Seilbahn in S-Vaihingen Die Minimetro-Idee aus dem Urlaub

Die Minimetrò in Perugia ist seit 2008 in Betrieb. Zum System gehören auch Rolltreppen und Aufzüge. Foto: imago/CHROMORANGE/imago stock&people

Ein 79-Jähriger aus Stuttgart-Rohr sieht in Perugia ein Verkehrskonzept, das ihn überzeugt. Er fragt sich, ob Stuttgart beim Seilbahn-Projekt auch daran gedacht hat.

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

S-Rohr/Perugia - Anfang Juni war Wolfgang Hanitzsch in Perugia. Er hat, wie so oft, Urlaub in der Toskana gemacht und war auf Tagesausflug in der umbrischen Stadt. Wenn er danach Leuten von seinem Besuch in Perugia berichtet hat, dann kam mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Minimetrò in den Erzählungen vor. Denn von der schwärmt Wolfgang Hanitzsch auch noch Wochen später. Wieder daheim, hat der 79-Jährige aus Stuttgart-Rohr in unserer Zeitung von dem Seilbahnprojekt in Stuttgart-Vaihingen gelesen – und gleich an die Minimetrò gedacht. Das wär’s doch, hat er sich gedacht. Hat die Stadt Stuttgart auch so etwas bedacht?

 

Die Minimetrò in Perugia ist 2008 in Betrieb gegangen. Die Strecke ist vier Kilometer lang, und sie führt vom westlichen Stadtrand hinauf in die höher gelegene Altstadt, dabei hält sie an verschiedenen Stationen, sogar an Stopps in Hochbauweise. Dabei fährt sie autonom. Sie transportiert täglich rund 10 000 Menschen. Die Minimetrò ist ein Baustein des Verkehrskonzepts, an dem Perugia seit den 1970ern Jahren arbeitet, um den Autoverkehr in den steilen, engen Altstadtgassen einzudämmen.

Alle paar Minuten komme eine Minimetrò

Wolfgang Hanitzsch wusste nichts von dem System aus Metrò, Rolltreppen und Aufzügen, als er am 7. Juni mit seiner Frau in Perugia ankam. Sie haben gefragt, wo man hier am besten das Auto loswird, da kam der Hinweis auf die Minibahn. Sie sind an einer Zwischenstation zugestiegen, erzählt Hanitzsch, haben 1,50 Euro für 70 Minuten bezahlt. Alle paar Minuten komme eine Bahn, sagt er. Da sei es egal, „wenn einem der Zug vor der Nase wegfährt“.

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Mit Blick auf die auch kritischen Stimmen zur Seilbahn in Stuttgart-Vaihingen hat sich Hanitzsch überlegt, ob ein System am Boden nicht auch eine Lösung sein könnte. „Warum hat keiner an so etwas gedacht? Das ist eine Technik, die funktioniert.“ Er habe sich sogar überlegt, deshalb ans Verkehrsministerium zu schreiben, sagt er. Ihm gehe es um einen Gedankenanstoß. „Ich bin technikaffin, und das hat mich überzeugt.“

Ebenfalls alles andere als fachfremd ist Stephan Oehler. Er arbeitet bei der Stadt Stuttgart im Stadtplanungsamt und kennt das Projekt um die Seilbahn in Stuttgart-Vaihingen bestens. Innovative Verkehrssysteme seien für ihn und seine Kollegen nichts Neues, Best-Practice-Beispiele seien ihnen freilich bekannt. Er tausche sich beispielsweise in einem Gremium des Städtetags mit Kollegen aus oder bei Kongressen. Start-ups kämen mit Ideen auf die Stadt zu. Und auch dank seines Lehrauftrags an der Hochschule für Technik in Stuttgart sei er gut drin im Thema, sagt Oehler.

Der Impuls für die Seilbahn kam aus der Politik

Der Wunsch nach einer Seilbahn in Stuttgart-Vaihingen kam als „Impuls aus der Politik“, erinnert Oehler. Die Verwaltung habe sich im Anschluss daran gemacht, eben dies mit Informationen zu unterfüttern. Wäre die Idee einer hängenden Lösung kein gute, „dann hätten wir das auch so zurückgegeben in die Diskussion“, sagt er.

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Von der Minimetrò in Perugia hat Oehler vorher noch nichts gehört, sagt er. Aber das müsse nichts heißen. Nach wenigen Klicks im Internet sieht er, dass es sich um ein anderes System handelt als die Seilbahn. „Das ist eine aufgeständerte Fahrbahn“, sagt er. Die Seilbahn wiederum sei ein hängendes System. Das sei auf den ersten Blick günstiger, sowohl finanziell als auch von den Eingriffen. „Es wäre städtebaulich nicht das, was wir wollen.“

Damit sich Bürger die Seilbahn vorstellen können

In Sachen Seilbahn sei die Stadt Stuttgart im Austausch mit anderen Kommunen, die bereits solche Lösungen hätten, sei es Bonn, sei es Wuppertal, sei es München. Im Januar 2021 ist der Gemeinderatsbeschluss gefallen, dass die Seilbahn in Stuttgart-Vaihingen zwischen dem geplanten Wohngebiet Eiermann-Campus und dem Gewerbegebiet Synergiepark bis zu einer möglichen Park-and-ride-Station an der Autobahn 8 vertiefter untersucht werden soll. Derzeit arbeite man die offenen Punkte ab, dabei geht es um die Stationen, um den Trassenverlauf, aber auch um eine Visualisierung. Damit sich die Leute die Bahn besser vorstellen können. Ende dieses Jahres, Anfang 2022 will die Stadt die Bürger informieren, sagt Oehler.

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