Seltenes Zebra in Afrika Gepunktetes Zebra-Junges begeistert Kenia-Besucher

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Ein gepunktetes Zebra-Junges ist der neue Star im Masai-Mara-Nationalpark in Kenia. Normalerweise haben afrikanische Steppenzebras ein schwarz-weißes Streifenmuster. Durch einen seltenen Gen-Defekt hat dieses Exemplar allerdings braunes Fell mit weißen Punkten.

Das Streifenmuster von Zebras dient als Tarnung. Die Überlebenschancen des Jungtieres sind gering, weil es von Löwen und anderen Raubtieren in der Steppe einfacher entdeckt  werden kann. Foto: /Courier Mail 11 Bilder
Das Streifenmuster von Zebras dient als Tarnung. Die Überlebenschancen des Jungtieres sind gering, weil es von Löwen und anderen Raubtieren in der Steppe einfacher entdeckt werden kann. Foto: /Courier Mail

Massai Mara - Ein gepunktetes Zebra (englisch: spotted zebra) sorgt derzeit für einen Besucheransturm im größten Nationalpark Kenias, dem Masai Mara, der direkt an den nördlich in Tansania gelegenen berühmten Serengeti-Nationalpark angrenzt. Das Jungtier ist erst vor wenigen Tagen geboren worden und unterscheidet sich nicht nur aufgrund seiner braunen Farbe von seinen schwarz gestreiften Artgenossen.

Hat jemand das Tier angemalt?

Gesichtet wurde es erstmals am 13. September, wie die kenianische Zeitung „The Nation“ berichtet. Ein Safari-Führer dachte beim ersten Anblick, jemand hätte das Tier angemalt.

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Überlebenschancen sind gering

Doch es gibt einen Grund für die ungewöhnliche Fellfärbung: Das kleine Zebra produziert zu viel Melanin, ein brauner oder schwarzer Farbstoff, der die Steppentiere in der Regel ihre übliche Färbung gibt. Gepunktete Zebras sind extrem selten, ihre Überlebenschancen zudem äußerst gering.

Durch die Melanin-Überproduktion ist es wahrscheinlich, dass das Tier auch andere Krankheiten hat. So überlebten andere gepunktete Zebras bisher nie länger als sechs Monate. Durch die fehlenden Streifen ist es von Fleischfressern zudem einfacher in der afrikanischen Steppe ausfindig zu machen.

Hybrid-Tiere: kein Betriebsunfall der Natur

Dass ein Zebra nicht dem schwarz-weiß-gestreiften Regelfall entspricht, kann auch noch einen Grund haben: Kreuzungen zwischen verwandten Arten. Lange Zeit dachte man, dass Seitensprünge im Tierreich eine Art Betriebsunfall der Natur seien. Hybrid-Individuen galten als seltene Ausnahme, die in der Evolution nicht vorgesehen war.

Die Verpaarung verschiedener Arten war das Ergebnis menschlicher Zucht und nicht natürlicher Arterhaltung. In der Regel ist der Nachwuchs – sogenannte zwischenartliche Hybride – steril und kann sich nicht fortpflanzen. Biologen haben ihnen deshalb in freier Wildbahn kaum Beachtung geschenkt.

Zebrule, Zesel und Ebra aus der Familie der Zebroide

Doch es gibt sie – auch in freier Wildbahn. Kreuzungen zwischen Zebra und Esel werden Zebrule (von englisch „zebra“ und „mule“), Zonkey (von „zebra“ und „donkey“), Zesel oder Zebresel genannt, wobei der Vater ein Zebra ist. Fohlen einer Zebrastute sind aufgrund des aggressiveren Paarungsverhaltens der weiblichen Tiere noch sehr viel seltener als Zesel.

Das Ebra gehört zu den Zebroiden – Hybride innerhalb der Gattung Pferde aus Kreuzungen zwischen einem Zebra und einer anderen Pferdeart. Das Zebraweibchen wurde in dem hessischen Tierpark gezeugt und lebte dort 29 Jahre lang bis zu seinem natürlichen Tod im Jahr 2009. Dass es nun im Naturhistorischen Museum in Mainz stehe, gehe auf eine alte Abmachung zwischen dem Haus und dem Park zurück, erklärt Unger.

Das Ebra-Präparat ist nach Angaben der zoologischen Präparatorin des Museums, Bettina Henrich, deutschlandweit einzigartig. Vielleich sei es auch weltweit das einzige, sagte sie. Ihr selbst seien überhaupt nur drei Fälle von gezeugten Ebras auf der Welt bekannt.

Grolar und Pizzly

Auch der Bär, den ein Jäger 2010 in der westkanadischen Arktis vor die Flinte bekam, war ein zoologisches Kuriosum. Braune Beine und Tatzen wie ein Grizzly, dickes weißes Fell wie ein Polarbär. Grolar oder Pizzly nennen die Kanadier diese ungewöhnliche Kreuzung, von der bisher nur wenige Exemplare gesichtet wurden. Die Tiere sind eine Hybrid-Bildung, die aus der Paarung zwischen Eltern verschiedener Arten hervorgegangen ist: Mutter Eisbär, Vater Grizzly.

Hinzu kommt: Hybride sind von ihrer Elternart kaum zu unterscheiden. Die morphologische Ähnlichkeit ist in der Natur so groß, dass man spezielle genetische Methoden benötigt, um sie zu identifizieren.

Erst nachdem Ende der 1980er Jahre molekulargenetische Verfahren auch in der Zoologie Anwendung fanden, zeigte sich, dass Kreuzungen unterschiedlicher Arten gar nicht so selten vorkommen wie angenommen. „Hybride sind kein Betriebsunfall der Evolution, sondern ein Nebeneffekt, der auftritt, wenn Arten entstehen“, erklärt Klaus Schwenk Professur für molekulare Ökologie am Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau.

Hoher Anteil an hybridisierenden Arten

Der Evolutionsbiologe schätzt, dass bis zu zehn Prozent aller tierischen Lebenformen sich mit fremden Arten kreuzen. „Im ganzen Tierreich gibt es viele hybridisierende Arten.“ Schwenk hat zusammen mit anderen Forschern sämtliche Veröffentlichungen zum Thema Hybride aus 60 Jahren untersucht – insgesamt 21 972 Publikationen. Das Ergebnis stellt die bisherige Lehrmeinung auf den Kopf.

Demnach gibt es in allen Tiergruppen einen hohen Anteil hybridisierender Arten. Anders als bei Säugetieren findet sich bei Vögeln, Amphibien und Reptilien nur eine geringe Sterilitätsrate. Kreuzungen zwischen Individuen unterschiedlicher Arten oder Entwicklungslinien sind bei Organismen also die Regel und nicht die Ausnahme.