Senioren-Betreuung Prozess gegen Chefin von Pflegefirma startet neu

Riesiger Bedarf: Betreuung von alten Menschen Foto: Rudel/Hass/Rudel/Hass

Seniocare24 präsentiert sich als Vorzeigefirma bei der Vermittlung von Betreuerinnen aus Osteuropa. Nun kommt die Geschäftsführerin vor Gericht – wegen illegalen Einschleusens von Ausländern.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Der im vorigen Jahr überraschend geplatzte Prozess um die Vermittlung von Senioren-Betreuerinnen aus Osteuropa soll neu gestartet werden. Die Hauptverhandlung gegen die Chefin der bundesweit tätigen Firma Seniocare24 aus Kandel in der Südpfalz ist jetzt für Mai angesetzt. Dies teilte eine Sprecherin des zuständigen Amtsgerichts Landau mit. Es seien zwei Termine am 20. und 27. Mai vorgesehen. Die Anklage wirft der Geschäftsführerin gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern vor. Sie wurde zum Schöffengericht erhoben, was einen Strafrahmen von bis zu vier Jahren Freiheitsstrafe ermöglicht. Die beschuldigte Frau verwies auf ihren Anwalt, der sich jedoch weiter nicht äußert.

 

Der Fall war im April 2024 bereits einmal in Landau verhandelt worden. Das Verfahren platzte jedoch laut Gericht, weil „einige Zeugen ukrainischer Staatsangehörigkeit nicht geladen werden“ konnten. Die Staatsanwaltschaft ermittele nun die aktuellen Anschriften, hieß es. Eine Hauptverhandlung darf nicht zu lange unterbrochen werden, deswegen wurde ein zweiter Anlauf nötig.

Am Anfang stand eine bundesweite Razzia

Die Ermittlungen waren 2020 unter Federführung der Staatsanwaltschaft Görlitz angelaufen und durch eine Razzia bekannt geworden. Bundesweit waren daran etwa tausend Fahnder von Justiz, Polizei und Zoll beteiligt. Bei der Vermittlung von osteuropäischen Frauen zur Rund-um-die-Uhr Pflege von deutschen Seniorinnen und Senioren in deren Zuhause, so der Verdacht, komme es zu diversen Gesetzesverstößen – etwa dem gewerbsmäßigen Einschleusen von Ausländern, der illegalen Beschäftigung und dem Vorenthalten von Arbeitsentgelt. Auf 14 Millionen Euro wurden die nicht abgeführten Sozialversicherungsbeiträge geschätzt.

Die Ermittlungen richteten sich auch gegen drei Firmen aus Polen, die Frauen aus der Ukraine als „Touristinnen“ nach Deutschland vermittelten. Dort arbeiteten sie ohne die nötige Genehmigung in Senioren-Haushalten. In Deutschland gerieten Firmen in den Fokus der Justiz, die mit den Polen kooperierten und die Vermittlung der Ukrainerinnen an die Kunden übernahmen – darunter auch Seniocare24, einer der Branchenführer mit Büro unter anderem in Stuttgart.

Seniocare präsentiert sich als Vorzeigefirma

Bisher hatte sich SenioCare24 stets als Vorzeigefirma präsentiert, bei der alles „absolut legal“ und „juristisch einwandfrei“ zugehe. Die Chefin Renata F. war regelmäßig in den Medien präsent, etwa in großen TV-Talkshows. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe hatte sie betont, man unterstütze „die Ermittlungen vollumfänglich“. Man bewege sich auf „unsicherem Rechtsgebiet“ und habe selbst ein Interesse daran, dass die offenen Fragen „ein für alle Mal geklärt“ würden. Aktuell äußerte sich F. nicht zu dem Prozess.

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