wir werden im Herbst noch einmal danach schauen und falls erforderlich Holz aus dem See holen“, sagt Neupert.

Richtig sei, dass die Äste auf dem Boden des Sees ein Problem für die Fischer seien. „Da gibt es einfach einen Konflikt zwischen den verschiedenen Parteien, die mit dem See befasst sind“, sagt Neupert. Denn die Stadt müsse die Bäume schneiden und so ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen. „Wir machen das nicht zum Spaß“, betont sie und ergänzt: „Wir geben uns wirklich Mühe und werden das auch weiterhin tun. Ich hoffe, dass wir den Konflikt mit dem Anglerverein irgendwie einvernehmlich lösen können.“

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