Selbsthilfegruppe in Denkendorf Parkinson betrifft die ganze Familie
In Denkendorf hat sich eine Parkinson-Selbsthilfegruppe gegründet. Sie trifft sich einmal im Monat im Generationentreff.
In Denkendorf hat sich eine Parkinson-Selbsthilfegruppe gegründet. Sie trifft sich einmal im Monat im Generationentreff.
Wer die Diagnose „Parkinson“ bekommt, hat viele Fragen. Wo finde ich Hilfe, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und was kann ich tun, um den Verlauf zu verlangsamen? All dies beschäftigt nicht nur die Erkrankten, sondern auch ihre Angehörigen. „Parkinson betrifft immer die ganze Familie.“ Sigrid Jacob weiß das aus eigener Erfahrung. Ihr Mann Roland bekam 2014 die Diagnose. Da stand der heute 72-Jährige noch voll im Berufsleben als Dozent an der Hochschule Furtwangen. In einer Selbsthilfe-Gruppe im Schwarzwald-Baar-Kreis fanden die beiden nicht nur Antworten auf viele drängende Fragen, sondern auch gegenseitige Unterstützung. „Der Kontakt mit anderen hat uns sehr geholfen.“
Seit kurzem wohnt das Ehepaar in Denkendorf. Weil es in der Umgebung keine Parkinson-Gruppe gab, gründeten sie kurzerhand selbst eine. Die Gemeinde stellt ihnen dafür den Generationentreff mietfrei zur Verfügung. Wie groß der Bedarf ist, zeigte sich bereits beim Auftakttermin im März, als mehr als 30 Betroffene kamen. „Das war sehr ermutigend“, sagt Roland Jacob.
Einmal im Monat findet nun ein Treffen der „Selbsthilfegruppe Parkinson Denkendorf und Umgebung“ statt, das sowohl der Information als auch dem Austausch dienen soll. „Zu sehen, dass man nicht allein ist, gibt Kraft“, sagt Sigrid Jacob. Im Gespräch könne man sich gegenseitig stärken, Erfahrungen austauschen und Tipps geben. Denn das Krankheitsbild ist vielfältig und die ersten Symptome werden oft nicht erkannt. Bei Roland Jacob war es eine befreundete Ärztin, die auf seinen veränderten Gang mit kleinen Schritten aufmerksam machte. Hinzu kamen Probleme bei der Wundheilung nach einer Operation. Die Krankheit kam schleichend.
„Anfangs hatte ich keine großen Beschwerden“, erzählt er. Doch nach und nach veränderte sich seine Mimik, seine Sprache wurde verschwommener und die Schrift kleiner. Auch seine Körperhaltung wurde krummer und manchmal tritt das sogenannte „Freezing“ ein, das den Gang einfrieren lässt. Das klassische Zittern, dem Parkinson auch den Beinamen „Schüttellähmung“ verdankt, hat er dagegen nicht. Roland Jacob ging von Anfang an offensiv mit seiner Krankheit um. In den Vorlesungen bat der promovierte Ingenieur seine Studierenden, ihn darauf aufmerksam zu machen, wenn er undeutlich sprach oder seine Schrift schlecht lesbar wurde. „Die Krankheit zu verschweigen, macht es nur schwerer“, sagt Sigrid Jacob. Denn die Symptome können beim Gegenüber zu Irritationen führen. „Ich musste mich daran gewöhnen, dass mein Mann kaum noch lächelt“, erzählt die 72-jährige frühere Lehrerin. Zittern oder unsicherer Gang würden oft als Alkoholeinfluss gedeutet. Viele Betroffene ziehen sich zurück. Die Folge ist soziale Isolation. Auch dem soll die Selbsthilfe-Gruppe entgegenwirken. Beim gemeinsamen Kaffeetrinken oder einem Spielenachmittag steht die Geselligkeit im Vordergrund.
Vor allem geht es jedoch um Informationen, die die Lebenssituation verbessern. Der Jahresplan listet Vorträge zu vielfältigen Themen auf. Im April sprach ein Psychologe darüber, wie man mit Krisen umgehen kann. Eine Ernährungsberaterin klärte darüber auf, wie sich ein gesunder Lebensstil auf die Krankheit auswirkt. Medikamente helfen gegen die Symptome. Im Juni informiert ein örtlicher Apotheker darüber. Weitere Vorträge bis zum Jahresende bieten Informationen über Logopädie und Pflegestufen. Eine Ergotherapeutin erklärt, wie man die Hirnleistung trainieren kann. Denn nicht selten geht mit Parkinson auch eine Demenz einher.
„Wir wollen auch zeigen, was man selber tun kann“, sagt Sigrid Jacob. „Regelmäßige Therapie ist bei Parkinson sehr wichtig. Man muss aktiv bleiben“, erklärt Roland Jacob. Bei ihm stehen unter anderem Logopädie, Physiotherapie und tägliche Gymnastik auf dem Plan. Gemeinsam mit seiner Frau ist er viel zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs. Um seine Feinmotorik zu verbessern, spielt und bastelt Roland Jacob mit seinem Enkel mit der Modelleisenbahn. „Alles was schwerfällt, muss man besonders trainieren“, weiß er. Besonders morgens müsse er kämpfen, um in die Gänge zu kommen. Wichtig sei eine positive Einstellung: „Man muss die Krankheit annehmen.“
Eine positive Lebenseinstellung hält auch Hans-Jürgen Roscher für wichtig. Er bekam die Diagnose mit Anfang 50. Ein Rückzug ins Private kam für ihn nicht in Frage. Von der Selbsthilfegruppe für Denkendorf und Umgebung erhofft er sich den Austausch mit anderen. „Wenn man mitkriegt, wie es anderen geht, hilft das einem selbst weiter.“ Das bestätigt Siglinde Hüttner, die ihren erkrankten Mann begleitet. „Man bekommt viele Informationen.“ Diese wünscht sich auch Lore Hildenbrand, die seit einem Jahr weiß, dass sie Parkinson hat. „Ich hatte von vielem bisher keine Ahnung.“
Parkinson
Morbus Parkinson entsteht durch einen langsam fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn. Sie ist nicht heilbar. Es gibt bis heute nur die Möglichkeit, die Symptome zu behandeln. Charakteristische Symptome sind Bewegungsstörungen wie Verlangsamung der Bewegungen und Abläufe, Muskelsteifheit und Zittern. Ungefähr ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland über 60 Jahren ist laut Deutscher Parkinson-Vereinigung von dieser Krankheit betroffen. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig.
Selbsthilfegruppe
Die offene Selbsthilfegruppe trifft sich einmal im Monat jeweils dienstags um 15 Uhr im Generationentreff Denkendorf, Limburgweg 15. Eingeladen sind Betroffene und ihre Angehörigen aus Denkendorf und der Umgebung. Die Teilnahme ist kostenlos. Das nächste Treffen ist am 13. Juni.
Information zu dem Thema gibt es über Sigrid und Roland Jacob, Telefonnummer 07 11/50 07 96 18, oder per Mail unter dfa@online.de