Segnung in Esslingen Weg zum Traualtar für Homosexuelle ist frei

Kirchenrat Andreas Schrempf (links) und Pfarrer Christof Hermann vor dem Altar der Johanneskirche in Esslingen. Eine erste geplante Segnung ist wegen der Corona-Epidemie vorerst abgesagt worden. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
Kirchenrat Andreas Schrempf (links) und Pfarrer Christof Hermann vor dem Altar der Johanneskirche in Esslingen. Eine erste geplante Segnung ist wegen der Corona-Epidemie vorerst abgesagt worden. Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Die Esslinger Johanneskirche ist Vorreiterin. Als erste Kirchengemeinde im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen segnet sie homosexuelle Paare.

Esslingen: Wolfgang Berger (ber)
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Esslingen - In anderen Landeskirchen der Evangelischen Kirche ist die Segnung homosexueller Paare vor dem Traualtar bereits seit längerem Praxis. Nun, da auch die Kirchenleitung in Württemberg den Weg dafür frei gemacht hat, ist die Esslinger Johanneskirchengemeinde sofort aktiv geworden. Ein entsprechender Antrag ist positiv beschieden worden. Damit ist die Gemeinde eine der ersten im Land und die erste im Bezirk Esslingen, die im öffentlichen Gottesdienst gleichgeschlechtliche Paare segnen wird.

Schwule und Lesben fühlen sich diskriminiert

Die Gemeinde hatte auf grünes Licht der Landessynode nur gewartet. Einstimmig habe der Kirchengemeinderat entschieden, allen Paaren den Weg vor den Traualtar zu ermöglichen, freut sich der Kirchengemeinderat Andreas Schrempf. Latent sei das in der Kirchengemeinde schon länger Thema gewesen, berichten er und der Pfarrer Christof Hermann.

Immer wieder hätten sie erfahren, dass sich Homosexuelle von der Kirche abgelehnt fühlten. „Nie wollte ich an irgendeiner Ausgrenzung von Homosexuellen beteiligt sein“, beschreibt Hermann sein Dilemma, dass er gleichgeschlechtlichen Paaren bisher die öffentliche Segnung im Gottesdienst verweigern musste. Andreas Schrempf, der selbst homosexuell ist, hat im Freundeskreis erlebt, dass Menschen wegen dieser Haltung aus der Kirche ausgetreten sind. „Deshalb war es uns wichtig, dies zu ermöglichen“, so Schrempf.

Eine Segnung kommt einer Trauung sehr nahe

In einem ersten Schritt trat die Gemeinde der Initiative Regenbogen bei. Diese ist ein Zusammenschluss von Kirchengemeinden, die lesbische und schwule Gemeindeglieder explizit willkommen heißen. Dann warben Pfarrer Hermann und der Kirchengemeinderat in der am östlichen Rand der Esslinger Innenstadt gelegenen Gemeinde intensiv für ihr Anliegen. Zu ihrer großen Freude stießen sie selbst bei konservativen Mitgliedern auf viel Wohlwollen.

Eine Segnung ist zwar keine Trauung, kommt dieser freilich sehr nahe. Der Kirchenrat Frank Zeeb, im Oberkirchenrat zuständig für diese Thematik, erklärt die feinen Unterschiede. „Im Grunde heißt es weder Segnung noch Trauung.“ Vielmehr handle es sich bei der Trauung um einen „Gottesdienst anlässlich der bürgerlichen Eheschließung eines Mannes und einer Frau, in dem die neue Lebenssituation unter Gottes Wort bedacht wird, die Eheleute sich zueinander und zu Gottes Wort verpflichten und für ihren neuen Lebensweg gesegnet werden.“ Der aus Gründen der Differenzierung von manchen Landeskirchen verwendete Begriff Segnung sei letzten Endes sinnfrei, weil die Segnung des Paares im Gottesdienst ein Element, aber eben nicht das einzige sei. „Der theologische Unterschied besteht darin, dass in der Liturgie nicht, wie bei Trauungen in Württemberg üblich, der Ehebund gesegnet wird, sondern die Menschen“, so Zeeb.

Auch Paare von außerhalb sind willkommen

Pfarrer Hermann hat indessen keine großen Abweichungen in der Liturgie festgestellt. Er jedenfalls werde keine Unterschiede machen. „Ich hoffe, dass die Landeskirche einen Weg findet, damit aus der Segnung eine Trauung wird“, sagt der Esslinger Kirchengemeinderat Schrempf.

Wie viele Kirchengemeinden im Bezirk Esslingen dem Beispiel der Johanneskirchengemeinde folgen werden, ist noch unklar. Doch dürfen sich an die Johanneskirchengemeinde auch gleichgeschlechtliche Paare aus anderen Gemeinden wenden, wenn diese keine entsprechende Segnung ermöglichen. „Am besten melden sie sich aber bei ihrem Ortspfarrer“, sagt Hermann. Seine Kolleginnen und Kollegen im Kirchenbezirk hätten keine Vorbehalte: „Alle sehen es sehr wohlwollend.“ Ein Paar hatte sich bei Pfarrer Hermann übrigens schon gemeldet, allerdings musste diese Hochzeit wegen der Corona-Epidemie vorerst abgesagt werden.




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