Selbstständig zu sein fühlt sich manchmal an wie die absolute Freiheit. Und manchmal wie freier Fall. Im zweiten Teil unserer Serie erzählt unsere Autorin von ihrem Arbeitsalltag.

Es ist jetzt mittlerweile knapp drei Jahre her, seit ich mich entschlossen habe, mich selbstständig zu machen. So richtig los ging es allerdings erst nach dem Ende meiner Journalistenschule im Juni 2023. Seitdem habe ich immer wieder Sätze gehört wie „Das könnte ich aber nicht“, „Das wäre mir viel zu unsicher“, „Krass, wie du das alles organisierst“ oder „Da gehört auch ganz schön viel Mut dazu“.

 

Ich weiß wirklich nicht, ob ich das alles „Mut“ nennen würde. Bei mir war es eher ein Ausprobieren. Die ersten beiden Jahre habe ich mir immer wieder eine Deadline gesetzt und gesagt: „Nächstes Jahr um diese Zeit ziehe ich ein Fazit und dann sehen wir weiter.“ Die Sache ist allerdings die: Selbstständig zu sein ist keine Kurve, keine gerade Linie, die sich konstant entwickelt. Es ist eine Achterbahnfahrt, mit vielen Hochs, aber auch einigen Tiefs.

Steuererklärung macht Angst vor Gefängnis

Es gibt Momente, Tage, Wochen, in denen bin ich unendlich dankbar für die Chancen, die dieser Job mir bietet. Für die Möglichkeit, von überall auf der Welt aus zu arbeiten, mir meine Aufträge und Auftraggeber größtenteils selbst aussuchen zu dürfen oder auch einfach einen Friseurtermin auf Mittwochmorgen um 10 Uhr legen zu dürfen, ohne dass ich das mit jemandem abklären muss.

Doch genauso gibt es auch Zeiten, die es mir nicht leicht machen. Wenn die nächste Steuererklärung ansteht und ich Angst haben muss, in den nächsten Monaten wegen Steuerhinterziehung eingebuchtet zu werden, weil ich irgendwas vergessen oder nicht bedacht habe. Oder wenn die Aufträge ausbleiben, weil manche Redaktionen kein Budget mehr für freie Mitarbeiter:innen übrig haben, weil sich die Journalismusbranche stetig verändert oder weil ich mich selbst einfach nicht genug darum gekümmert habe. Oder einfach nur, weil es mir gerade nicht gut geht, mal mental und mal körperlich, und ich mich bei niemandem krankschreiben lassen kann, weil ich faktisch einfach kein Geld verdiene, wenn ich nicht arbeite.

Wie also geht man damit um und wie zieht man am Ende ein Fazit? Ich glaube, wenn ich etwas in den letzten zweieinhalb Jahren gelernt habe, dann, dass man vor allem durchhalten muss. Auf schlechte Phasen folgen immer wieder auch gute und selbst wenn ich einen Monat mal eine Durststrecke fahre, kommen dafür wieder zwei, die gut laufen. Ich neige gerne mal zum Drama und zum Overthinking, aber wenn ich ehrlich bin, ist mit etwas Abstand oft alles nicht so wild. Und es hilft auch enorm, sich dann immer wieder klarzumachen, welche Vorteile das alles hat.

Außerdem ist es gleichzeitig keine Verpflichtung fürs Leben. Niemand zwingt mich, für immer freiberuflich zu arbeiten und andersherum zwingt mich aber auch niemand in eine Festanstellung. Ich mache das, solange ich möchte und kann. Kurz gesagt also: Selbstständig zu sein heißt nicht, alles im Griff zu haben. Es heißt nur, selbst zu entscheiden, wie man damit umgeht. Und das reicht mir erst mal.