Sehenswerte Ausstellungen in Herrenberg Gemälde zwischen Tier und Engel

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m Herbst zeigen die Galerien in Herrenberg die Stofflichkeit von Stoffen und das Leiden der Lebewesen.

Was im Tier schaut uns an?  Elena Hocke, die Leiterin der Herrenberger Galerien, will mit hochkarätigen Ausstellungen eine Schule des Sehens ermöglichen Foto: factum/Simon Granville
Was im Tier schaut uns an? Elena Hocke, die Leiterin der Herrenberger Galerien, will mit hochkarätigen Ausstellungen eine Schule des Sehens ermöglichen Foto: factum/Simon Granville

Herrenberg - Tiere sind die ältesten Gegenstände der Kunst und mit den Arbeiten von Uwe Gaugel auch sehr neue. In der Galerie des Kulturzentrums in Herrenberg sieht man Gemälde, die eine hintergründige Rhetorik haben, die nachdenkliche, witzige, aber auch brutale Geschichten erzählen.

Viele der Acrylarbeiten Gaugels reihen sich wie Comicpaneele. Vier quadratische Gemälde sieht man etwa, zwei Spatzen darauf, die sich von Bild zu Bild näher kommen, nur ein leerer Draht bleibt am Ende zurück. Die Darstellungen bekommen ihre Intensität, weil der Künstler stets einfarbige Hintergründe wählt. In einer weißen Fläche liegt eine tote Maus, von blauen Schmetterlingen umflattert, einen Tiger gibt es, der liebevoll auf eine Wespe blickt, vielleicht weil sie beide in Streifen gekleidet sind. Daneben ein Teddybär mit Kopfverband, der genauso belebt scheint wie eine Ratte, die ratlos einen Faden betrachtet. Vielleicht hat ihn eine Maus vorher abgebissen?

Da beißt die Ratte keinen Faden ab

Uwe Gaugel, 64, lebt in Gäufelden-Tailfingen, hat Schaufenstergestalter gelernt, hat sich an der Freien Kunstschule Herrenberg ausgebildet und war viele Jahre als Musiker unterwegs. Er malt mit Arcyl. Die besondere Fähigkeit, Tiere zu abzubilden, hat er durch „Schauen und Malen“, erworben, wie er sagt.

Vierhundert Meter Luftlinie weiter liegt am Marktplatz die Galerie der Stadt Herrenberg, die ebenfalls von der stellvertretenden Volkshochschulleiterin Elena Hocke betreut wird. Dort hat die Stuttgarter Künstlerin Holde Klis in einer Schau mit dem Titel „Die Leichtigkeit des Scheins“ in hoher Virtuosität ihre Lust an der Wiedergabe des Stofflichen ausgelebt. Stofflich im wahr­sten Sinne: Man sieht gemusterte Rollen von Textilien in Hülle und Fülle, Kissenstapel, ausgelegte Stoffbahnen, Sonnenschirme und mehr. Dann und wann schwimmt auf der Leinwand ein weiß oranger Koi-Fisch. Beeindruckend, weil in großer Maltechnik vollführt, ist das Porträt eines Mädchens in barockem Kleid, es hat die Augen geschlossenen – sie wirkt wie ein Engel.

Die Ausstellungen laufen bis Ende November

Beide Ausstellungen sind in der vergangenen Woche eröffnet worden und laufen bis Ende November. Die Bilder von Holde Klis kann man ohne Voranmeldung betrachten. Zur Ausstellung „Augen-blicke“ von Uwe Gaugel im Kulturzentrum braucht es eine Anmeldung unter hocke@vhs.herrenberg.de.




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