Senioren Demente Menschen sind fast fremd im eigenen Leben

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In Leinfelden-Echterdingen gibt es ab September die Veranstaltungsreihe „Demenz geht uns alle an“. Damit sollen Bürger der Stadt für die an Demenz erkrankten Personen sensibilisiert werden.

Leinfelden-Echterdingens Bürgermeister Alexander Ludwig (Zweiter von links) stellt mit anderen Projektpartnern die Veranstaltungsreihe „Demenz geht uns alle an“ vor. Foto: Malte Klein
Leinfelden-Echterdingens Bürgermeister Alexander Ludwig (Zweiter von links) stellt mit anderen Projektpartnern die Veranstaltungsreihe „Demenz geht uns alle an“ vor. Foto: Malte Klein

Leinfelden-Echterdingen - Im Supermarkt steht eine alte Frau vor einem Regal. Sie möchte Margarine kaufen. Doch sie nimmt die Packung nicht aus dem Regal, sondern schaut sie nur lange an. Bei der Vorstellung der Veranstaltungsreihe „Demenz geht uns alle an“ am Donnerstag nannte Susanne Sternberg, Vorstandsmitglied vom Stadtseniorenrat Leinfelden-Echterdingen, diese Situation als ein Beispiel für Verhaltensweisen von Demenzkranken. Im Rathaus Leinfelden erläuterten Sozialbürgermeister Alexander Ludwig und die Projektpartner die geplanten Veranstaltungen der Reihe.

Sternberg engagiert sich im Häuslichen Betreuungsdienst Demenz der Bürgerstiftung, des Stadtseniorenrats und der Stadt und bekommt viel vom Leben dieser Menschen mit. „Im Supermarkt wäre es gut, wenn eine Verkäuferin die Frau anspricht“, sagte Sternberg. Doch dafür muss diese etwas über die Krankheit Demenz wissen. Genau das soll durch die Initiative „Demenzkuriere für unsere Stadt“ der Verwaltung und der Bürgerstiftung geschehen.

Immer mehr demente Menschen bis 2030

Von Donnerstag, 13. September, bis Mittwoch, 10. Oktober, gibt es in der Reihe zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Demenz. „Wir wollen Lebensfreude auch für Demenzkranke vermitteln“, sagte Ludwig. Derzeit seien 840 Menschen in L.-E. dement. „Diese Zahl wird sich bis zum Jahr 2030 verdoppeln“, gab er einen Ausblick. „Das ist eine Herausforderung für die Erkrankten, das soziale Umfeld aber auch für die Mitarbeiter in Geschäften.“ Damit die Kaufleute sensibilisiert werden, will der Häusliche Betreuungsdienst auf den Wochenmärkten in Musberg, Echterdingen und Leinfelden Ehrenamtliche werben. „Die Demenzkuriere sollen in ihren Stadtteilen aktiv werden und mit Apothekern und Einzelhändlern über die Krankheit sprechen“, sagte Petra Feuer als Mitglied des Häuslichen Betreuungsdienstes Demenz.

Mit einer Vernissage beginnt am Donnerstag, 13. September, um 18 Uhr die Ausstellung „Facettenreich“ in den Räumen der Volkshochschule am Neuen Markt in Leinfelden. Sie ist Teil der Veranstaltungsreihe. Bis zum 31. Oktober sind dort Bilder von dementen Menschen zu sehen. „Zum Teil sind es schöne Bilder. Andere sind klecksig oder bestehen nur aus Strichen und wirken irritierend“, sagte Ronald Bachmann, der Leiter des Awo Seniorenzentrums Sonnenhalde in Musberg. Die 60 Bilder der Ausstellung sind in der Kunsttherapie der Einrichtung entstanden. „Die Bilder geben einen Eindruck von Menschen wieder, die unter der Verzerrung der Wirklichkeit leiden und die vom Zustand her fast fremd sind im eigenen Leben.“

Spezieller Gottesdienst für Erkrankte

Christine Beilharz, die Geschäftsführerin der Diakoniestation auf den Fildern, kündigte für Samstag, 6. Oktober, 15 Uhr, einen Gottesdienst für Demenzkranke in der Stephanuskirche in Echterdingen an. „Es wird ein klassischer Gottesdienst sein, bei dem die alten Menschen die Bibelverse und Lieder kennen.“ Die Bürgerstiftung L.-E. unterstützt die Veranstaltungsreihe.




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