Seniorin aus Ostfildern sammelt Spenden Anreize für junge Pflegekräfte
Dem Fachkräftemangel in der Pflege will Helga Krämer mit der Organisation „Bärenstarkes Pflegeherz“ entgegenwirken. Sie sammelt Spenden für den Nachwuchs.
Dem Fachkräftemangel in der Pflege will Helga Krämer mit der Organisation „Bärenstarkes Pflegeherz“ entgegenwirken. Sie sammelt Spenden für den Nachwuchs.
Als sie selbst im Krankenhaus lag, hat Helga Krämer gesehen, wie schwer die Arbeit der Pflegekräfte ist. „Dazu kommt der Personalmangel“, sagt die 80-jährige Kemnaterin. Deshalb hat sie die Organisation „Bärenstarkes Pflegeherz“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, junge Pflegekräfte zu unterstützen. Mit Spenden werden zum Beispiel Mitgliedschaften in Sportvereinen, Fahrkarten oder Sprachkurse finanziert. Das soll „Anreiz und zugleich ein Zeichen der Wertschätzung sein“.
Vor einem Jahr hat die Rentnerin angefangen, Spenden zu sammeln, um die jungen Menschen zu unterstützen. „Da habe ich nur Werbung im Freundeskreis gemacht“, erinnert sie sich. Schnell seien so 6000 Euro zusammengekommen. Gemeinsam mit ihren Kindern Daniel Krämer und und Martina Markowitzky überlegte sie sich dann, „die Aktion auf ein solides Fundament zu stellen.“ Sie gründete eine sogenannte gemeinnützige Unternehmergesellschaft. „Da hat uns das Team der Esslinger Industrie- und Handelskammer sehr gut beraten“, findet Markowitzky. Nun sammelt die Organisation noch bis zum Frühjahr Spenden. „Die fließen dann in vollem Umfang an die Auszubildenden in der Pflege“, sagt Helga Krämer. Da hat die rüstige Rentnerin, die noch jeden Tag eine Stunde joggt, Kontakte zu den Pflegeschulen im Landkreis Esslingen geknüpft. „Sie haben sich sehr über unsere Initiative gefreut.“ Dort hat die Kemnaterin erfahren, „dass sich die jungen Leute oft kaum die Nebenkosten für ihre Wohnungen leisten können“. Auch da will das „Bärenstarke Pflegeherz“ schnell und unbürokratisch helfen.
Wie wichtig Pflegekräfte für die Gesellschaft sind, haben die Krämers in der eigenen Familie, aber auch im Freundeskreis oft erlebt. Doch vielen Berufsanfängern fehlt die Wertschätzung. Das hat sie in Gesprächen erfahren. „Beifall klatschen genügt nicht“, sagt die Seniorin. Mit den Spendengeldern fördern die Krämers zum Beispiel Mitgliedschaften in Vereinen. „Vom knappen Gehalt könnten die Pflegeschülerinnen und -schüler sich das nicht leisten.“ Da geht es der Seniorin auch um die Integration der jungen Leute ins Gemeinwesen. „Wenn sie hier in Vereinen integriert sind, bleiben sie auch eher hier, um zu arbeiten.“
Martina Markowitzky beobachtet immer wieder, dass die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege vom harschen Ton mancher Patienten entsetzt sind. Deshalb kann sie sich vorstellen, Kurse zu fördern, in denen Resilienz geübt wird. „Mit solchen Trainings weiß man einfach besser, wie man auf solche Aggression reagieren kann.“
Dass ihre Mutter sich so für junge Menschen engagiert, macht Martina Markowitzky stolz. Deshalb hilft sie der Seniorin beim Aufbau der Organisation, wie auch die ganze Familie. Mit ihrem 13-jährigen Sohn Tim hat sie die Internetseite gestaltet. 5000 Broschüren ließ die 80-Jährige drucken, die sie im Kreis Esslingen verteilt. Beim Sortieren half der siebenjährige Lenny, ihr Enkel. Auch dessen Vater, ihr Sohn Daniel, unterstützt die Mutter. Wichtig ist Krämer, „dass die Spenden ohne Abstriche bei den jungen Leuten landen.“ Unkosten für Verwaltung und Werbung schultert die Familie selbst.
Kontonummer für Spenden: Bärenstarkes Pflegeherz; Kreissparkasse Esslingen - Nürtingen; IBAN: DE55 6115 0020 0104 4983 12. Informationen: www.baerenstarkes-pflegeherz.de