Senioren-Debatte in Fellbach Fellbachs OB Zull: „Kein Kahlschlag bei unserer Seniorenarbeit“

Hat der Fellbacher Treffpunkt Mozartstraße noch eine Zukunft? Foto: Eva Schäfer

Zur Zukunft der Fellbacher Begegnungsstätten ist ein erstes Gespräch „gemeinsam mit allen Akteuren“ anberaumt. Fraktionschefs monieren die mangelhafte Kommunikation der Verwaltung.

Die geplante Konsolidierung des Haushalts 2026 inklusive der beiden bereits verabschiedeten millionenschweren Sparpakete beherrscht weiterhin die Debatte um die marode Finanzlage in Fellbach (Rems-Murr-Kreis). Ein Thema ist allerdings weiterhin ungelöst: die Zukunft der drei Seniorenbegegnungsstätten in der Kernstadt sowie in den Stadtteilen Schmiden und Oeffingen.

 

Die Verwaltung hatte nach vehementer Kritik, zum Beispiel vom Stadtseniorenrat Fellbach, die vorgeschlagenen Schließungen der Einrichtungen bereits im Dezember wieder aus den Beratungen zur Etatkonsolidierung herausgenommen.

Einsparungen „bis an die Schmerzgrenze“ erforderlich

Zu Beginn der jüngsten Sitzung erklärte die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull in einem Grundsatzstatement, dass man bei den anvisierten Einsparungen einerseits „bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus“ gehen müsse, andererseits jedoch die Themen auch „behutsam angehen“ und „mit den Beteiligten sowie den Kooperationspartnern abstimmen“ werde. Ihr Credo: „Wir sparen mit Augenmaß!“

Und, so Zull: „Dieses Vorgehen gilt auch für die Seniorenarbeit. Gemeinsam mit allen Akteuren werden wir hier die künftige Organisation erarbeiten.“ Einen ersten Termin dazu gebe es bereits, das Treffen werde gerade von dem bei diesem Thema federführenden Ersten Bürgermeister Johannes Berner vorbereitet. Auch ein Workshop ist angedacht.

Bezüglich der Angebote für ältere Menschen in Fellbach stellte Zull klar: „Von einem Kahlschlag oder einer Einstellung der Seniorenarbeit kann keine Rede sein.“

Obgleich die Senioren also gar nicht Teil des Sparpakets II waren, gingen einige Sprecher im Lokalparlament doch auf das Thema ein. SPD-Fraktionschef Andreas Möhlmann erklärte generell zu den Konsolidierungsmaßnahmen, diese seien „schmerzhaft, aber kein Kahlschlag“. Zur Akzeptanz in der Bevölkerung sei jedoch „eine offene, transparente Kommunikation“ unerlässlich.

„Die Axt als Werkzeug“ bei der Seniorenpolitik

Doch, so Möhlmanns Tadel: „Genau das hat nicht funktioniert beim Thema Seniorenarbeit, hier wäre beinah die Axt als Werkzeug ausgepackt worden.“ Wenigstens sei durch „das Einwirken des Gemeinderats“ jetzt „die Vollbremsung verhindert“ worden. Und immerhin, die Beteiligten würden demnächst „an einen Tisch geholt“, das Thema werde nochmals beraten.

Das Ziel der Gespräche geht nach SPD-Ansicht in diese Richtung: „Wir müssen Alternativen zur Schließung finden.“ Im Übrigen sei es richtig, das Thema Seniorentreffpunkt vom Haushalt abzukoppeln, um hier nicht überstürzte Fakten zu schaffen. Möhlmann bringt es auf diesen Nenner: „Reformen ja, Abschließen nein!“

Bereits in der Dezember-Sitzung hatte der CDU-Fraktionschef Franz Plappert in seinem aufsehenerregenden Statement zum Thema Forum Fellbach erklärt: „Hier gab es leider Entwicklungen, bei denen, so die öffentliche Wahrnehmung, Vertrauen verspielt wurde“ – bei den Mitarbeitern, den Angestellten und vielen ehrenamtlich Tätigen „und vor allem bei unseren Seniorinnen und Senioren“.

In derselben Sitzung versicherte Martin Oettinger, der Fraktionschef der Freien Wähler/Freien Demokraten, „es geht nicht um eine Schließung oder eine Zerstörung der Seniorenarbeit, sondern um eine Neustrukturierung“. Allerdings stehe fest, „dass wir mehr mitnehmen und erklären und die Betroffenen mit einbinden müssen“.

„Das war nicht gut kommuniziert“

Die Oberbürgermeisterin räumte in ihrer aktuellen Replik auf Plapperts, Oettingers und Möhlmanns kritische Äußerungen, Defizite bei der Diskussion über die Senioren und die Zukunft oder mögliche Schließung der Begegnungsstätten ein. „Das war nicht gut kommuniziert, das tut mir und uns leid.“

Man müsse allerdings auch „bei den Fakten bleiben“, so Gabriele Zulls Erklärung zu manchen ruppigen Wortbeiträgen der vergangenen Wochen, die offenbar laut ihrer Wahrnehmung öfter nicht der Wahrheit entsprochen haben.

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