Selbstbehauptung Im Notfall fest auf die Nasenspitze schauen

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Die Viertklässler der Salzäckerschule lernen in einem Selbstbehauptungsseminar, wie sie sich gegenüber Fremden verhalten und sich selbst schützen können. Eine Polizeibeamtin gibt Tipps und übt mit den Schülern Gesprächssituationen.

Silke Stegmaier zeigt, wie leicht man am Arm gepackt werden kann. Foto: Stahlberg
Silke Stegmaier zeigt, wie leicht man am Arm gepackt werden kann. Foto: Stahlberg

Möhringen - Lassen Sie mich in Ruhe!“ Die Mädchen und Jungen der Klasse 4a der Salzäckerschule rufen diesen Satz im Chor. Und zwar so laut, dass einem beinahe die Ohren klingeln. Das ist genau richtig, denn leise und schüchtern sein ist beim Selbstbehauptungsseminar „Wehr’ dich mit Köpfchen“ nicht angesagt, ganz im Gegenteil. Vorige Woche war die Polizeibeamtin Silke Stegmaier vom Referat Prävention zu Besuch in der Salzäckerschule und übte diese Worte mit den Schülern ein.

Erst der Polizeibesuch und dann die praktische Umsetzung

Der Themenblock Selbstbehauptung ist in drei Bereiche eingeteilt. Zunächst führen die Lehrer ihre Schüler an das Thema heran. Dabei geht es um den eigenen Körper, um Gefühle, um gute und schlechte Geheimnisse. Im zweiten Block kommen Polizisten in den Unterricht und im dritten Block wird das theoretisch Erlernte gemeinsam mit dem Verein Gemeinschaftserlebnis Sport in die Praxis umgesetzt. Dabei üben die Schüler etwa, wie man einen Fremden, der einen anspricht, nicht beachtet und einfach vorbeigeht oder wie man laut und deutlich spricht.

In Letzterem üben sich die Schüler bereits an diesem Vormittag, gemeinsam mit der Polizistin Silke Stegmaier. Zum Start fragt sie die Jungen und Mädchen, wie man einen Polizeibeamten überhaupt erkennt. Schnell fallen die ersten Schlagwörter: die Uniform, das Landeswappen an der Schulter, die Waffe. Im Anschluss gibt die Beamtin vor, eine Fremde zu sein. Sie geht durch die Bankreihen und spricht die Schüler an. Die reagieren je nach Temperament – alle jedoch lassen sich in ein Gespräch verwickeln. Stegmaier betont: „Jemandem den Weg beschreiben ist okay, aber wir gehen keinesfalls mit oder steigen in ein Auto ein.“ Sie empfiehlt den Schülern außerdem, einen Sicherheitsabstand einzuhalten: mindestens eine Armlänge. „Dann kann man euch nicht so leicht packen.“

Ein fester Stand gibt den Verteidigern Sicherheit

Wie steht man richtig? Mit beiden Beinen fest auf dem Boden. „Dadurch bekommt man Sicherheit“, sagt Stegmaier. Einen optischen Trick hat die Beamtin auch auf Lager. „Wenn es euch unangenehm ist, demjenigen in die Augen zu schauen, schaut auf seine Nasenspitze.“ Denn fest ins Gesicht sehen ist ebenfalls eine Empfehlung. So wie alle Verhaltensweisen, die sagen: „Ich habe keine Angst.“ Nicht zu lachen und ernst zu bleiben, sei ebenfalls wichtig, sagt Stegmaier.

Sollte es zu einer Situation gekommen sein, in denen die Schüler sich unwohl fühlen, ist es unbedingt nötig sich jemandem anzuvertrauen. „Erzählt es einer Person, der ihr vertraut“, sagt Stegmaier. Den Eltern, Geschwistern, den Lehrern. „Ihr dürft bei eurer Erzählung nichts dazu erfinden, nur die Wahrheit sagen“, sagt die Polizistin.

Die Schüler verinnerlichen schnell das Erlernte

Wie verhält man sich allein zu Hause? Auch dafür hat die Polizeibeamtin Tipps mitgebracht. „Überlegt euch gut, wem ihr öffnet. Ist die Tür einmal auf, ist schnell ein Fuß drinnen und dann bekommt ihr sie nicht mehr zu.“ Ein Junge erzählt von seiner Vorgehensweise: er schaut erst aus dem Fenster, wer vor der Tür steht. Am Telefon solle man besser nicht verraten, dass man allein ist. „Ihr könnt in diesem Fall ruhig lügen und sagen, dass die Mutter gerade unter der Dusche ist zum Beispiel“, sagt Stegmaier. Auch nach dem Namen und der Nummer fragen sei sinnvoll. „Das schreckt ab, wenn einer Böses vorhat.“

Die zehnjährige Laura aus der 4b hat das Erlernte schon gut verinnerlicht: „Wenn ich einen Fremden treffe, der mir Geld anbietet, dann sage ich ‚Tut mir leid, ich habe keine Zeit’ und gehe einfach weiter“, erzählt sie. Und wenn sie einer packt? „Dann rufe ich ganz laut: ‚Lassen Sie mich sofort los!“, trägt die Zehnjährige vor. Ihre Stimme ist dabei laut und durchdringend, ganz und gar nicht schüchtern und leise.

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