Der Choreograf, Tänzer und Pädagoge Selatin Kara unterrichtet Hip Hop für Teens und Modern Dance für alle Altersklassen

Feuerbach - Wie ist einer, der neben Michael Jackson getanzt, die erste Staffel von DSDS und die Oper „Manon“ mit Anna Netrebko und Rolando Villazon choreografiert hat? Wenn er Selatin Kara heißt, dann ist er ein Mensch, der sich gerne in der Glitzerwelt der Fernsehshows bewegt, dennoch die künstlerische Welt der Theater liebt und bei alledem ein großes Maß an menschlicher Tiefe entwickelt hat. In Feuerbach wohnt Selatin Kara seit 2006. Die Liebe hat ihn damals dazu bewogen, seinen Wohnsitz von Los Angeles, wo er zehn Jahre gelebt und mit vielen Hollywood-Größen gearbeitet hat, wieder ins Schwäbische zu verlegen.

Vor 37 Jahren wurde er in Heilbronn geboren, und weil seine Mutter noch immer da lebt, schätzt er heute die gute Anbindung an die Autobahn im Stuttgarter Norden besonders. Er mag aber auch, dass Feuerbach so grün ist und eine hervorragende Infrastruktur hat. Und dass er schnell im Opernhaus ist. Mit den Tänzern vom Stuttgarter Ballett versteht er sich gut; unvergessen ist der Erfolg, als er 2006, im Jahr der Fußball-EM, im Auftrag der Noverre-Gesellschaft einen Break-Dance „Le Bal des Bals“ auf Musik von Mozart choreografierte. Es ist frappierend, wie perfekt die leichte Geschmeidigkeit der Break-Dancer dem Wesen von Mozarts Musik entspricht. So stimmig ist das, dass sich fast unwillkürlich die Frage aufdrängt, wieso das vor Selatin Kara nicht schon viel mehr Choreografen gemacht haben. Obwohl Selatin Kara viel im In- und Ausland unterwegs ist, um zu choreografieren und Workshops zu geben, verbringt er etwa 40 Prozent eines Jahres in dem lebendigen Stuttgarter Stadtteil. Hier ist die Basis, wohin er immer wieder zurückkehrt.

Zwischen Lausanne und dem Felsenkeller

Demnächst wird er nach Lausanne in die französische Schweiz aufbrechen, um dort mit der renommierten Tanzschule Rudra-Béjart ein Stück zu erarbeiten: zur Musik von Igor Strawinsky. Keine leichte Aufgabe. Aber Selatin Kara hat schon einiges über die Symphonie gelesen, auch die Partitur hat er sich angesehen, um die Musik besser zu verstehen. Gleichzeitig unterrichtet er regelmäßig im Produktionszentrum Tanz und Performance im FelsenkellerHip Hop für Teens und Modern Dance für alle Altersklassen. Seine Schüler kommen zum Teil sogar aus Frankfurt.

„Ich unterrichte mit Leidenschaft. Jede Stunde mit mir ist wie ein Tanzabend“, begründet er, warum die Menschen so gerne zu ihm kommen oder ihn einladen. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Kara besitzt das Talent, jeden Kurs und jeden Kursteilnehmer genau dort abzuholen, wo er sich gerade befindet. Aus seinem breiten Repertoire von Tanzstilen wählt er genau die Bewegungen, die sich für die Schüler gut anfühlen und die, selbst wenn sie einfach sind, richtig gut aussehen. Er selbst hat zuerst Hip Hop gelernt, ehe er sich dann Jazz und Modern Dance, zeitgenössischen Tanz und schließlich klassisches Ballett angeeignet hat; unter anderem hat er in den USA mit dem Joe Tremaine Scholarship und dem Edge Scholarship zwei begehrte Stipendien bekommen.

Bekanntheit erleichtert den Zugang zu schwierigen Kindern

Wenn Kara choreografiert, interessieren ihn die Grenzen zwischen Stilrichtungen nicht. „Ich habe eine kleine persönliche Regel“, verrät er und lächelt schelmisch. „Es gibt keine Regel. Man sollte keine Regel brechen.“ Das gilt aber nur für den Bereich der Choreografie. Ansonsten sieht sich der Künstler als „bodenständig“. Und das ist kein Lippenbekenntnis: Er gibt regelmäßig Stunden an Grund- und Hauptschulen in Stuttgart und hat dort, wie er sagt, eine große Fangemeinde. Durch seine Bekanntheit in den Medien und seine deutsch-türkischen Wurzeln findet er leicht Zugang selbst zu den Jugendlichen, die Pädagogen gegenüber sonst wenig aufgeschlossen sind. „Für die bin ich ein bisschen wie der große Bruder“, hat er beobachtet. Ausschlaggebend für seine pädagogische Arbeit ist für ihn vor allem eines: „Ich hatte selbst gute Lehrer und sehe es als meine Pflicht an, das weiterzugeben. Wenn ich einen Schüler weiterbringen kann, macht mich das glücklich.“ Er hat, wie er erzählt, auf diese Weise schon manches Talent entdeckt und an Akademien weitergeleitet, das sonst nie diesen Weg gegangen wäre.

Wenn Selatin Kara sagt, dass er immer in Bewegung ist, bezieht sich das nicht nur auf den Tanz. Er liebt es, zwischen der Fernseh- und Theaterwelt und seiner pädagogischen Arbeit zu oszillieren. Dabei zieht er aus einem Bereich immer wieder Inspirationen für den anderen. „Fürs Fernsehen muss ich anders choreografieren als fürs Theater“, erklärt er. Für die flüchtigen Momente einer Show gelten andere Vorgaben als fürs Theater, wo ein Publikum über längere Zeit hinweg aufmerksam die Darbietungen verfolgt. Nebenbei hat er noch ein Buch geschrieben, das Tänzern helfen soll, ihr Leben besser zu managen – es liegt gerade beim Verlag. Und er macht an der Musikhochschule in Trossingen seinen Master im Fach Performance. Gestresst wirkt er bei alledem keineswegs. Sogar für seine kleine Tochter findet er Zeit. „Life is what you are. Don’t waste it“, ist sein Motto. Er lebt es. Und tut sich selbst und seinen Mitmenschen gut.

Mehr Informationen über Selatin Kara .

// Weitere Infos über Selatin Kara unter www.selatin.com