Fünf Jahre nach dem Zulassungsstart in Deutschland hat nicht nur der Verkauf der privaten E-Scooter konstant zugenommen, sondern auch die Zahl der Diebstähle. Während 2019 nur zwölf Roller – die Polizei unterscheidet in der Kriminalstatistik dabei nicht, ob sie motorisiert sind oder nicht – in Stuttgart gestohlen wurden, waren es in den darauffolgenden drei Jahren bereits 31, 61 beziehungsweise 81 Stück. Im vergangenen Jahr wurden 151 Diebstähle registriert. 2024 ist erneut mit einer Zunahme zu rechnen, schon jetzt ist man im dreistelligen Bereich. Zuletzt haben Unbekannte in der Nacht auf Donnerstag einen E-Scooter aus einem Hof in der Kühlbrunnengasse in Bad Cannstatt gestohlen. Wie in vielen Fällen zuvor war der Roller mit einem Fahrradschloss gesichert – dieses Mal an einem Regal.
Leichter Transport ist Vor- und Nachteil zugleich
„E-Scooter bieten den Vorteil, dass diese in der Regel zusammengeklappt und durch den Eigentümer mitgenommen werden können“, sagt Reinhard Hupke, Präventionsexperte vom Landeskriminalamt (LKA). „Grundsätzlich sollte von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und E-Scooter nur in Ausnahmefällen unbeaufsichtigt abgestellt werden“, so der Polizeihauptkommissar. Dann sollte man auf stabile Bügel- oder Panzerkabelschlösser setzen. Beim Kauf müsse man auf „geprüfte Qualität“ und hochwertiges Material, wie durchgehärteten Spezialstahl, sowie massive Schließsysteme achten. Wichtig sei, E-Scooter immer anzuschließen, damit sie nicht weggetragen werden können – diesen Vorteil haben schließlich nicht nur die Eigentümer.
Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) Württemberg empfiehlt zudem, beim E-Scooter-Kauf auf entsprechende Ösen zu achten, durch die das Schloss durchgefädelt werden kann. „Sofern diese Ausstattung fehlt, muss eine individuelle Lösung gefunden werden: Ein festes Bügelschloss kann gegebenenfalls zwischen Fußbrett und Lenkrohr zum Absperren genügen“, sagt ADAC-Sprecher Julian Häußer nach Rücksprache mit der Technikabteilung. „Speichenräder finden sich an E-Scootern nur selten, deshalb bietet sich meist nur noch der Bereich der Radaufhängung hinten an, um den Roller anzuketten.“
Hersteller von E-Scootern setzen auch auf elektronische Wegfahrsperren, die die Räder blockieren oder das Starten des Motors verhindern, sowie auf Diebstahlwarnanlagen, die per akustischem Signal Täter in die Flucht schlagen sollen, sobald ein E-Scooter verbotswidrig bewegt wird. „Beide Systeme sind in vielen Rollern bereits serienmäßig verbaut“, sagt Reinhard Hupke. Darüber hinaus können sie gegen Aufpreis über den Fachhandel bestellt beziehungsweise nachgerüstet werden. Und dennoch sollte man sich nicht zu sehr auf sie verlassen, das A und O sei eine mechanische Sicherung. Der ADAC schließt sich dem Präventionsexperten des LKA an. Schließlich könne der E-Scooter trotzdem gestohlen werden, fügt Julian Häuser an. „Und die elektronische Wegfahrsperre ist sicherlich nicht einfach zu knacken. Dennoch wird es immer Möglichkeiten geben, den E-Scooter wieder in Betrieb zu bekommen.“
Nicht auf eigene Faust ermitteln
Erweitern lässt sich der Diebstahlschutz indes mit einem GPS-Tracker, sprich einem am E-Scooter möglichst versteckt angebrachten Sender. Sobald der Roller unbefugt bewegt wird oder einen zuvor festgelegten Bereich verlässt, erhält der Besitzer eine Nachricht, außerdem wird laufend der aktuelle Standort übermittelt. Hier warnt der Beamte des Landeskriminalamts vor Ermittlungen auf eigene Faust. Man solle sich niemals allein auf die Suche nach einem gestohlenen E-Roller machen, stattdessen unbedingt die Polizei einschalten.
Generell sei es für die Ermittler hilfreich, wenn Kaufbelege und ein Foto vom E-Scooter – am besten auch digital – sorgfältig aufbewahrt werden. „Die Informationen helfen der Polizei, aufgefundene Roller ihren rechtmäßigen Eigentümern zuzuordnen“, so Hupke. In diesem Zusammenhang sei es auch unerlässlich, einen Diebstahl anzuzeigen. Beim Kauf eines gebrauchten Rollers sollte man nicht nur den technischen Zustand prüfen, sondern sich auch Rechnungen und Ausweis zeigen lassen und somit sicherstellen, dass der Verkäufer auch der rechtmäßige Eigentümer ist.
Diebstahlschutz
Das richtige Schloss
Hilfe bei der Suche nach einem guten Schloss bietet der Verband Schadensversicherer (VdS). Auf der Website des Verbands unter www.vds-home.de finden Interessierte in der Rubrik „Einbruch & Diebstahl“ eine Übersicht über VdS-getestete und zertifizierte Zweiradschlösser. Das Gütesiegel VdS steht für Qualität und Zuverlässigkeit. Mit dem VdS-Gütesiegel versehene Schlösser wurden in den VdS-Laboratorien umfangreichen und strengen Tests unterzogen. Auch die Stiftung Warentest veröffentlicht regelmäßig Tests von Zweiradschlössern im Internet: www.test.de.
Der richtige Platz
Gelegenheit macht Diebe. Öffentlichkeit kann vor Dieben schützen. Beim Abstellen des E-Scooters sollten deshalb dunkle Ecken, einsame Plätze oder schlecht einsehbare Straßen gemieden werden. Darüber hinaus ist es wichtig, alle wichtigen Daten des Rollers zu notieren. Dazu gehören beispielsweise die Rahmennummer, Marke und Typ. Er empfiehlt, einen Fahrradpass zu benutzen, der im Internet kostenlos als Download zur Verfügung steht.