Geheimoperation zum Iran-Krieg? Sender funkt persische Botschaften aus Wald bei Stuttgart

, aktualisiert am 08.04.2026 - 08:46 Uhr
Die Antenne, von der aus die Signale möglicherweise in Richtung Iran gesendet wurden, steht auf US-Militärgelände bei Musberg. Hinter Bäumen ist die Antenne allerdings nur schwer zu erkennen. Foto: Google Maps/Michael Bosch

Mysteriöse Botschaften in Farsi werden aus Baden-Württemberg gesendet. Ein Netzwerk von Funk-Enthusiasten hat den Ort ausgemacht. Wie sieht es dort aus?

Es klingt ein wenig wie im Kalten Krieg: Auf einem Kurzwellensender werden seit einigen Tagen mysteriöse Botschaften verbreitet. Eine männliche Stimme referiert zweimal am Tag für je zwei Stunden 20-minütige Zahlenkolonnen auf Farsi beziehungsweise Persisch, der im Iran gebräuchlichen Landessprache. Der dazugehörige Sender soll mitten in Baden-Württemberg stehen. Amateurfunker des Netzwerks Priyom wollen ihn im Glemswald südwestlich von Stuttgart lokalisiert haben.

 

Priyom ist eine Plattform, auf der Funkenthusiasten mysteriöse Signale wie Spionagefunk oder Propaganda-Sendungen verfolgen. Sie dokumentiert Frequenzen, Zeitpläne und die Identifikationscodes von Stationen. Die seit einigen Tagen festgestellten Sequenzen haben sie beispielhaft dokumentiert und zum Nachhören online gestellt.

Zwischen Panzerkaserne und Patch Barracks: eine riesige Antenne

Demnach ist der Ablauf immer gleich. Zunächst wird dreimal das Wort „tavajjoh“ gesprochen, was soviel wie „Achtung“ heißt. Dann folgen die Zahlen, jeweils in einer Folge von fünf Ziffern: 64096, 11050 oder 56173 – über die Bedeutung kann auch Priyom nur spekulieren. Zunächst hatte der „Spiegel“ über die Erkenntnisse von Priyom berichtet.

Begonnen hatten die Sendungen laut Priyom am 28. Februar auf der Kurzwellenfrequenz 7910, wenige Stunden nach dem Beginn des US-Angriffs auf den Iran. Nicht nur deshalb vermuten die Amateurfunker, „dass es sich um eine US-Geheimdienstoperation gegen das Regime der Islamischen Republik“ handelt. Dafür spricht auch der Ort der Funkstation. Sie befindet sich in der Nähe der Böblinger Panzerkaserne und den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen, dem Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa.

Warnhinweise der US-Streitkräfte auf dem Musberger Sträßle Foto: STZN/Michael Bosch

Verbotener Wald bei Stuttgart

Wer das Musberger Sträßle – einen beschaulichen Pfad, den vor allem Spaziergänger nutzen – entlang geht, stößt etwa zwei Kilometer nach dem Parkplatz „Häfner Steige“ auf überdimensionierte Warnschilder der amerikanischen Streitkräfte. „Vorsicht Lebensgefahr“, steht darauf. Und: „Unbefugtes Betreten verboten“. Erst im Kleingedruckten wird klar: man darf sehr wohl weitergehen. Allerdings ist es nicht erlaubt, die Straße zu verlassen, wobei das in Anbetracht des Drahtzauns auf beiden Seiten auch schwer möglich ist.

Lost-Place-Ambiente

Wenige Meter weiter ist hinter Bäumen die riesige, mindestens 25 Meter hohe Antenne zu sehen, mit der die mysteriösen Signale in die Welt gesendet worden sein könnten. Kurzwellen können teils Tausende Kilometer entfernt empfangen werden – auch wenn andere Systeme wie Internet oder Mobilfunk gestört oder abgeschaltet sind. Wie lange der Mast dort schon steht, ob er extra errichtet wurde, auch das ist unklar. Allerdings standen auf dem Gelände, das zeigen ältere Karten, auch schon vier Antennen, die mutmaßlich abgebaut wurden. Am Mittwochmittag war die Antenne, die einer überdimensionierten Fernsehantenne ähnelt, in Richtung Südosten gerichtet.

Spezialeinheit der „Green Berets“

Auf dem Gelände sind Soldaten, die zum ersten Bataillon der 10. Special Forces Group der US Army gehören, stationiert. Es handelt sich hierbei um eine Elite-Spezialeinheit, die allgemein als „Green Berets“ bekannt ist. Die Aufgaben der Einheit umfassen „unkonventionelle Kriegführung“, „ausländische interne Verteidigung“ (Foreign Internal Defense), „direkte Kampfeinsätze“ (Direct Action), Spezialaufklärung und Terrorismusbekämpfung. Auch Einheiten der Marines trainieren an dem Stützpunkt offenbar.

Steckt der CIA dahinter?

Eine Anfrage unserer Zeitung zu den Übertragungen und dem rätselhaften Anwesen ließen die US-Streitkräfte zunächst unbeantwortet. Auch die Bundesnetzagentur machte gegenüber dem „Spiegel“ keine Angaben. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA sei ein naheliegender Kandidat für den Betrieb des Senders, schreibt Priyom auf seiner Internetseite. Um verdeckte Agenten in einem extrem feindlichen Umfeld zu steuern, seien Kurzwellensender nach wie vor eine gebräuchliche Methode. Durch Reflexion an der Ionosphäre sind Kurzwellensignale auch Tausende Kilometer entfernt noch zu empfangen, unabhängig von Satelliten oder Kabeln.

Der Eingang zum Militärgelände, auf dem die Antenne steht. Foto: StZN/Michael Bosch

Iran blockiert Kurzwellen aus Stuttgart mit Störsender

Dies funktioniert auch in entlegenen Gebieten. Allerdings reagierte die Gegenseite mit einem Störsender, der laut Priyom am 8. März auf Sendung ging. Nach einer mehrtägigen Pause wurden die Zahlenkolonnen dann auf einer anderen Frequenz verlesen. Auch diese Frequenz wurde kurz darauf erneut gestört.

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