Seniorenzentrum Spitalhof in Münchingen Wo der Mensch im Mittelpunkt steht

Von Franziska Meißner 

Im Seniorenzentrum Spitalhof hofft man, trotz anstehender Veränderungen weiter eine gute Pflege machen zu können. Die Bewohner sollen sich wohl fühlen – und möglichst wenig eingeschränkt werden.

Der Spitalhof in Münchingen (links) und das  Haus Guldenhof in Hirschlanden  nehmen in ihrem Namen beide  Bezug  auf die jeweilige Ortshistorie Foto: factum/Granville
Der Spitalhof in Münchingen (links) und das Haus Guldenhof in Hirschlanden nehmen in ihrem Namen beide Bezug auf die jeweilige Ortshistorie Foto: factum/Granville

Korntal-Münchingen - Vor zehn Jahren, im Juni 2006, als die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland in vollem Gange war, bekam ein altes Gelände in Münchingen eine neue Bedeutung: Am Spitalhof, einem früheren Gutshof der Esslinger Spitalbruderschaft, entstand ein Altenheim. Planungen dafür gab es schon länger, zunächst mussten aber die Grundstücksverhältnisse geklärt werden. Die Stiftung Evangelische Altenheimat investierte knapp sechs Millionen Euro, um das Seniorenzentrum Spitalhof zu bauen. Mit rund 100 Angestellten wechselte damals fast die komplette Belegschaft aus einem anderen Heim der Stiftung, dem Luise-Schleppe-Haus in Stammheim, nach Münchingen. Auch die Patienten kamen größtenteils mit. Die damals 90 Plätze, die der Bewohnerzahl in Stammheim geschuldet waren, wurden nach und nach auf heute 75 Plätze reduziert.

Auf drei Wohnbereiche teilen sie sich auf, einer davon ist für Menschen mit Demenz. Zwölf Doppelzimmer gibt es – noch. Denn die Landesheimbauverordnung sieht vor, dass es vom September 2019 an im Wesentlichen nur noch Einzelzimmer in Pflegeheimen gibt – und niemand gegen seinen Willen mit einer anderen Person in einem Doppelzimmer zusammenleben muss. Patricia O’Rourke, die Heimleiterin, hofft, dass man die jetzigen Doppelzimmer zu Einzelzimmern umfunktionieren kann – mit der Folge, dass das Altenzentrum dann wohl keine Doppelzimmer mehr anbieten kann.

Einige Veränderungen stehen an

Es ist nicht die einzige Veränderung, die ansteht. Die Ausbildung wird neu geregelt, es gibt bald neue Pflegegrade und ein neues Begutachtungssystem für Pflegeheime. Zudem werden die Personalschlüssel bundesweit künftig neu geregelt – nicht zum Schlechteren, wie O’Rourke hofft. „Die Qualität wäre dann nicht mehr dieselbe“, sagt die Heimleiterin.

Im Altenzentrum will man den Bewohnern etwas bieten. Es gibt Freizeitangebote wie einen Chor, Spielenachmittage oder ein Tanzcafé. Jeden Donnerstag kommen sogenannte Begegnungsclowns, die weniger derb lustig als einfühlsam sein sollen. Auch der Förderkreis des Spitalhofs hilft dabei, das Angebot auszubauen. So gibt es dank der Hilfe der Förderer einen Bewegungsparcours samt Boule-Bahn, ein Backhäusle und einen Demenzgarten, der vor einigen Jahren angelegt wurde und mit Düften die Sinne der Senioren stimulieren soll. Nicht zuletzt sammelt der Förderkreis Spenden – „ohne das geht gar nichts“, sagt O’Rourke.

Sturzsäcke statt Bettgitter

Das Team im Spitalhof ist bemüht, die Bewohner möglichst nicht einzuschränken. Strikte Essenszeiten etwa gibt es im Spitalhof nicht. Außerdem macht das Heim bei einer Initiative des Landkreises mit, bei der freiheitsentziehende Maßnahmen minimiert werden sollen. Im Seniorenzentrum gibt es deshalb keine Bettgitter mehr, stattdessen werden jeden Abend Sturzsäcke vor die Betten gelegt. „Es ist nur die Angst“, sagt Otto Koblinger, der Vorsitzende des Fördervereins. Aus dem Bett gefallen, sagt O’Rourke, sei in zwei Jahren noch niemand. „Die Frage ist, wie man mit den Menschen umgeht“, sagt Koblinger.

Den Verantwortlichen ist es wichtig, dass sich die Bewohner zuhause fühlen im Spitalhof. Ihre Zimmer können sie ohnehin selbst gestalten und etwa eigene Möbel mitbringen. Auch Tiere sind auf diese Weise schon in den Spitalhof gezogen – eine Bewohnerin hatte ihre Katze mitgebracht. Um die Erinnerung an ihr früheres Zuhause aufrecht zu halten, hat das Team eine neue Projektidee aus den Niederlanden abgeguckt: Die Zimmertüren im Demenzbereich sollen personalisiert werden – durch eine Klebefolie, einer Art 3D-Druck der alten Haustür. Auch Briefkästen soll es geben, ebenfalls nach dem Vorbild im alten Zuhause. Ganz billig ist das nicht; eine Folie für eine Tür kostet 190 Euro. Nun werden Spender gesucht. „Ihre Haustür können sich viele dann viel besser merken als Ziffern“, sagt O’Rourke – vielleicht auch die Bewohnerin, die während des Gesprächs vorbeikommt und nach ihrer Zimmernummer fragt.




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