Silvesterlauf-Seriensieger Simon Boch geht neue Wege, um sich den Traum von der Olympiateilnahme 2028 in Los Angeles über die Marathon-Distanz zu erfüllen.

Warm eingepackt mit einer Bommelmütze auf dem Kopf wartete Simon Boch im Zielbereich unter dem Viadukt auf seine Frau Marisa. Er selbst hatte den Lauf schon vor 45 Minuten beendet, war mal wieder der Konkurrenz davongelaufen und kürte sich zum siebten Mal zum Sieger beim Bietigheimer Silvesterlauf.

 

Für seine Partnerin war es eine Premiere. Nach 1:22:09 Stunden lief die Hobbyläuferin zusammen mit einer Freundin über die Ziellinie – erschöpft, aber glücklich, das Rennen 14 Monate nach der Geburt von Töchterchen Maja beendet zu haben. Simon Boch hatte sie bei der Vorbereitung unterstützt, ihr die üblichen Tipps mit auf den Weg gegeben: nicht zu schnell angehen und sich möglichst eine Gruppe suchen, an die man sich anhängen kann. Wegen einer Knieverletzung musste Marisa Boch das Training für drei Wochen unterbrechen. „Da haben ihr dann schon ein paar Umfänge gefehlt, aber ich freue mich für sie“, sagt Boch.

Seine eigene Zeit (30:32 Minuten) war dem Seriensieger in Bietigheim nicht wichtig, er hatte auf der Zielgeraden sogar noch die Muße, seine wartenden Fans abzuklatschen. Vor drei Wochen war er beim Marathon in Valencia 2:08:55 Stunden gelaufen. „Klar, dass man dann nicht die Bestform abrufen kann, aber ich bin sehr happy mit meiner Form“, erzählt Boch.

2025 war kein leichtes Jahr für das Leichtgewicht. Eine Hüftverletzung hatte ihn lange ausgebremst. Jetzt hat er wieder Vertrauen in seinen Körper und ist auch mental gut drauf. Im September holte er sich über die 10.000 Meter den Titel bei den Deutschen Meisterschaften im Straßenlauf. Jetzt liegt der Fokus auf dem Marathon, denn der gebürtige Donaueschinger will sich noch einen Traum erfüllen: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Los Angeles, nachdem es mit Paris nicht geklappt hat.

Wechsel von Regensburg nach Düsseldorf

Dafür geht Boch neue Wege. Beim Silvesterlauf trug er zum letzten Mal das Trikot der LG Telis Finanz Regensburg. Seit 1. Januar startet er für das D. Running Team Düsseldorf. „Bei meinem alten Verein, dem ich viel verdanke, fehlten zuletzt die passenden Trainingspartner“, begründet Boch den Schritt. In Düsseldorf erwarten ihn ein neues Umfeld, neue Reize – und Hendrik Pfeiffer, der 2024 in Abwesenheit von Boch den Silvesterlauf in Bietigheim gewonnen hat. „Über die 10.000 Meter bin ich schneller, aber im Marathon hat Hendrik die Nase vorn“, sagt Boch.

Hendrik Pfeiffer, Silvesterlaufseiger 2024, wird der neue Trainingspartner von Simon Boch in Düsseldorf. Foto: Avanti

Noch steht nicht fest, welche Norm der Weltverband für die Spiele 2028 festlegen wird. „Aber die Anforderungen werden immer schwieriger, in Tokio war die Norm noch 2:11 Stunden, für LA rechne ich mit 2:06 Stunden“, sagt Simon Boch. Davon ist er noch knapp zwei Minuten entfernt. Pfeiffers Bestzeit liegt bei 2:06:45 Stunden. Boch freut sich auf die bevorstehenden Battles.

Höhenmeter machen im Sehnsuchtsort Kenia

Ende Januar geht es für ihn nach Kenia, eine Art Sehnsuchtsort für den 31-Jährigen, der seit Jahren nicht als Urlauber in das kenianische Hochland Land reist, sondern um seiner Berufung nachzugehen: dem Laufen. Hier hat er nach seiner Hüftverletzung auch Hilfe bei einem Physiotherapeuten gesucht, der ihn erfolgreich behandelt hat. Für ihn geht es darum, viele Höhenmeter zu machen auf dem roten und oft steinigen Belag. Durch diese Belastung wird auch der Fuß kräftiger. „Für mich passt hier das Gesamtpaket“, sagt Boch.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann finanziert sich über Sponsoren, den Preisgeldern bei Rennen und wird auch von seinem neuen Klub in Düsseldorf unterstützt. „Das ist herausfordernd, aber der richtige Weg zu meinem Ziel“, sagt er.