Seltene Tierart Wildkatze im Schönbuch bei Herrenberg nachgewiesen
Jüngst ist der erste genetische Nachweis einer Wildkatze im Schönbuch bei Herrenberg gelungen. Die Tiere sind streng geschützt und sehr scheu.
Jüngst ist der erste genetische Nachweis einer Wildkatze im Schönbuch bei Herrenberg gelungen. Die Tiere sind streng geschützt und sehr scheu.
Im Schönbuch bei Herrenberg hält sich eine Wildkatze auf. Das haben Aufnahmen einer Wildtierkamera und erstmals ein Gentest zweifelsfrei bewiesen. Eine kleine Sensation. Denn die streng geschützten Tiere sind sehr scheu. Dass die Wildkatze entdeckt wurde, ist ein „seltener Treffer“, sagt Andreas Hank, Wildtierbeauftragter und Förster im Kreis Böblingen.
Lange war unklar, ob es überhaupt noch oder wieder Wildkatzen im Schönbuch gibt. Ihre jetzt bewiesene Anwesenheit kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass sich die nachhaltigere Bewirtschaftung des Waldes auszahlt. Denn: „Die Wildkatze ist eine Leitart. Sie ist sehr anspruchsvoll. Wenn man ihren Ansprüchen genügt, trifft das auch auf alle anderen Arten zu“, sagt Hank.
Vor etwa 100 Jahren galten das heutige Baden-Württemberg und Bayern als frei von Wildkatzen, sagt Hank. Schutzmaßnahmen hätten dazu geführt, dass sich die Tierart in bestimmten Bereichen wieder ansiedelte. Bislang war allerdings unklar, ob das auch auf den Schönbuch zutrifft. Zwar wurde laut Hank vor zehn Jahren möglicherweise eine Wildkatze gesichtet. Die Bestätigung mithilfe eines Gentests war damals jedoch nicht möglich. So sei die Frage offen geblieben, ob es sich um eine artenreine Wildkatze oder um eine ähnlich aussehende Mischung aus Haus- und Wildkatze gehandelt hat.
„Jetzt ist der Nachweis geglückt“, freut sich der Wildtierbeauftragte. Fotografiert wurde die Wildkatze bereits im Januar, in einem Gebiet, in dem die Stadt Herrenberg die Jagd selbst organisiert. Manuel Scheible, der dort jagt, entdeckte die Aufnahme auf einer Wildtierkamera und meldete seinen Fund an Stadt und Forstamt, berichtet Hank. Scheible zu Ehren wurde die Katze „Manu“ getauft. „Bei diesem Tier waren alle Merkmale einer Wildkatze gegeben“, sagt Hank – beispielsweise ein buschiger, geringelter Schwanz und ein nicht durchgängiger, dunkler Strich auf dem Rücken.
Doch der endgültige Beweis stand noch aus. Man holte die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) ins Boot. Stefanie Knorpp, Revierförsterin im Herrenberger Stadtwald, habe in Absprache mit der FVA sogenannte Lockstöcke im Wald verteilt, berichtet Hank. Auf diese Holzlatten trug sie Baldrianextrakt auf – offenbar ein Duft, dem Katzen in der Paarungszeit zwischen Januar und März kaum widerstehen können.
Allerdings passierte erst einmal nichts – bis kurz vor Ende der Paarungszeit. Am 28. März war auf Wildtierkameras zu sehen, wie sich die Wildkatze an den Lockstöcken rieb. Auf deren rauer Oberfläche blieben Haare zurück, die laut Hank ausreichten um nachzuweisen: Es handelt sich um ein weibliches Tier und um eine artenreine Wildkatze. „Intern haben wir uns total gefreut, aber wir haben uns zunächst bedeckt gehalten, weil wir nicht wollten, dass die große Suche losgeht“, sagt Hank. Beim Waldbegang mit dem Herrenberger Gemeinderat Mitte September verkündete Knorpp dann die gute Nachricht.
Eine Gefahr für Mensch oder Haustier gehe von der Wildkatze nicht aus, betont Hank. Sie zu sehen, sei im Prinzip unmöglich. Dafür ist sie zu scheu, zu klein und zudem nachtaktiv. „Wenn man sie sucht, wird man sie nicht finden – aber vielleicht stören“, gibt der Wildtierbeauftragte zu bedenken.
Obwohl nun klar ist, dass sich mindestens eine Wildkatze im Schönbuch aufhält, bleiben Fragen offen. Wo sie herkommt und seit wann sie im Schönbuch lebt, lässt sich kaum sagen. Auch ein Zusammenhang mit der Sichtung von vor zehn Jahren wäre laut Hank zumindest möglich und könnte ein Hinweis auf eine kleine Population sein. Belege dafür gibt es aber nicht.
Der Wildtierbeauftragte wertet den Nachweis von „Manu“ als Erfolg für die Schutzbemühungen der vergangenen Jahre. „Das ist eine Belohnung für unsere Arbeit.“ Dazu zählt aus seiner Sicht auch die Umstellung auf einen naturnahen Waldbau. Die Wildkatze brauche einen strukturreichen Wald, mit Totholz, Baumhöhlen, Gestrüpp, aber auch Freiflächen, auf denen sie Mäuse – ihr Hauptnahrungsmittel – fangen kann.
Zudem unterstreiche „Manu“ die Wichtigkeit, Biotope miteinander zu vernetzen. So befindet sich seit einigen Jahren bei Herrenberg ein Wildkatzenkorridor im Aufbau. Noch klafft an der Bundesstraße 14 zwischen Herrenberg und Nufringen eine Lücke, die aber geschlossen werden soll. Nördlich der Polizeihochschule beim Rötelesberg ist eine Brücke für Wildkatzen und andere Wildtiere in Planung, die helfen soll, den Schönbuch mit dem Nordschwarzwald zu verbinden.
Wildkatzen
Bislang verzeichnete die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) rund um Böblingen und in der Region Stuttgart noch keinen einzigen gesicherten Nachweis einer Wildkatze. Größere Vorkommen gibt es vor allem im Schwarzwald und Richtung Schweizer Grenze. Einen Überblick bietet eine Karte unter www.wildkatze-bw.de/zahlen-und-fakten
FVA
sitzt in Freiburg und forscht zu Themen rund um Wald und Forstwirtschaft. Zu ihren Aufgaben zählt auch das Monitoring von Wildtieren wie Wölfen, Luchsen oder Wildkatzen.