Seen-Sanierung bei Mineralbädern zieht sich Fast ein Natur-Badesee mitten in Stuttgart

Von Armin Friedl 

Die Kernmaßnahmen bei der Sanierung des Inselsees bei der Haltestelle Mineralbäder sind bis Mai abgeschlossen. Doch es bleibt im Stuttgarter Schlossgarten viel zu tun, bis der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt ist.

Warten auf das Ende der Baumaßnahmen: Noch ist der See nicht geflutet. Foto: Jürgen Brand
Warten auf das Ende der Baumaßnahmen: Noch ist der See nicht geflutet. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Diese Nachricht wird die Naherholer bei den Unteren Anlageseen nur bedingt erfreuen: „Die Kernmaßnahmen werden im Mai abgeschlossen sein“, so Roland Wenk vom Stuttgarter Amt der Landesabteilung Vermögen und Bau. Konkret bedeutet das: Die weitläufigeren Wege beim Inselsee werden frei sein. Doch rund um den See bleibt die Baumaßnahme: Die Renaturierung des Ufers und der unmittelbaren Umgebung wird noch nicht abgeschlossen sein, das Wasser wird erst allmählich einfließen, der Uferweg drumrum wird wohl noch nicht begehbar sein. Wenk: „Man kann heute erkennen, wie sehr die Kettenfahrzeuge und der Schwerlastverkehr diesen Weg in Anspruch genommen haben beim Aushub. Da werden wir sanieren müssen und das werden wir nicht bis in den Mai schaffen.“

Der Schlamm kann nicht abtransportiert werden

Ein weiterer Grund für die Verzögerung liegt mächtig in der Nähe des Schwanensees: Meterhohe Erdberge. „Das ist der Schlamm, der aus dem See rausgebaggert wurde“, so Wenk, „eigentlich hätte der inzwischen abtransportiert sein sollen. Doch es hat in den letzten Wochen immer wieder geregnet, damit ist der eh schon nasse Schlamm noch nasser und schwerer geworden. Den so auf Lkw zu verladen war bis jetzt nicht vertretbar“.

Eines stimmt Wenk jedoch zuversichtlich: „Diese Wege sind ja auch Verkehrsflächen von und in die Innenstadt. Und da können wir auf jeden Fall grünes Licht geben.“ Für Wenk zeigt sich, etwa fünf Monate nach Beginn der Sanierung: „Das ist schon eine sehr große Maßnahme mit erheblichen Landschaftsanteilen, das nimmt viel Fläche in Anspruch.“ Anfangs waren noch die Bäume rund um den See mit großzügigen Holzumzäunungen abgesichert, jetzt ist der See im großen Stil durch Metallgitter abgesperrt. Aber: „Wir werden uns schon so verhalten, dass der Bürger wieder Zugriff hat auf seinen Park. Für ihn ist er ja schließlich da“, so Wenk.

Der Wasserverlust ist zu groß

Diese noch gut sichtbaren Schlamm-Massen haben schon mit den Besonderheiten dieser Anlage zu tun: Es ist ein künstlich angelegter See als Teil eines Wasserkreislaufs, dessen Technik 40 Jahre nach Eröffnung der Anlage zur Bundesgartenschau 1977 nun ins Alter gekommen ist. So geht auch Wasser verloren. „Und an heißen Tagen verdunstet ein Zentimeter Wasser pro Quadratmeter, das entspricht 140 Kubikmeter auf dieser Fläche“, haben die Experten rund um Wenk festgestellt. Eine natürliche Nachspeisung gibt es auch, aber die liegt lediglich bei 40 Kubikmetern täglich.

Künftig mehr Tiefe

Doch das allein macht die viele Erde nicht aus: „Der See wird tiefer, er hat künftig mehr Wasser“, so Wenk, „das ist nötig, damit wir hier ein naturnahes Gewässer mit besserer Qualität als früher bekommen“. Das heißt: Bisher war die mittlere Wassertiefe bei 1,20 Meter, künftig wird sie bei 2,1o Meter sein, und die Wasserfläche vergrößert sich von 13 800 auf 14 200 Quadratmeter. Eines macht Wenk dabei klar: „Zum Schwimmen oder Baden ist die Wasserqualität aber dennoch nicht ausreichend.“ Dennoch: Das Prinzip eines Natur-Badesees wird hier schon umgesetzt. „Das Wasser war häufig übersättigt von Nährstoffen. Allein das führte zu Schlammablagerungen von jährlich drei Zentimetern, diese Menge wollen wir künftig halbieren. Und jetzt wird das Wasser künftig auf natürliche Weise gereinigt“, so Wenk.

Eine Feuchtwiese entsteht

Dazu wird – inzwischen gut zu erkennen – eine neue rechteckige Fläche ausgehoben nahe dem kleinen Eissee. Wenk: „Das wird eine Feuchtwiese. Unter der Erde fließt Wasser, auf die Erdschicht kommen Pflanzen. Das ist ein Drainagesystem, ein Aufstromfilter. Hier wird dem Wasser auf natürliche Weise Phosphat entzogen.“ Diese Erdschicht schließt bündig mit jener der Wiese in der unmittelbaren Umgebung ab, doch darauf ist dann eine andere Vegetation. Wenk: „Klassischerweise würde da Schilf stehen. Das verwenden wir hier aber nicht, da das Schilf zu hoch wächst und die vertrauten Sichtachsen versperren würde. Außerdem passt es nicht in diese Umgebung.“ Die Pflanzen, die hier eingesetzt werden, wachsen etwa 50 bis 60 Zentimeter hoch, sind in Sachen Wasserreinigung nach Auskunft der Botaniker aber genauso gut wie Schilf.

Bis dieser Kreislauf mit der natürlichen Reinigung funktionieren wird, gehen die Fachleute von drei Jahren aus. Noch ganz offen ist aber die Frage, welche Rolle die anderen beiden Seen da spielen werden, die ja weder gereinigt noch ausgebaggert wurden. „Bei unserer Planung war die Sanierung des Inselsees maßgebend. Ob und wie sich der Zustand der anderen Seen auf die Wasserqualität auswirkt, müssen wir noch beobachten“, so Wenk. Mit einem ist der Amtsleiter erst mal zufrieden: Der Kostenrahmen wird eingehalten. „Die Planungen 2015 waren auf 2,5 Millionen Euro angesetzt. Heute sind wir bei drei Millionen Euro. Aber inzwischen liegt die Steigerung der Baukosten bei drei Prozent, in diesem Jahr aktuell sind es vier Prozent. Da liegen wir im Erwartungsrahmen.“ Eine Kostenexplosion wie beim Bau des Rosensteintunnels in unmittelbarer Nähe kann Wenk jedenfalls ausschließen.

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