Sendemast in Stuttgart-Rohr Misst die Stadt beim Mobilfunk mit zweierlei Maß?

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Anwohner auf der Rohrer Höhe kritisieren, dass ihre Ablehnung eines Sendemasts offenbar weniger wert ist als die der Uni Hohenheim.

Für den geplanten Sendemast müssten einige Bäume weichen. Die Anwohner wollen, das nicht. Foto:  
Für den geplanten Sendemast müssten einige Bäume weichen. Die Anwohner wollen, das nicht. Foto:  

Rohr - Die Universität Hohenheim hat einen Mobilfunkmast auf ihren Versuchsfeldern abgelehnt, für einen Standort auf der Rohrer Höhe hingegen hat die Stadt bereits letzten Herbst die Baugenehmigung erteilt. Für die Anwohner des Wohngebiets in dem Vaihinger Stadtteil ist das nicht nachvollziehbar. Auf Nachfrage bei der Stadt erklärte Baubürgermeister Peter Pätzold den Anwohnern, bei der Entscheidung gegen den Mobilfunkstandort in Hohenheim sei es der Uni nicht in erster Linie um die Strahlung gegangen, sondern um die Eingriffe in den Boden durch die Fundamente sowie die Verschattung durch den Mast.

Warum kann der Mast nicht einige Meter versetzt werden?

„Das heißt, das Thema Strahlung hat doch eine Rolle gespielt – in zweiter Linie“, schreiben die Anwohner in einer Stellungnahme auf Pätzolds Antwort. Durch Eingriffe in den Boden durch Fundamente sei sicher nicht ein komplettes Versuchsfeld tangiert. „Eben so wenig überzeugt das Argument Verschattung der Versuchsfelder durch den Mast. Wie geht man mit gelegentlichen Schatten von Wolken um? Auch ein Mast wirft nicht dauerhaft Schatten, aber seine Antennen strahlen 365 Tage lang rund um die Uhr“, so die Initiative Sendemast Rohrer Höhe. Das Fazit der Anwohner: „Die Universität Hohenheim hat die Macht, bei den Entscheidungsträgern wirkungsvoll Einfluss zu nehmen, anders als die Bewohner der Rohrer Höhe. Offensichtlich wird mit zweierlei Maß gemessen und der Schwächere hat von vornherein verloren.“

Die Rohrer fragen, warum die Stadt den geplanten Mast nicht einige Meter weiter in Richtung Autobahn versetzen lässt, das würde den Abstand zu den nächst gelegenen Wohngebäuden auf mindestens 50 Meter vergrößern. „Wo ist das Problem? Wurde bei der Standortsuche auch der Waldparkplatz an der Waldburgstraße in Betracht gezogen? Hier ist der Abstand zu Wohngebäuden in jedem Fall sehr viel größer als dies an der Ecke Musberger Straße/Rohrer Höhe der Fall ist“, so die Bürgerinitiative.

Langzeitfolgen von 5G sind nicht erforscht

Die Anwohner fürchten zudem, dass der Sendemast auf der Rohrer Höhe dem Ausbau des schnellen 5G-Netzes dienen soll, obwohl die Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur für das Flurstück lediglich Funkanlagen für den Mobilfunkstandard LTE erteilt wurde. 5G, sagen die Anwohner, sei „kontrovers diskutiert“. Wissenschaftler wie Ernst Ulrich von Weizsäcker beispielsweise forderten „angesichts nicht absehbarer gesundheitlicher Langzeitfolgen einen Stopp beim Ausbau des 5G-Standards“, Städte wie Brüssel oder Genf hätten bereits reagiert.

„Wie bereits von anderen Seiten mehrfach gefordert, ist es höchste Zeit, wegen den mit 5G-Mobilfunk verbundenen Gesundheitsrisiken ein Vorsorgekonzept zu erstellen. Ein wesentlicher Punkt dieses Vorsorgekonzeptes wäre die Auflage, Versorgungslücken im Festnetz ausschließlich durch den Ausbau des Breitbandnetzes zu schließen. Versorgungsengpässe im Festnetz durch den Einsatz von Hybridroutern via LTE- oder 5G-Mobilfunk zu überbrücken, wäre ohne Ausnahme zu untersagen“, schreiben die Anwohner und bitten die Stadt erneut: „Ziehen Sie die Baugenehmigung für den geplanten Mobilfunkmast zurück!“

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