Selfiejäger aus Stuttgart Von Helene Fischer über King Charles bis zum ESC – einer ist immer dabei

Vor Corona ist Rainer Reddehase ein Selfie mit Helene Fischer bei der Echo-Verleihung in Berlin gelungen. Foto: /Reddehase

Der Stuttgarter Rainer Reddehase ist ein Fan mit riesiger Reichweite. Kaum hat er Helene Fischer genossen und mit dem VfB gezittert, fliegt er nach England – zur Krönung und zum ESC. Wie schafft dies der atemlose Selfiejäger?

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Als Immobilienhändler ist es Rainer Reddehase gewohnt, seine Entscheidungen schnell zu treffen. Ihm misshagte es, sich schon vor anderthalb Jahren Karten für Helene Fischer in seiner Heimatstadt Stuttgart zu kaufen. Der Mann mag’s lieber spontan. Am Dienstag entschied er sich also sehr kurzfristig dazu, zur Schleyerhalle zu fahren.

 

Eigentlich wollte Reddehase an der Abendkasse eine Karte für den Golden Circle der Schlagerkönigin (Preis: 280 Euro) kaufen, die den Zugang zur Zuschauerzone ganz vorne gestattet. Dieser Bereich befindet sich an den Seiten der Hauptbühne und vor der kleineren Bühne, die ins Publikum ragt. Sämtliche Karten für die teuersten Plätze waren zum Auftakt der Atemlos-Woche allerdings ausverkauft. Der 53-Jährige musste sich mit einem Stehplatz für 108 Euro „begnügen“ – und war hinterher sehr froh darüber.

Im Golden Circle sieht man sie vor allem von hinten

Der Golden Circle, diesen Eindruck hat er beim Konzert gewonnen, das ihn total begeistert hat, wäre wohl die „größte Fehlinvestition“ gewesen, wie er sagt. Denn auf „jedem normalen Stehplatz“ sei man besser dran gewesen und habe die Sängerin auch von vorne sehen können. Die Käuferinnen und Käufer der teuersten Karten dagegen hätten in erster Linie auf das Hinterteil des Megastars geschaut.

Rainer Reddehase hat bisher 15 Konzerte von Helene Fischer gesehen. Im vergangenen Sommer war er etwa in München, um die Sängerin mit 120 000 Fans zu feiern – bei seinem bisher größten Festival stand er im Golden Circle. Nach dem Auftritt in der Schleyerhalle jubelt der selbstständige Unternehmer noch mehr: „Das war ihr bisher bestes Konzert mit einer Show, die man sonst nur aus Las Vegas kennt.“ Über drei Stunden habe sie Vollgas gegeben und dem Publikum mit ihrer Vielseitigkeit ein unvergessliches Erlebnis beschert. Sein Fazit: „Zwar hat Helene in Stuttgart gesagt, sie sei auch nur ein Mensch – in Wahrheit aber ist sie eine Göttin.“

„Die VfB-Fans beim Halbfinale waren superklasse!“

Dass es auch Kritik am Geschäftssinn der Sängerin gibt – die Werbefilme auf der Leinwand vor Konzertbeginn kommen nicht bei allen gut an –, versteht der Mann, der viel mit Geld zu tun hat, allerdings nicht. Seine Antwort darauf lautet: „Willkommen im Leben!“

Wie man Geschäfte macht, weiß Reddehase. Die Erlöse seiner Immobilienverkäufe ermöglichen es ihm, dass er seit Jahren immer dort hinfliegt, wo was los ist. „Beruflich kann man alles digital steuern“, sagt er. Homeoffice erlaubt viel – die Welt ist sein „home“. Bei der Fußball-WM in Katar war der 53-Jährige natürlich dabei. Am Mittwochabend hat er mit dem VfB in der Mercedes-Benz-Arena mitgezittert („Die Fans waren superklasse, die ganze Zeit wurde getanzt!“). Am Freitag fliegt der Immobilienexperte, der in Steinenbronn wohnt, nach London, um die Krönung von King Charles III mitzuerleben. Danach geht es nach Liverpool, wo er beim ESC der deutschen Band Lord of the Lost die Daumen drückt.

Von Mike Tyson bis Angela Merkel, von Otto bis Marius Müller-Westernhagen – er hatte sie alle und postet sich mit den Stars bei Instagram und Facebook. Meist lächelt er spitzbübisch dabei. Wo was los ist, ist er schon da. Auch der großen Helene Fischer ist er bereits begegnet, nicht in Stuttgart, wo sie sich abseits der Bühne völlig abschirmt, aber vor Corona bei der Echo-Preisverleihung in Berlin. Immer wieder entdecken seine Stuttgarter Freunde ihn im Publikum von Live-Fernsehsendungen. 2009 saß er bei „Wetten, dass....?“ in Mallorca im Stadion und wurde von Thomas Gottschalk ausgewählt für die Arenawette mit dem Rettungsring. „Damals hatte ich schon über 100 Kilo, bin im Bademantel einmarschiert und mit Badehose in den Pool gesprungen vor Millionen von Zuschauern“, erzählt er. Wette gewonnen!

Wie es der Edelfan schafft, bei so vielen Events dabei zu sein? Am Geld allein liege es nicht, sagt er, man müsse hartnäckig sein, manchmal auch trickreich – und man müsse Glück haben. Um zum ESC zu kommen, trat er einem Fanclub bei, der Karten verlost hat – Reddehase hat eine gewonnen.

Jan Böhmermann und Harald Schmidt, sagt er, seien „arrogant“

Was treibt den atemlosen Immobilienmann an? „Meine Eltern sind früh gestorben“, antwortet er, „von ihnen habe ich gelernt, dass man am Ende seines Lebens oft die Dinge bereut, die man nicht gemacht hat.“ Also will er nichts aufschieben. Wenn er bei einem Ereignis dabei ist, über das alle reden, macht ihn das nicht unbedingt stolz. Aber Reddehase versteht die Welt dann ein bisschen besser, freut sich am Leben, wenn er kulturelle Höhepunkte genießen kann. Die meisten Promis, die er trifft, seien „echt“, sagt er. Aber es gebe auch arrogante VIPs wie Jan Böhmermann und Harald Schmidt, denen er nur einmal begegnen will. Ausdrücklich lobt er indes Frank-Walter Steinmeier, Thomas Gottschalk – und seine Helene sowieso.

Einen sportlichen Ehrgeiz hat er entwickelt, überall aufzutauchen, wo gerade was los ist. Achtung, King Charles – Mister Reddehase from Stuttgart is coming!

Weitere Themen