Seit Jahrzehnten Schandfleck Wie geht es in der Böblinger Hohenstaufenstraße weiter?

Werden die Ruinen bald Neubauten weichen? Foto: Stefanie Schlecht

Ruinen prägen seit Jahrzehnten das Straßenbild in der Böblinger Hohenstaufenstraße. Ist damit jetzt bald Schluss?

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Es macht den Eindruck, als würde sich endlich etwas in der Hohenstaufenstraße in Böblingen tun: Nach Jahren des Stillstands hat die Stadt Böblingen nun darüber informiert, dass die Kreisbaugenossenschaft, der die Grundstücke gehören, einen Bauantrag gestellt hat. Dieser sei auch bereits genehmigt worden. Seit mehr als 30 Jahren werden in der Straße in Böblingen Häuser dem Verfall überlassen. Dichtes Gestrüpp und Bäume verdecken mittlerweile den Blick auf die verlassenen Ruinen. Geht nach Jahrzehnten des Stillstands nun endlich etwas voran? Die Kreisbaugenossenschaft gibt keine Informationen preis und hüllt sich weiter in Schweigen.

 

Immer wieder beschwerten sich Anwohner aus der Straße über das Gestrüpp, den Müll, den desolaten Zustand der Gebäude. In den Sommermonaten verschwinden die in die Jahre gekommenen Fassaden beinahe vollständig hinter der üppigen Pflanzenwelt, die sich in den Vorgärten der Häuser mittlerweile gebildet hat. Lediglich die Parkplätze auf den Grundstücken werden noch rege benutzt. Auch die Böblinger Baubügermeisterin Christine Kraayvanger äußerte in der Vergangenheit Kritik über die verfallenen Häuser und drängte darauf, dass die Kreisbaugenossenschaft auf den Grundstücken Neubauten errichten soll. Schließlich war der Bebauungsplan für das Gebiet bereits 2022 vom Böblinger Gemeinderat beschlossen worden.

Hinter dem Dickicht lugt ein Haus hervor. Foto: Stefanie Schlecht

Doch auch der Stadt Böblingen liegen keine genaueren Informationen zum weiteren Plan der Kreisbaugenossenschaft vor. Wann kommen die Abbruchbagger? Ab wann wird neu gebaut? All dies ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach haben die Anwohner in der Hohenstaufenstraße Post erhalten, in der über das neue Vorhaben informiert wurde. Auf Nachfrage will die Kreisbaugenossenschaft über ihr Projekt aber keine Auskunft geben. Der letzte Stand zu den Planungen war, dass in der Straße acht Mehrfamilienhäuser mit 50 Wohnungen für circa 150 bis 200 Menschen entstehen sollten. Ob diese Pläne allerdings noch aktuell sind, ist ebenfalls nicht klar. Die Böblinger Verwaltung kann lediglich bestätigen, dass es sich bei dem Vorhaben um mehrere Mehrfamilienhäuser handelt – aus Datenschutzgründen könne man keine weiteren Details bekanntgeben.

Eingeschlagene Fenster, verrottete Bausubstanz: Die Hohenstaufenstraße ist in Böblingen ein Sorgenkind. Foto: Stefanie Schlecht

Zum möglichen Hintergrund: Das Verhältnis zwischen der Stadt Böblingen und der Kreisbaugenossenschaft ist seit Jahren angespannt. Mitte der 90er-Jahre stimmte die Verwaltung den Bauplänen, die die Kreisbaugenossenschaft für das Areal vorgesehen hatte, nicht zu. Seither schwelt der Streit. Auch Rainer Schnaithmann, der Geschäftsführer der Kreisbau, war über die Jahre nicht unumstritten: Als er im Jahr 2012 seinen Chefsessel, den der damals 67-Jährige mehrere Jahrzehnte innehatte, für einen jüngeren Nachfolger räumen sollte, drohte er mit einer Klage wegen Altersdiskriminierung. Auch der damalige Aufsichtsratsvorsitzende wurde vor die Tür gesetzt. Einige Jahre zuvor musste ebenfalls der Aufsichtsratschef seinen Platz räumen, nachdem er Schnaithmanns Kurs kritisiert hatte. Noch heute wird Rainer Schnaithmann auf der Webseite der Kreisbau als geschäftsführender Vorstand gelistet.

Doch was bedeuten die neusten Entwicklungen nun für die Zukunft der Hohenstaufenstraße? Geht die Kreisbaugenossenschaft den verfallenen Häusern endlich an den Kragen? Die Stadt Böblingen informiert, dass ein Baubeginn vorher bei der Verwaltung angezeigt werden müsse – was bis jetzt offenbar nicht geschehen ist. Doch die Stadt stellt auch klar: Eine Baugenehmigung eröffne nur die Möglichkeit, zu bauen. Eine Baugenehmigung sei für drei Jahre gültig und könne um jeweils weitere drei Jahre verlängert werden. Ein Bauzwang bestehe allerdings nicht. Ob demnächst in der Hohenstaufenstraße also die Bagger rollen, bleibt also weiterhin im Dunkeln.

Streit um die Hohenstaufenstraße

Entwicklung
1937/38 errichtete die Kreisbaugenossenschaft in der Hohenstaufenstraße elf Mehrfamilienhäuser. Um 1990 wurden drei dieser Gebäude abgerissen und durch deutlich größere Zwölf-Familien-Häuser ersetzt.

Streit
Weitere Neubaupläne wurden von der Stadtverwaltung 1995 gestoppt, weil die Nachverdichtung als zu massiv erschien. Ein neuer Bebauungsplan reduzierte die bauliche Nutzung der restlichen Grundstücke 1999 deutlich. In den Folgejahren schwelte der Konflikt zwischen Kreisbaugenossenschaft und Stadtverwaltung. Die überwiegend leer stehenden Häuser verfielen.

Annäherung Erst 2017 kam es zu einer Annäherung. 2018 lagen dann Pläne für Häuser mit 50 neuen Wohnungen auf dem Tisch. Doch Nachbarn befürchteten weiterhin eine zu enge Bebauung und protestierten. Den nochmals überarbeiteten Plänen stimmte der Böblinger Gemeinderat im September 2022 zu und schuf Baurecht.

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