Selenski in Kiew gewählt EU muss auf die Ukraine zugehen

Von Ulrich Krökel 

Der Politamateur Selenski ist ein Risikofaktor für die Stabilität im Osten Europas, meint Ulrich Krökel. Denn Kreml-Chef Putin und seine Strategen haben ihre eigenen Planspiele wohl schon gemacht.

In der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine gewinnt Wladimir Selenski haushoch gegen den bisherigem Amtsinhaber Petro Poroschenko. Foto: AP
In der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine gewinnt Wladimir Selenski haushoch gegen den bisherigem Amtsinhaber Petro Poroschenko. Foto: AP

Kiew - Die Ukraine bekommt einen Komiker als Präsidenten, und das ist leider überhaupt nicht lustig. Selenskis Sieg ist ein Risikofaktor ersten Ranges für Frieden und Stabilität im Osten Europas. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Putin und seine Kreml-Strategen schon diverse Planspiele durchgegangen sind, wie sie die Wahl eines blutigen Amateurs an die ukrainische Staatsspitze für ihre Zwecke nutzen können. Die Palette der Möglichkeiten dürfte dabei von einem bloßen Warten auf Fehler über gezielte Störmanöver bis hin zu einer Intensivierung der militärischen Konfrontation im Osten der Ukraine reichen.

Projektionsfläche für alle möglichen Sehnsüchte

Bei dieser Wut-Wahl stimmten die Ukrainer formal für Selenski, tatsächlich aber gegen die Dauerherrschaft einer korrupten Oligarchen-Clique. In diesem Sinn kann man sich als Demokrat über die freiheitliche Gesinnung der Ukrainer freuen. Aber nur begrenzt. Selenski hat es geschafft, sich als Projektionsfläche für alle möglichen Sehnsüchte anzubieten, die es in dem krisengeschüttelten Land gibt. Völlig offen ist die Frage: Was kommt jetzt? In dieser Situation sollte die EU handeln. Wenn sie die Ukraine mit ihren unverbesserlichen Demokraten nicht verlieren will, sollte sie ihre Aktivitäten in der Region schnellstmöglich intensivieren und dem Land eine echte Beitrittsperspektive eröffnen.