Sendungen im Strohgäu oft verspätet Keine Briefe – und die Post blockt Beschwerden ab

Von Patricia Beyen und  

Viele Anwohner aus Ditzingen und Hemmingen sind verärgert: ihre Post kommt nur noch unregelmäßig bei ihnen an. Dabei warten einige auf wichtige Dokumente oder – wie im Fall eines Hausarztes – auf dringende Laborbefunde. Eine schnelle Lösung ist laut Post allerdings nicht in Sicht.

Seit Monaten kommen Briefe in Ditzingen und Hemmingen verspätet an – in der Verteilerstelle in Ditzingen mangelt es an Personal. Foto: dpa
Seit Monaten kommen Briefe in Ditzingen und Hemmingen verspätet an – in der Verteilerstelle in Ditzingen mangelt es an Personal. Foto: dpa

Strohgäu - Fast zwei Wochen musste Sandra Reichl auf ihre Fahrzeugpapiere warten. Denn die waren in der Post liegen geblieben, irgendwo zwischen dem Autohaus, bei dem sie ihr Fahrzeug gekauft hatte, und ihrer Wohnungen in Hemmingen. „Normalerweise kommt bei uns täglich die Post “, sagt Reichl. Deswegen sei sie stutzig geworden, als Anfang des Monats keine Briefe mehr ankamen. Auch ihre bestellten Konzertkarten hat die Hemmingerin verspätet erhalten.

Die Nachbarin habe daraufhin den Paket-Boten, der immerhin noch regelmäßig kommt, befragt. Dessen Antwort deckt sich mit dem, was auch die Pressestelle der Post als Grund für die Ausfälle angibt: Krankheit und Personalmangel. Im Zustellstützpunkt in Ditzingen, von dem aus auch Hemmingen beliefert wird, sei es in den letzten Wochen durch „kurzfristige Personalausfälle“ zu Engpässen bei der Briefzustellung gekommen, so ein Sprecher.

Die Gewerkschaft DPVKOM sieht das anders. Sie moniert ein grundsätzliches Problem: „Die Deutsche Post darf sich nicht wundern, wenn die Beschwerden der Kunden hinsichtlich der Zustellung von Briefen und Paketen zunehmen. Fehlendes Personal sowie ein viel zu hoher Krankenstand, der nicht zuletzt aus den schweren und mitunter krankmachenden Arbeitsbedingungen resultiert, gefährden die Qualität der Zustellung und verärgern die Kunden“, meint die Bundesvorsitzende, Christina Dahlhaus. Sie forderte bereits Mitte des Jahres, das Unternehmen müsse die „hausgemachten Probleme schnellstmöglich lösen“.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur sind die Beschwerden von Postkunden gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen: Im ersten Halbjahr 2018 seien bereits so viele registriert worden wie im gesamten Jahr 2017. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg verweist in diesem Kontext auf das Beschwerdeportal im Internet „Post-Aerger.de“. Das Projekt wird vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert.

Das Servicetelefon der Post blockt Anrufer an

Für Sandra Reichl erklärt dies allerdings nicht, wieso man sie am Telefon barsch abgewiesen habe. Denn in der Postfiliale in Hemmingen habe ihr die Mitarbeiterin die Telefonnummer des Kundenservice genannt. „Dort habe ich auch angerufen. Allerdings hat die Telefonistin so getan als höre sie mich nicht und einfach aufgelegt. Und das gleich drei Mal.“ Auch einigen Nachbarn sei es so ergangen.

Etwa zwanzig Hemminger haben sich in den letzten zwei Wochen in den Sozialen Medien darüber beschwert, dass ihre Post nicht angekommen ist und ihre telefonischen Anfragen abgeblockt worden seien. „Als ich ein paar Tage später noch einmal anrief, sagte mir ein Mitarbeiter, dass er nichts von Beschwerden in Hemmingen wisse. Das war doch glatt gelogen“, sagt Reichl. Am 11. Oktober hat die Hemmingerin zuletzt Post erhalten, seitdem aber nicht mehr. „Allerdings erwarte ich momentan keine wichtige Post“, sagt sie. Anders als Stefan Mezger. Auch er hat innerhalb von zwei Wochen nur einmal Briefe erhalten, am 15. Oktober. „Der älteste Poststempel war vom 28. September“, klagt er, „der jüngste vom 13. Oktober“.

Lebenswichtige Laborberichte kommen zu spät an

Ähnliche Erfahrung hat auch Erika Schäffer aus Ditzingen gemacht. Der Anruf bei der Postzentrale habe bei ihr allerdings gewirkt. Seit drei Monaten erhalte sie ihre Post nur noch unregelmäßig, etwa einmal in der Woche, erzählt sie. Daher wollte sie nachhaken, was denn los sei. „Beim Beschwerdetelefon hat man mir gesagt, ich würde jeden Tag meine Post bekommen. Aber das ist ja nicht wahr.“ Gestaunt hat die Rentnerin jedoch, als noch am selben Tag ein Postauto vor ihrem Wohnhaus hielt und Briefe eingeworfen wurden. „Aber nur bei uns. Die Nachbarn haben ihre Post an dem Tag nicht bekommen.“ Die nächsten Sendungen seien allerdings auch bei ihr erst eine Woche später eingetroffen. „Also mindestens zweimal in der Woche Post zu bekommen wäre schon schön“, sagt Schäffer. „Vor allem, wo doch auch mal ein wichtiger Brief vom Amt dabei sein könnte, auf den man reagieren muss.“

Jeden Tag auf wichtige Korrespondenzen wartet Horst Ludewig. Der Allgemeinmediziner betreibt eine Arztpraxis in Ditzingen-Heimerdingen und klagt darüber, dass er Briefe, wie etwa wichtige Arztberichte von Kollegen, nur unregelmäßig erhält. „Als Arztpraxis ist man auf die tägliche Post angewiesen“, sagt der Mediziner. Er verweist auf eine mögliche Dringlichkeit dieser Schreiben: „Es könnte auch mal was Lebensbedrohliches in den Laborberichten drin stehen.“ Seit etwa vier Wochen treffe seine Korrespondenz nur unregelmäßig ein. Zuletzt habe er am vergangenen Freitag rund 60 Briefe erhalten – die Sendungen der gesamten Woche. Eine Aushilfe aus Herrenberg habe diese gebracht. Auch viele seiner Patienten erzählten von verspäteten Briefen. „Mich ärgert das sehr“, sagt Ludewig.

Post sucht dringend Mitarbeiter

Um dem Engpass entgegenzuwirken, setzt die Post laut ihrem Sprecher nun Kollegen aus anderen Zustellgebieten und aus der Verwaltung ein. „Verzögerungen lassen sich aber leider auch in dieser Woche noch nicht ganz ausschließen.“

Generell suche die Post händeringend nach neuem Personal, auch im Raum Leonberg. Dies gestalte sich allerdings nicht so einfach, so der Sprecher. Sowohl bei den regulären, wie bei den Ferienkräften seien Briefträger schwer zu finden. „Vielleicht sollte die Post ihre Austräger etwas besser entlohnen“, kommentiert Erika Schäffer diese Aussage. „Ich habe schon öfter gehört, dass das Gehalt nicht so toll sein soll.“




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