Selbstversuch: Fasten für das Klima Von kleinen Dingen und Anlaufschwierigkeiten

Von  

Unsere Redakteurin hat versucht, in der Fastenzeit anzukommen. Das ist gar nicht so leicht wie gedacht. Und doch war es eine gute Woche – nicht zuletzt wegen eines besonderen Fotos.

Die erste Primel ist ein großartiges Ding Foto: Stoppel
Die erste Primel ist ein großartiges Ding Foto: Stoppel

Waiblingen - Ich freue mich über kleine Dinge: über das Blau des Himmels, über Wolkenbilder, über eine sternenklare Nacht. „Schaut mal hoch, wie schön“, sage ich dann manchmal zu den Menschen, mit denen ich unterwegs bin. Schon vor dem Fasten hat es mich jedes Jahr gefreut, wenn die erste kleine Primel einen Farbklecks in unseren Garten zauberte, wenn die Vögel wieder zwitscherten oder es zum ersten Mal nach Frühling roch. Für mich sind das großartige Dinge. Und seit ein Freund von mir wegen seiner Leukämie monatelang in einem Isolierzimmer mit Luftfilter in einem Krankenhaus lag – kein Vogelgezwitscher, kein Frühlingsduft, keine Blumen – erscheinen sie mir noch viel kostbarer. Deshalb habe ich hinter die Anregung „In dieser Woche schärfe ich meine Sinne. Der Frühling beginnt – welche Pflanzen/Tiere umgeben mich, wie entwickeln sie sich?“ einen Haken in die Fastenbroschüre gesetzt.

Verzicht? Kommt erst noch

Es hat allerdings einige Tage gedauert, bis ich im Fastenmodus angekommen war. Das ist mir am Donnerstag bewusst geworden, als ich eine Freundin traf, die von meinem Selbstversuch gelesen hatte: „Worauf verzichtest du denn jetzt?“, fragte sie. „Verzichten kommt erst noch. Jede Woche hat einen anderen Schwerpunkt, jetzt muss man sich erst mal eine Struktur überlegen“, habe ich geantwortet. Es ist nicht so einfach, im vollgepackten Alltag neue Verhaltensweisen zu etablieren. Ich habe beschlossen, mir für jede Woche zwei bis drei Anregungen aus der Fastenbroschüre vorzunehmen und zu versuchen sie umzusetzen. Ich glaube, es ist besser, wenige Dinge richtig zu machen als viele Dinge nur halbherzig.

Am Sonntag bin ich mal wieder in die Kirche gegangen. Auch das auf eine Anregung hin: „In dieser Woche besuche ich einen Gottesdienst und danke Gott für die Schöpfung“. In der Predigt ging es um die geistliche Erneuerung des Menschen und darum, dass es uns oft so schwer fällt, schlechte Gewohnheiten abzulegen. „Wie schnell ist etwas kaputt gemacht und wie lange dauert es, es wieder in Ordnung zu bringen?“, lautete eine Frage, und spontan habe ich an das Abholzen der Regenwälder und die Verschmutzung der Meere gedacht. Und doch: „Egal, was wir angestellt haben, Gottes Liebe ist unerschöpflich“, so die Botschaft. Gott glaube daran, dass wir es besser machen können, er wertschätze alle ehrlichen Bemühungen.

Ein besonderes Foto

Ich habe nicht nur für die Schöpfung gedankt, sondern auch für ein Foto, das ich in dieser Woche erhalten habe. Es zeigt meinen ehemals krebskranken Freund lachend auf Skiern. Zwei Jahre nach seiner Stammzelltransplantation sind seine Blutwerte endlich so gut, dass er sich das letzte Stück Normalität zurückerobern konnte. Bald wird die Luft zum ersten Mal in diesem Jahr nach Frühling riechen. Mein Freund wird tief einatmen.

Aktion: Die Kirchen rufen von Aschermittwoch bis Ostersonntag zum Klimafasten auf. Unsere Redakteurin Kathrin Zinser macht mit und berichtet regelmäßig über ihre Erfahrungen.